Weniger ohne Job als im Vorjahr Arbeitsmarkt bleibt auch im neuen Jahr stabil

Schuld ist nur der Winter: Auch wenn die Zahl der Menschen ohne Job wieder die Drei-Millionen-Marke übersteigt, ist man bei der Bundesagentur guter Dinge. Der Anstieg liege nur an der Jahreszeit, heißt es dort. Es ist die niedrigste Januar-Arbeitslosigkeit seit 20 Jahren. Vom deutschen Trend können andere europäische Staaten nur träumen. Vor allem die Jugend in Südeuropa hat kaum eine Chance.

Der Winter hat Deutschland erreicht, und mit ihm steigt erwartungsgemäß die Arbeitslosenzahl. Trotzdem gibt sich Frank-Jürgen Weise zufrieden. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit sagt: "Die Arbeitsmarktentwicklung im Januar knüpft an die gute Entwicklung des letzten Jahres an. Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosigkeit hat rein jahreszeitliche Gründe."

Die Gesamtzahl der Arbeitslosen ist im Vergleich zum Vormonat um 302.000 gestiegen und hat die Drei-Millionen-Marke wieder knapp überschritten, teilt die Bundesagentur in Nürnberg mit. Doch der Anstieg in diesem Januar fällt geringer aus als in den Vorjahren. Verglichen mit dem Vorjahresmonat sind 264.000 Menschen weniger ohne Arbeit. In diesem Winter kamen das bisher milde Klima und die robuste Konjunktur dem Arbeitsmarkt zugute. Es ist die niedrigste Januar-Arbeitslosigkeit seit 20 Jahren.

Die Quote legte um 0,7 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent zu. Vor einem Jahr stand sie noch bei 7,9 Prozent.

"Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung haben weiter deutlich zugenommen, und die Nachfrage nach Arbeitskräften liegt auf hohem Niveau", sagte Weise.

Im vergangenen Jahr war die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren gefallen. Im Jahresdurchschnitt waren mehr als 2,9 Millionen Arbeitslose registriert.

Die Zahl der Erwerbstätigen ist im Vergleich zum Vorjahr um 572.000 auf mehr als 41 Millionen gestiegen, vor allem dank zunehmender Teilzeitbeschäftigung. Einer Hochrechnung der Bundesagentur zufolge arbeiten 29 Millionen Menschen in Deutschland in Sozialversicherungpflichtigen Jobs.

Auch die Zahl der Empfänger von Hartz-IV ging im Vergleich zum Vorjahresmonat um 254.000 zurück. Fast 4,5 Millionen Deutsche erhalten die Grundsicherung noch.

Trotzdem haben es gerade Langzeitarbeitslose weiterhin schwer, eine feste Anstellung zu bekommen. Nur 14,9 Prozent von ihnen erhielten im Boom-Jahr 2011 einen Job.

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland geht also langfristig weiter zurück - der hiesige Arbeitsmarkt nimmt damit eine Ausnahmestellung in Europa ein. Ebenfalls an diesem Dienstag hat das Europäische Statistikamt Eurostat die Arbeitslosenzahlen für EU und Euro-Raum veröffentlicht. Bei ihren Berechnungen berufen sich die Statistiker aus Luxemburg auf Zahlen vom Dezember 2011.

Horrende Jugendarbeitslosigkeit in Spanien

Demnach sind in allen 27 Ländern der Union fast 24 Millonen Menschen ohne Job. Das sind fast eine Million mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote liegt bei 9,9 Prozent, 0,4 Prozentpunkte höher als im Dezember 2010.

In den 17 Staaten der Euro-Zone liegt die Arbeitslosenquote bei 10,4. Das ist zwar genauso hoch wie im November, aber ebenfalls 0,4 Prozentpunkte höher als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Arbeitslosen lag damals noch um 751.000 niedriger.

Von den EU-Staaten haben Österreich mit 4,1 Prozent, die Niederlande mit 4,9 Prozent und Luxemburg mit 5,2 Prozent die niedrigsten saisonbereinigten Arbeitslosenquoten. Die höchsten Quoten meldeten Spanien mit 22,9, Griechenland mit 19,2 (für Oktober 2011) und Litauen mit 15,3 Prozent (fürs dritte Quartal 2011). Im Falle Griechenlands entspricht das einem Anstieg von fast 40 Prozent im vergangenen Jahr.

Besonders dramatisch sieht es nach wie vor für Jugendliche in Südeuropa aus. In Spanien haben 48,7 Prozent der unter 25-Jährigen ihnen keine Arbeit. Die Quote für Portugal steigt weiter um 0,2 Prozentpunkt auf 30,8 Prozent. In Italien ist die Zahl von November auf Oktober leicht gesunken - von 31,2 Prozent auf 31. In der gesamten Euro-Zone liegt die Quote bei 21,3 Prozent, 0,1 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahresmonat aber 0,7 Prozentpunkte höher als vor einem Jahr. Die Zahl der jungen Arbeitslosen in Europa hatte im Laufe des Jahres 2011 drastisch zugenommen.