Die Lage Opels wird immer prekärer. Jetzt schließt auch Bundeskanzlerin Merkel eine Insolvenz des Traditionsherstellers nicht mehr aus. Sie stärkt damit Wirtschaftsminister Guttenberg den Rücken, der immer mehr unter Beschuss gerät.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schließt eine Insolvenz des angeschlagenen Autobauers Opel laut Spiegel nicht aus. Merkel sagte in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin: "Wir setzen alles daran, eine andere Lösung zu finden." Eine direkte Beteilung des Staates komme aber nicht in Betracht, bekräftigte sie.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Warum soll der beste Teil des Konzerns untergehen, nur weil in Amerika ein schlechtes Management das Mutterunternehmen geführt hat?" (© Foto: ddp)
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Zur anhaltenden Unterstützung des Staates für die deutsche Traditionsmarke erklärte die Kanzlerin, Opel selbst könne nichts machen, wenn sich die europäischen Regierungen nicht darum kümmerten. "Warum soll der beste Teil des Konzerns untergehen, nur weil in Amerika ein schlechtes Management das Mutterunternehmen geführt hat?" Die Regierung würde sich um Opel auch kümmern, wenn es die Wirtschaftskrise nicht gäbe.
Die Kanzlerin stärkte mit ihren Äußerungen indirekt Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den Rücken, der bislang immer wieder betont hatte, dass eine Insolvenz Opels zu den möglichen Optionen zähle. SPD-Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier macht sich hingegen unverdrossen für eine Rettung Opels stark.
Kritik an Washington
Merkel übte zudem Kritik an der US-Regierung und verlangte eine noch intensivere Zusammenarbeit: "Hier gibt es sicherlich noch Steigerungsmöglichkeiten auf amerikanischer Seite", sagte sie dem Spiegel.
Die Vorwürfe der SPD gegen Wirtschaftsminister Guttenberg wies Merkel zurück. Guttenberg tue nichts weiter als seine Pflicht, wenn er sowohl auf die Erhaltung von Arbeitsplätzen als auch auf das Geld der Bürger achte.
Guttenberg war zuletzt auch indirekt von Fiat-Chef Sergio Marchionne angegriffen worden. Dieser hatte am Morgen mitgeteilt, an dem für Freitag angesetzten Krisentreffen im Kanzleramt nicht mehr teilnehmen zu wollen.
Marchionne monierte zum einen die neuen Geldforderungen von General Motors die Fiat dazu zwingen würden, Opel finanziell zu unterstützen und sich damit "unnötigen und irrationalen Risiken auszusetzen." Er beanstandete aber auch, dass der italienische Hersteller keinen vollständigen Zugang zu finanziellen Schlüssel-Informationen gehabt habe, um ein ernsthaftes Angebot vorlegen zu können.
Finanzlage bis dato unbekannt
Vernünftige und seriöse Unterhändler könnten nicht erwarten, dass Fiat Finanzmittel in ein Unternehmen stecke, dessen Finanzlage bis dato unbekannt geblieben sei, so Marchionne.
Auch der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen hatte Guttenberg angegriffen. Das Spitzentreffen im Kanzleramt in der Nacht auf Donnerstag sei "sehr amateurhaft vorbereitet" worden, sagte er.
Guttenberg hätte Bedingungen vorgeben und mit den Investoren in kleinen Gruppen vorverhandeln müssen. Dann hätte man rasch Antworten gehabt und entscheiden können, so der Experte.
Dudenhöffer sprach Guttenberg außerdem den unbedingten Willen zur Rettung des angeschlagenen Autobauers ab.
"Man hat den Eindruck, er will Opel bewusst in die Insolvenz schicken und den Schwarzen Peter den USA zuschieben". Guttenberg habe sich zu sehr auf sein Treuhandmodell festgelegt, das aber keine Chancen auf Erfolg habe: "Die Amerikaner können dem Modell nicht zustimmen, weil es gegen US-Gläubigerrecht verstoßen würde", sagte Dudenhöffer.
"Weder uninteressiert noch inkompetent"
Der Wirtschaftsminister hatte die Amerikaner nach dem geplatzten Krisengipfel zu größerer Ernsthaftigkeit aufgefordert, nachdem General Motors kurzfristig neue Forderungen in Höhe von 300 Millionen Euro erhoben hatte.
