Weltwirtschaftsforum in Davos Vertrauen hat sich "dramatisch verbessert" - und nun?

Das Vertrauen in Europa habe sich "dramatisch verbessert", weil die Staaten und die EZB die richtigen Schritte unternommen haben. Von einer Pleite oder einem Euro-Austritt Griechenlands ist derzeit keine Rede mehr, ebenso wenig von einem Kollaps Italiens oder Spaniens. Stattdessen streiten sich Europas Finanzpolitiker darüber, ob das hochverschuldete Zypern systemrelevant ist oder nicht. Von der Hysterie vergangener Monate ist wenig zu spüren.

Die Signale sind unterschiedlich, nicht zuletzt in Deutschland, das von den Verwerfungen an den Finanzmärkten bislang noch wenig gespürt hat. Deutsche Konzerne melden gute Geschäfte. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble konnte sich 2012 über einen, wenn auch winzigen Haushaltsüberschuss freuen. Das sieht nach robuster Dynamik aus. Doch zugleich mehren sich Hinweise auf einen Abschwung: Das Wachstum hat sich 2012 abgekühlt, im letzten Jahresquartal schrumpfte die Wirtschaft sogar um 0,5 Prozent.

Unter deutschen Vorstandschefs herrscht aber Optimismus, mehr als bei ihren internationalen Kollegen. Das zeigt eine Umfrage der Wirtschaftsprüferfirma Price-Waterhouse (PWC) unter 1330 internationalen Managern, die am Dienstag in Davos vorgestellt wurde. Danach blickt fast jeder zweite deutsche Unternehmenschef zuversichtlich auf die kommenden drei Jahre. Innovationsstarke Unternehmen aus Deutschland hätten eine große Chance, sich vom allgemeinen Trend abzukoppeln, sagt Norbert Winkeljohann, Chef von PWC in Deutschland. Dazu kommt, dass Deutschland aus Sicht des internationalen Topmanagement einer der wichtigsten Wachstumsmärkte weltweit bleibt - hinter China, den USA und Brasilien. Trügerische Ruhe also?

Unternehmen und Finanzmärkte werden aufmerksam hören, welche Signale von Davos ausgehen. Kanzlerin Merkel, der britische Premier Cameron, Italiens Ministerpräsident Monti und EZB-Chef Draghi kommen in die Berge - ihre Worte werden mitbestimmen, ob der eigentümliche Frieden anhält oder die Angst zurückkehrt. Das aber hieße dann: Big Trouble für Big Business.