Arbeitsbedingungen auf Werften Albtraumschiffe

Die Ems in die Nordsee: Die Gewerkschaften beklagen prekäre Arbeitsverhältnisse im Schiffbau.

(Foto: dpa)

In Papenburg, Herkunftsort von Luxus-Linern, verbrennen zwei rumänische Arbeiter. Sie sollen zu Dumpinglöhnen bei einem Dienstleister der Meyer Werft angestellt worden sein - womöglich kein Einzelfall. Kritiker sprechen bei den Werkverträgen von einem "Sumpf mafiöser Unternehmer".

Von Kristina Läsker, Hamburg

Die Meyer Werft in Papenburg baut hochmoderne Kreuzfahrtschiffe. Wie viele der Luxusdampfer der Reederei Aida mit dem typischen roten Kussmund am Bug. Auf die 1795 gegründete Familienfirma aus Norddeutschland ist man in der Werft-Industrie sehr stolz. Ein deutscher Betrieb baut Traumschiffe für die Welt.

Einem Albtraum kommt aber gleich, was jetzt aus dem Emsland bekannt wird. Angeblich arbeiten viele Osteuropäer auf der Werft zu Dumpinglöhnen, ausgebeutet von einem externen Dienstleister oder dessen Subunternehmer, unwürdig untergebracht auf engem Raum. Es sind Zustände, wie man sie vor allem aus der Fleischindustrie kennt.

Und die Werft in Papenburg ist womöglich kein Einzelfall. Auf den deutschen Docks schrumpft die Zahl der Stammarbeiter seit Jahren. Laut einer Studie der IG Metall Küste arbeitete 2012 schon mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer per Werkvertrag (24,4 Prozent) oder als Leiharbeitnehmer (12,3 Prozent).

Ein tödlicher Brand könnte zum Weckruf für den Schiffbau werden. Am Sonntag wollte ein Fahrer der Meyer Werft eine Gruppe rumänischer und bulgarischer Arbeiter zur Schicht abholen. Bei Ankunft brannte die Unterkunft, ein Einfamilienhaus, lichterloh. Für zwei Rumänen, 45 und 32, kam jede Hilfe zu spät, sie verbrannten in dem Klinkerbau.

"Untragbare Zustände"

Im Haus hätten "untragbare Zustände" geherrscht, erzählt Arzt Volker Eissing, der zum Unglücksort gerufen wurde. Bis zu 13 Betten hätten dicht an dicht im Wohnzimmer gestanden. Es habe keine Schränke gegeben, das Hab und Gut sei unter die Betten gestopft gewesen. "Die Männer waren auf engstem Raum zusammen gepfercht."

Der Mediziner aus Papenburg hat oft Werftarbeiter aus Rumänien und Bulgarien in seiner Praxis. Was er berichtet, ist haarsträubend. Die Männer würden erzählen, dass sie nicht mehr als drei Euro netto pro Stunde verdienten, behauptet Eissing. "Das frage ich, um zu wissen, ob ich überhaupt eine Rechnung stellen soll." Häufig seien die Männer nicht krankenversichert. Wenn er den Ausweis sehen wolle, heiße es oft: Den hat der Chef.

Es ist ein bitterer Alltag, den Eissing beschreibt, doch bei der Meyer Werft wollen sie davon nichts wissen. Er sei schockiert, sagt Werften-Geschäftsführer Lambert Kruse. "Dass es dort katastrophale Zustände gegeben haben soll, ist mir unbekannt." Kruse verweist darauf, dass die Männer bei der Firma SDS aus Emden beschäftigt sind. Die 120 Osteuropäer, überwiegend aus Rumänien und Bulgarien, arbeiten als Schweißer und Schiffbauer per Werkvertrag auf der Werft. Alles Billigarbeiter? Kruse widerspricht. Grundsätzlich, so sagt er, erhielten Personaldienstleister wie SDS einen Bruttolohn zwischen 20 und 35 Euro pro Stunde. Acht bis zehn Euro netto kämen davon bei den Arbeitern an. Auch die zwei toten Rumänen hätten laut Lohnauszügen von SDS einen Nettolohn von 1800 Euro im Monat erhalten, sagt Kruse.

Das beteuert auch Günther Kunz, Anwalt des Dienstleisters SDS. Regelmäßig lasse sich SDS-Geschäftsführer Senol Sahinler nachweisen, "dass das Geld auch bei den Leuten ankommt". Allerdings seien die Männer bei einem rumänischen Unternehmen angestellt, räumt Kunz ein. SDS sei bloß dessen Subunternehmer. Der Dienstleister aus Emden kümmere sich um Unterkünfte, er betreibe fünf Häuser in Papenburg. Es sei falsch, dass die Arbeiter nicht krankenversichert seien, sagt Kunz. "SDS lässt sich vor Einreise den Sozialversicherungsnachweis vorlegen." Auch die Reisepässe würden nicht eingesammelt. "Die Firma hat nur Kopien."