Wertewandel: Andere soziale Zeichen Seychellen statt Auto

Entzauberung eines Statussymbols: Eine Umfrage zeigt, dass Pkws in modernen Gesellschaften heute weniger Prestige haben als Konsumgüter oder Reisen.

Von Karl-Heinz Büschemann

"Mit einem Auto, selbst wenn es teuer ist, lässt sich heute wesentlich weniger Staat machen als früher." Das behauptet die Münchner Unternehmensberatung Progenium. Sätze wie diese kommen in der Autoindustrie nicht gut an. Aber die Berater haben nach eigenen Angaben 1000 Bundesbürger befragt.

Das Ergebnis: Der Kauf eines iPhones, ein Seychellen-Urlaub und gute Kleidung haben für die Menschen größere Bedeutung als der Kauf eines Autos. "Insbesondere Frauen, Großstädter, Westdeutsche und die kaufkräftigen älteren Generationen verspüren heute weniger den Drang mit dem Autokauf ein soziales Zeichen zu setzen", heißt es in der Studie.

Nach dieser Umfrage sagen heute nur noch 17 Prozent der Bürger, ihr Auto sei für sie ein Statussymbol. Von den Befragten glauben 41 Prozent, ihr Pkw habe für sie nur die Funktion des Transportmittels. "Der Bedeutungsverlust des Autos als Instrument der sozialen Positionierung geht auf den allgemeinen Wertewandel zurück", sagt Progenium-Chef Michael Mandat.

Nur der Porsche schlägt noch alle anderen Produkte

Nach der Umfrage hat die Anschaffung eines Smart oder eines Opel für die Käufer beim Image in etwa die gleiche Bedeutung wie der Kauf einer Waschmaschine oder eines Mallorca-Urlaubs. Die Anschaffung eines Mercedes sei heute weniger imageträchtig als der Kauf eines Tickets für das WM-Finale. Nur der Kauf eines Porsches sei eine Ausnahme, der Image-Wert dieser Marke schlage alle Produkte.

Das sehen Hersteller naturgemäß anders, vor allem die Hersteller von Luxusmarken widersprechen. "Dass das Auto einen Verlust im Ansehen erleidet, ist nicht der Fall", sagt ein Vertreter von Daimler. Ein BMW-Sprecher betont: "Wir können diese Aussage nicht bestätigen."

Für den Münchner Konzern habe das Auto "noch immer einen Spitzenrang, gleichauf mit modernem Mobilfunk-Geräten." Gerade bei den Luxus-Marken, die sich knapp zwei Jahre nach dem Absturz der Branche in die größte Krise wieder eines reißenden Absatzes in China erfreuen, werden kritische Betrachtungen des Autos als Problem der Industrieländer abgetan.

Hohe Verkehrsdichte und gute öffentliche Verkehrsmittel

In einem Wachstumsland wie Russland stehe das Auto noch immer an erster Stelle, erklärt ein BMW-Sprecher. In China komme das eigene Auto gleich nach der Kleidung an zweiter Stelle.

Allerdings sind schon viele andere Studien zu dem Ergebnis gekommen, dass das Auto in der modernen Gesellschaft an Bedeutung verliert. Dazu tragen vor allem die Dichte des Verkehrs in den großen Städten bei und ein gutes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln.

So sagt eine Untersuchung des Automotive Centers in Bergisch-Gladbach: "Die emotionale Bindung der jungen Generation an das Statussymbol Auto lässt deutlich nach." Für den Schweizer Trendforscher David Bosshart vom Gottlieb Duttweiler Institut in Zürich ist das Auto inzwischen "das Auslaufmodell des 21. Jahrhunderts". Seine Bedeutung als Statussymbol habe "auch in Deutschland bereits abgenommen".

Der Bremer Neurophysiologe Peter Kruse behauptet sogar, die Menschen hätten sich schon längst gegen das Auto entschieden. Es habe seinen Spitzenplatz als das begehrteste Konsumobjekt eingebüßt: "Die Konsumenten entzaubern das Auto gegenwärtig mit gnadenloser Konsequenz."