Wirtschaftsminister Brüderle will mächtige Konzerne "entflechten". Dafür bekommt er nun Rückendeckung von der Monopolkommission.
Rückendeckung für Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP): Die Monopolkommission unterstützt seine Pläne, große Konzerne bei zu starker Marktmacht zu zerschlagen. Das geht aus dem Sondergutachten der Kommission zu dem geplanten Entflechtungsgesetz des Ministers hervor.
Zu mächtige Konzerne wird es - wenn es nach Wirtschaftsminister Rainer Brüderle geht - in Zukunft nicht mehr geben. (© Foto: dpa)
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Die fünf Mitglieder starke Kommission berät die Bundesregierung in der Wettbewerbspolitik. Brüderle will bis Herbst 2010 ein neues Instrument im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen aufnehmen. Vorgesehen ist dabei, dass das Bundeskartellamt als letzte Möglichkeit das Recht erhalten soll, zu mächtig gewordene Unternehmen, "zum Verkauf oder zur Verselbstständigung von Vermögensteilen zu zwingen".
Dies soll auch erlaubt sein, wenn ein Konzern seine Marktmacht noch nicht missbraucht hat. Das Gesetz zielt vor allem auf Energiekonzerne. Bei Wirtschaftsverbänden war dies auf scharfe Kritik gestoßen. Auch im Bundesinnenministerium gab es zunächst erhebliche juristische Bedenken.
Zerschlagung unter bestimmten Bedingungen zulässig
Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hatte moniert, das Gesetz könne auch Kliniken und Krankenkassen treffen. Nach Ansicht der Mehrheit in der Kommission stehen neuen Vorschriften aber keine verfassungsrechtlichen oder europarechtlichen Bedenken entgegen. Eine Entflechtungsregelung könne dazu beitragen, "Wettbewerbsprozesse in Gang zu setzen und aufrechtzuerhalten".
Nach dem Gesetzesentwurf des Wirtschaftsministerium soll eine Zerschlagung von Unternehmen dann zulässig sein, wenn sich bei einem Verkauf mindestens 50 Prozent des aktuellen Marktwerts von dem abgetrennten Unternehmensteil erlösen lässt.
Die Kommission schlägt nun in ihrem Gutachten vor, neben dem Verkaufserlös "eine Kompensation aus öffentlichen Mitteln" zu gewähren. Diese Leistung soll vom gutachterlich festgestellten Verkehrswert und vom Verkaufserlös abhängen.
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(SZ vom 28.04.2010/nog/hgn)
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wie Strom, Gas, Wasser, Öl müßten unter einen besonderen Schutz gestellt werden und diese Konzerne bevorzugt aufgelöst werden.
Eine Regierungskommission wacht darüber und ist weisungsberechtigt wie bei der Bahn, der Post und der telekom.
Priorität hat der Schutz des Bürgers und nicht die Gewinne der konzerne. Das ist soziale Marktwirtschaft. Hobt's me?
Zerschlagen übermächtiger Konzerne: ja natürlich.
Zerschlagen um zu privatisieren: nein.
Zerschlagen mit Kompensation durch Steuerzahler: nur sehr begrenzt.
Ein FDP-Politiker der die Konzernhoheit attackiert?
Ja nee is klar! Ein Pilot wird wohl kaum den Flugzeugträger bombadieren auf dem er landen will ..
Nette Stammtischtheorie.
Wenn Herr Brüderle einmal über seinen begrenzten Tellerrand hinausschauen würde, könnte er sehen, daß seine Stammtischparole nur dann erfolgreich ist, wenn eine weltweite Zerschlagung von marktbeherrschenden Konzernen getätigt wird, ansonsten schwächt er die deutsche Wirtschaft einseitig.
Gerade in der von ihm genannten Energiebranche kann man das sehen. Soll er doch E.ON und RWE zerschlagen - Enbw und Vattenfall kann er nicht, daß sind größtenteils ausländische Großkonzerne. Z.B. der franz. Staatskonzern GDF freut sich maßlos, kann er doch nun frei wirken und schalten.
Nee, Herr Brüderle, soo einfach wie mit Guido am Stammtisch besprochen ist das Thema nicht.
Mei,
am 9. Mai sind Wahlen und Brüderle will sich wohl ein paar Stimmen von den Stammtischen abholen.
Interessante Strategie - Proteststimmen gegen "die Macht der Konzerne" für die FDP.
Tja, Instinktpolitik gegen bewusste Positionierung. Oder hat er da vorher wirklich strategisch nachgedacht?
Paging