Lebensmittel Barilla experimentiert mit Nudeln aus dem 3-D-Drucker

Pasta is displayed at the Alimentaria trade show in Barcelona Pasta is displayed at the Alimentaria trade show in Barcelona March 25, 2010. Food and drink manufacturers and distributors from around the world are showcasing their products at Alimentaria until March 26. REUTERS/Albert Gea (SPAIN - Tags: FOOD BUSINESS)

(Foto: REUTERS)
  • Pasta-Marktführer Barilla bietet mit einem 3-D-Drucker die Personalisierung von Nudeln an.
  • Der Prototyp ist noch nicht praxisreif. Am Anfang brauchte eine einzige Nudel 20 Minuten, jetzt sind es nur noch zwei Minuten.
Von Ulrike Sauer, Mailand

Am Anfang war der Kloß. Wenig Design, viel sättigende Materie. Der gnocco, Urform der italienischen Pasta, nahm von Fingern bearbeitet schon bald eine neue, wenn auch noch rudimentäre Gestalt an, als orecchiette. Dann begann der Mensch, den Teig dünn auszurollen. Er stieß die Tür weit auf zu Lasagne, Tagliatelle und Co. Einen Sprung in der Evolution der Nudel ermöglichte die Einführung der Bronzeschablonen, durch die der Hartweizenteig gepresst wird. Zum Spaghetto etwa. Das Angebot stieg im Lauf der Zeit auf 200 Formate. Tempo und Mengen legten zu. Die technische Entwicklung der Nudel aber schien im 16. Jahrhundert ausgereizt.

Weit gefehlt, wie sich jetzt auf der Weltausstellung in Mailand zeigt. Die Digitalisierung der Wirtschaft erfasst auch die Pasta-Herstellung. Der Marktführer Barilla präsentiert im Future Food District der Expo eine Weltneuheit: den dreidimensionalen Nudelprinter. Er kann, was mit den traditionellen Verfahren aus Handwerk und Industrie nicht zu schaffen ist: die Realisierung unkonventionellen Pasta-Designs. Denn der 3-D-Drucker bringt die Nudel auch in die komplizierteste Form. Und er erlaubt ihre totale Personalisierung. Es kommt die Lieblingsnudel à la carte.

"Nudeln sind in ihrer Vielgestalt Architektur für den Gaumen"

Ein Teller Rosen, aber bitte glutenfrei. Zweimal Vollmonde, deren Krater schön viel Sugo aufsaugen, heute mal mit extra Ballaststoffen. Oder vielleicht Wirbel aus Kamut und Spinat? Die Bestellung der Zukunft, im Restaurant oder im Nudelladen, lässt Raum für grenzenlose Kreativität. Der römische Start-up Thingarage führte im Auftrag von Barilla einen Design-Wettbewerb durch. Unter 216 eingereichten Nudelmodellen siegten sie: Rosen, Monde und Wirbel. Im Vergleich sieht Giorgetto Giugiaro, Großmeister des Autodesigns, mit seiner Marille alt aus. Er entwarf 1983 die erste Designer-Nudel, die an das griechische Beta erinnerte.

Form follows function, sagen Designer. Form prägt den Geschmack, sagen Italiener. Für Giancarlo Gonizzi, Kurator der Barilla-Akademie, findet die kulinarische Kunst ihren höchsten Ausdruck in dreidimensionalen Objekten. Genau wie die Architektur. "Nudeln sind in ihrer Vielgestalt Architektur für den Gaumen", schrieb er.

Zu Beginn brauchte jede Nudel 20 Minuten

Dass Barilla mit der additiven Fertigung experimentiert, ist seit anderthalb Jahren kein Geheimnis. Nun ist der Nudelprinter da. Er steht in einem Expo-Pavillon in einer Vitrine. Wenig spektakulär, 40 Zentimeter breit. Noch ist der Prototyp nicht praxisreif. Anfangs benötigte das Gerät 20 Minuten, um eine einzige Nudel herzustellen. "Nach drei Jahren schaffen wir es, einen Teller Pasta in zwei Minuten zu drucken", sagt Michela Petronio, die Barillas Forschungsabteilung in Parma leitet. Sie reizt die Befreiung von den industriellen Fesseln, die zur Herstellung riesiger Mengen des gleichen Produkts zwingen. Denn jede neue Form ermögliche neue Geschmackserlebnisse. Und für den Verbraucher sei das 3-D-Potenzial doppelt interessant. "Jeder bekommt das für ihn geeignete Produkt", sagt die Entwicklerin.

Schmeckt die Drucker-Nudel denn? "Buonissima", lacht Petronio. Das sei nicht überraschend. Sie besteht ja nur aus Gries und Wasser.