Whistleblowing Britische Finanzermittler bekommen mehr Insider-Tipps

Sie verraten ihren Arbeitgeber: Die Zahl der wertvollen Whistleblower-Meldungen an die britische Finanzaufsicht steigt deutlich an. Hohe Strafen für Banken motivieren die Tippgeber.

Whistleblower werden aktiver. Die Zahl der Hinweise an die Finanzbehörden in Großbritannien ist auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Zwischen November 2012 und Oktober 2013 haben sich mehr als 5000 Personen unter der Hotline für Whistleblower gemeldet, wie die Financial Times berichtet. Die Aufsicht, zuständig für den wichtigen Finanzplatz London, hat ausgehend von den Informationen 254 Verfahren aufgenommen - ein Anstieg um mehr als 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Zahlen stammen aus dem Bericht einer Analysefirma, die eine Anfrage an die Behörden gestellt hatte. Die Analysten stellen fest, dass die Hemmschwelle für Tippgeber in Großbritannien und den USA gesunken ist. Das liege zum einen am größeren Anreiz für Whistleblower, etwa durch finanzielle Belohnungen. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC zahlte im September 2012 die bisher höchste Summe von 104 Millionen Dollar. Auch Ausländer können sich an die SEC wenden.

Zum anderen seien aber auch die Strafen für Verstöße höher geworden, vor allem im Rahmen des Libor-Skandals. Mehrere Großbanken hatten den Referenzzinssatz Libor zu ihren Gunsten manipuliert und wurden dafür zu Millionenzahlungen verdonnert. In den Monaten danach ist die Zahl der Verdachtsfälle im Bereich Marktmanipulation deutlich gestiegen.

Die Analysten halten das für keinen Zufall. "Firmen und Einzelpersonen sind sich zunehmend bewusst, dass sie verpflichtet sind, mögliches Fehlverhalten zu melden", sagte ein Experte der FT.

Anders als in anderen Ländern sind Whistleblower in Deutschland nicht durch ein Gesetz geschützt. Wer hierzulande etwa einen Missstand bei seinem Arbeitgeber entdeckt und diesen öffentlich macht, ohne vorher auf eine interne Klärung zu vertrauen, muss mit einer Kündigung rechnen.