Wettstreit um Patente Apple und Google spielen digitales Monopoly

Die Übermacht von Apple stören, das ist das Ziel von Google-Chef Larry Page. Mit dem Kauf der Mobilfunksparte von Motorola will er ins lukrative Geschäft der Smartphones einsteigen. Doch der Konkurrenzkampf wird nicht nur auf dem Markt ausgetragen, sondern auch in den Gerichtssälen.

Kommentar von Hans-Jürgen Jakobs

Telefone mit eingebautem Computer oder elektronische Tafeln, die Filme zeigen, sind vergleichsweise banale technische Produkte. Im Jahr 2011 jedenfalls. Und doch umwehte die vereinigten Gerätschaften des US-Konzerns Apple zuletzt etwas Mystisches. Der Unternehmensführer Steve Jobs schien, wenn auch schwer erkrankt, ein König Midas der digitalen Welt zu sein, dem alles zu Gold wird, was er anfasst. Seine Errungenschaften - iPod, iPhone, iPad - ließen ihn für manche schon zur großen Ikone werden.

Im zweiten Quartal verkauften seine Jünger 20,3 Millionen Superhandys ("Smartphones"), so viel wie nie in der Firmengeschichte und so viel, wie es kein Konkurrent schafft. Wettbewerbern und Geschäftspartnern gegenüber demonstrierten die Apple-Leute mit ihrem geschlossenen i-System ein Selbstbewusstsein, als würde die Formel für technischen Fortschritt exklusiv im Konzern-Tresor in Cupertino, Kalifornien, liegen.

Gegen Hybris hilft in der Wirtschaft nur Wettbewerb - und die erfährt Apple bemerkenswerterweise von einem Unternehmen, das selbst in Ländern wie den USA oder der Bundesrepublik ein Quasi-Monopol genießt (bei Online-Suchmaschinen) und das nicht gerade vor Bescheidenheit strotzt. Google macht sich daran, das Idyll der Steve-Jobs-Übermacht empfindlich zu stören. Dem erst 1998 gegründeten Internet-Unternehmen ist es jetzt 12,5 Milliarden Dollar wert, die Mobilfunksparte von Motorola zu kaufen. Das ist insofern bedeutsam, als dadurch Android, das Betriebssystem von Google, gestärkt wird. Android soll die Basis für all die Smartphones und Tablet-Computer sein, die der muntere Angreifer selbst verkaufen möchte. Doch bevor am Ende der Produktkrieg beim Verbraucher entschieden werden soll, müssen erst die Schlachten in Gerichtssälen rund um Patente gewonnen werden.

Fortsetzung der Firmenpolitik mit anderen Mitteln

Hier hat Apple ein paar Vorteile. An den eigenen Nutzungsrechten besteht kein Zweifel, dafür aber ist das rivalisierende Android-System angreifbar. Und so verklagen die Weltenherrscher aus Cupertino, wie übrigens auch Microsoft, reihum Gerätehersteller, die Googles Android einsetzen - oft erfolgreich. Mitte Juli erwischte es den taiwanesischen Hersteller HTC, einen engen Partner von Google; die US-Handelsbehörde entschied, in zwei Fällen sei abgekupfert worden. In gleich sechs Ländern geht Apple gegen Samsung vor. Ein juristischer Krieg ist die bloße Fortsetzung der Firmenpolitik mit anderen Mitteln.

Folgerichtig geht also Google-Chef Larry Page dazu über, im digitalen Monopoly gegen Apple selbst so viele Patente wie möglich zu ergattern. Im Bieten um 6000 Patente des insolventen Netzwerkausrüsters Nortel Networks war er Anfang Juli noch gegen eine Allianz um Apple und den Blackberry-Hersteller RIM unterlegen gewesen. Vor zwei Wochen aber übernahm Google dann 1000 Lizenzen von IBM. Und jetzt, mit dem Motorola-Deal, sind wichtige Patente verbunden. Das soll die Firma besser gegen Apple, aber auch Microsoft und andere Firmen schützen, verkündet Mitgründer Page. Zudem ist seine Firma über Nacht Hardware-Anbieter geworden.

Es wäre soweit alles in schönster wettbewerblicher Ordnung, wenn die Gigantomanen von Google mit ihrem undurchsichtigen Gehabe im Stammgeschäft der Internetsuche nicht selbst auf sich aufmerksam gemacht hätten. Die US-Kartellwächter schauen sich genau an, ob hier nicht Marktmacht auf andere Felder übertragen wird, ob nicht Suchanfragen manipuliert werden. Auch geht es dabei um Android. Google wird im Kampf der Imperien vermutlich noch einige Nachfragen vor Gericht bestehen müssen, ehe die eigenen Geräte die Apple-Bestseller vielleicht einmal überholen. Und es wird noch manche Milliarde ausgegeben werden, sei es für Patente, sei es für Marktzugänge. Es geht ja um nichts Geringeres als die Dominanz im mobilen Internet.