Whisky Whisky-Investoren kaufen die Brennereien leer

Große Auswahl: Besucherin in einem Whisky-Museum in Edinburgh.

(Foto: Jeff J. Mitchell/Getty Images)

Getreide wird zu Gold: Die erfolgreichen Destillerien geraten unter Druck, weil Whisky weltweit zunehmend als Geldanlage gesehen wird.

Von Björn Finke

Whisky ist nicht nur ein hochprozentiges Getränk, sondern auch ein hochprozentiges Investment. Alte und seltene Flaschen erzielen bei Auktionen stolze Preise, und manche Vermögensverwalter empfehlen das "Wasser des Lebens" - der gälische Begriff für Whisky - als exotische Beimischung im Depot betuchter Anleger. Doch der Einstieg in den Whisky-Markt wird immer schwieriger, denn bei manchen Sorten werden die edlen Tropfen knapp, etwa beim Scotch. Rickesh Kishnani, Chef eines Whisky-Investmentfonds, warnt bereits, es gebe einen "Mangel an alten und seltenen Single Malts, und der wird sich noch verschlimmern". Die Welt kommt auf den Whisky-Geschmack - und das spüren nun Sammler und Investoren.

Single Malt bedeutet, dass Gerstenmalz die Grundlage der Spirituose ist, die aus einer einzigen Brennerei stammen muss, also nicht verschnitten wurde. Solche Getreideschnäpse sind teurer als verschnittene Whiskys wie Johnnie Walker, der meistverkaufte Whisky aus Schottland. Richtig teuer - und somit zur Geldanlage - werden Whiskys, die Jahrzehnte alt sind. Der älteste Scotch in Kishnanis Fonds stammt aus dem Jahr 1902 und kostet mehr als 7000 Dollar pro Flasche. Whisky ist einfacher aufzubewahren als Wein, da er ungeöffnet nicht an Geschmack verliert. Die Geldanlage verdirbt also nicht.

Angebliche Rendite: 15 Prozent im Jahr

Weltweit wird Whisky - oder Whiskey, wie der Schnaps in Irland und auch oft in den Vereinigten Staaten heißt - immer populärer. Davon profitieren auch die 115 Destillerien in Schottland. Nur sie dürfen ihre Tropfen Scotch nennen. Weil in den Schwellenländern, etwa in China, immer mehr Menschen ihre Liebe zum Scotch entdecken, verdoppelten sich die Exporte der schottischen Brenner seit der Jahrtausendwende. Die Produktion stieg in dem Zeitraum ähnlich schnell an. Und die Unternehmen bauen neue Destillerien. Allein in den vergangenen zwei Jahren gingen neun in Betrieb, bis zu 40 weitere sind geplant. Südlich der innerbritischen Grenze, in Wales und England, eröffneten ebenfalls Brennereien. Sie dürfen ihren Schnaps aber nicht als Scotch verkaufen. Trotzdem: Für ausreichend Nachschub im Supermarkt-Regal ist gesorgt.

Das ist allerdings kein Trost für Sammler und Investoren. Sie suchen ältere Tropfen. Und die Zahl der Menschen, die für eine Flasche aus den Achtzigerjahren Hunderte Euro ausgeben wollen, wächst: Auch reiche Chinesen möchten nun seltene Sorten besitzen - als Geldanlage, Sammlerobjekt oder als exklusiven Absacker. Doch vor 30 Jahren brannten die Destillerien viel weniger Whisky. Den heutigen Boom konnten die Manager nicht vorausahnen, ansonsten hätten sie wohl mehr produziert und zum teuren Verkauf in ferner Zukunft eingelagert. Aus diesem Grund ist es heute schwer, alte Flaschen zu ergattern.

Der Investmentfonds, den Rickesh Kishnani leitet, wurde vor anderthalb Jahren in Hongkong aufgelegt. Er sammelte neun Millionen Dollar bei reichen Anlegern ein und gab davon bereits sechs Millionen Dollar aus, für mehr als 7000 Flaschen. Der Manager verspricht eine Rendite von 15 Prozent pro Jahr: Das wäre dann wirklich ein hochprozentiges Investment.

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