Die Replik aus den USA ließ daraufhing jede diplomatische Höflichkeit vermissen: Die US-Regierung verwahre sich stark gegen den Eindruck, dass sie entweder uninteressiert oder inkompetent sei, sowie Last-Minute-Forderungen erhebe, hieß es in einem Briefing des Weißen Hauses.
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(sueddeutsche.de/dpa/AFP/pak/tob)
Gysi gegen Lafontaine
Rettung gescheitert, Treuhandmodell erst recht, Investoren vergrätzt. Wer glaubt, dass Opel jetzt in einer so genannten "geordneten" Insolvenz saniert wird, kann sich böse irren. Die Amerikaner sind die Eigentümer, und wenn diese ein paar tausend US-Arbeitsplätze mit ein paar tausend deutschen Arbeitsplätzen erkaufen können, werden sie das tun.
An Opel wird wahrscheinlich anstandshalber ersteinmal ein bisschen rumgedoktert, danach liquidiert.
die patente haben sie. die wollen ihre autos in zukunft in USA oder BRIC Länder bauen!
die amis wissen genau das hier wahlkrampf ist! die lachen sich mittlerweile halb tot!
das konzept von den sozis würde dennen schon gefallen! schnell mal paar mrd. in opel
rein pumpen, was früher oder später bei GM landen würde. ich bin mir sicher das GM
die opel standorte in europa klanglos untergehen lässt! nächste woche kommt es zum
schwur,die opelmitarbeiter brauchen perspektive (geld) um weiter machen zu können!
aber wer wird der profiteur sein! denke mal GM.
mfg
Ich stimme Ihren Ausführungen zu. Gestern (Rettung von Opel) habe ich bemerkt, dass das Gipfeltreffen am Mittwoch nicht wirklich "gescheitert" ist, wie fast alle Welt beklagte. Im Gegenteil: Die Bundesregierung muß der (vermeintlich destruktiven) Verhandlungstaktik der US-Regierung Mittwoch Nacht im Grunde dankbar sein. Der drohende Imageverlust der Deutschen in Folge einer miserablen Verhandlungsführung und wurde zunächst abgewendet.
Was hat Berlin aus dem Vorgang gelernt? Anscheinend nichts!
Schon heute ist ein weiteres zwanghaftes Gipfeltreffen anberaumt. Zumindest Fiat- und Magnaverantwortliche haben aber aus der Lektion vom Mittwoch gelernt. Derzeit ist es ohne den Verhandlungspartner schlechthin, nämlich die US-Regierung, sinnlos. Deswegen konsequenterweise die Absage an Berlin.
Und ein "Ultimatum" an die US-Regierung in Sachen Offenlegung Finanzierungsbedarf bis heute 14.00 Uhr wird voraussichtlich in Washington bestenfalls ignoriert. So erreicht man mit aber hoher Wahrscheinlichkeit ein "Scheitern" von Verhandlungen. Vielleicht ist es neuerdings von Berlin so gewollt?
Merkel sagt die heutigen Gespräche voraussichtlich ab. Hohn und Spott über das Kasperletheater sind dann doch zu groß geworden.
In der Opelaffaire sind wirklich die politisch größten verfügbaren Dilettanten am werkeln. Mein Gott! Da wird erst groß ausposaunt, daß man die Interessenten hinhalten will, damit sie sich gegenseitig überbieten. Für wie blöd hält man denn die Käufer? Die Ministerpräsidenten streiten sich dann welches Werk den kleinsten Stellenabbau hinnehmen soll und merken gar nicht, daß die potentiellen Käufer davon profitieren wenn die Luft dünner wird für Opel. Da werden Zusagen der Käufer eingefordert, die sich hinterher im Zweifelsfall sowieso nicht durchsetzen lassen. Denn was macht denn die Regierung, wenn der Investor sagt er müsse aus marktbedingten Gründen umdisponieren? Kredite kündigen, Geld abziehen? Dann droht der doch mit zusätzlicher Stellenabbau. Als Lernerfolg unserer "moderierenden" (kommt das eigentlich von Moder?) politischen "Starverkäufer" wird am Schluß hängen bleiben, daß eine Wählerschaft viel einfacher zu verkaufen ist als ein Unternehmen.
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