Von Kirsten Ludowig

Schlägt man im Duden das Wort Globalisierung nach, fällt das Auge schnell auch auf den nächsten Begriff: Globalisierungsgegner. Umfragen zufolge ist die Mehrheit der Menschen skeptisch.

Die Globalisierung schreitet in unglaublichem Tempo voran, für einige Menschen wohl zu schnell: Sie sind verunsichert angesichts der rasanten Verflechtung der Weltwirtschaft und ihrer Folgen.

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Das zeigen Meinungsumfragen zum Thema Globalisierung. Zum Beispiel jene des German Marshall Fund (GMF) der Vereinigten Staaten.

Das Institut, das die transatlantische Partnerschaft fördern will, befragte im vergangenen Jahr Menschen in den USA und verschiedenen europäischen Ländern. Den Ergebnissen nach halten nur etwa die Hälfte aller Amerikaner und Europäer die Globalisierung für vorteilhaft.

Ausnahme Italien

Allein in Italien ist der Anteil der Globalisierungsbefürworter mit 62 Prozent deutlich größer als der Anteil der Gegner. Dabei ist die Zahl derer, die keine Meinung haben, recht hoch, vor allem in Polen (27 Prozent) und den USA (14 Prozent). In Frankreich wählen zwar weniger Menschen die Antwortkategorie "weiß nicht", aber auch hier gibt es keine eindeutige Mehrheit für die Globalisierung.

Trotz dieses unklaren Meinungsbildes befürworten zwei Drittel der Amerikaner und Europäer den Freihandel. Sie glauben, dass der Wohlstand im Heimatland und anderswo durch offene Märkte steigt.

Im Gegensatz zur GMF-Umfrage kommt die Untersuchung, die die Financial Times 2007 in Auftrag gab, in Sachen Globalisierung zu klareren Ergebnissen. Danach sieht eine überwältigende Mehrheit in den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien die Globalisierung als Bedrohung an. Zudem halten in allen Ländern im Schnitt nur etwa 40 Prozent eine freie Marktwirtschaft für das "beste ökonomische System". Sehr viele Menschen - zum Beispiel 44 Prozent in Großbritannien, 34 Prozent in den USA - zeigen sich bei dieser Frage verunsichert und können sie nicht eindeutig mit "ja" oder "nein" beantworten.

Fehlendes Vertrauen

Auch bezweifelt eine Mehrheit die Fähigkeit der eigenen Regierung, internationale Unternehmen zu kontrollieren. So halten in den fünf europäischen Ländern im Durchschnitt etwa 40 Prozent Konzerne für mächtiger als die Regierung. Was die Konkurrenz durch wachstumsstarke Schwellenländer wie China und Indien angeht, so glaubt in Großbritannien und Frankreich nur ein Viertel der Menschen, dass die europäische Wirtschaft für den Wettbewerb mit diesen Staaten gerüstet ist. In Deutschland und den USA sind es gleichfalls nur Minderheiten von 44 und 37 Prozent.

Obwohl Deutschland als Exportnation von der Globalisierung ähnlich wie China profitiert, verbinden die Deutschen mit der zunehmenden Internationalisierung der Märkte vor allem, dass Jobs ins Ausland verlagert werden (78 Prozent), heimische Arbeitsplätze verlorengehen (61 Prozent) und das soziale Netz gefährdet wird (54 Prozent). Das ergibt eine Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach von 2006. Die Globalisierung wird zum Schreckgespenst.

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(SZ vom 21.1.2008/sho)