Ganz egal wie sehr der Ölpreis noch steigt: Die Globalisierung lässt sich nicht stoppen. Der Transport der massenweise und vor allem billig hergestellten Produkte wird ein wenig teurer - mehr aber auch nicht.
Die Proteste reichen rund um die Welt. In Spanien, in Frankreich, in Tschechien und Indien, in Japan, den USA, Neuseeland, der Türkei: Überall haben in den vergangenen Wochen Lastwagenfahrer ihre Fahrzeuge auf Autobahnen und in Innenstädten abgestellt. Sie demonstrieren gegen Kraftstoffpreise, die so schnell steigen wie nie zuvor in der Geschichte des modernen Verkehrs. In manchen Regionen haben sie sich binnen eines Jahres verdoppelt. Und die steigenden Kosten treffen alle Verkehrsmittel: Lastwagen, Schiffe, Züge, Flugzeuge.
Bild vergrößern
Die Globalisierung lässt sich nicht aufhalten, egal wieviel das Öl auch kostet. (© Foto: ddp)
Anzeige
Der Warentransport, eines der wichtigsten Bindeglieder der modernen Welt, wird in diesen Tagen erstmals seit langem nicht mehr billiger, sondern teurer. Was bedeutet das? Vor allem durch die immer einfachere und günstigere Beförderung von Menschen und Gütern waren ständig neue, entlegene Regionen ins Blickfeld gerückt, die zuvor wie hinter der Erdkrümmung verborgen waren. Das andere Ende der Welt rückte wie auf einer Erdscheibe in Sichtweite. "Die Welt ist flach", nannte der amerikanische Autor Thomas Friedmann denn auch sein Buch, in dem er die Globalisierung beschreibt. Wenn der hohe Ölpreis den Transport nun wieder teuer macht - wird die Erde dann wieder rund?
Sie wird es nicht. Billiger Transport hat es ermöglicht, dass wir uns an Vorzüge von Sandalen aus Pakistan oder Joghurt aus dem anderen Ende Deutschlands gewöhnt haben, aber er ist nie der Grund für die Warenströme gewesen, sondern nur kein Hindernis mehr.
Sandalen für zwei Euro
Beispiel Sandale: Der Rohstoff Leder, Zuschneiden und Nähen - alles ist am anderen Ende der Welt ungleich billiger als in Europa. Wer je auf dem indischen Subkontinent zwei Euro für ein paar offene Schlappen gezahlt und den Verkäufer angesichts der sehr auskömmlichen Marge zufrieden gemacht hat, versteht, welche gigantischen Kostenvorteile die Entwicklungs- und Schwellenländer haben. Da spielt es letztlich keine Rolle, wie viel Reeder und pakistanische Lastwagenfahrer von ihren gestiegenen Diesel-Rechnungen an ihre Kunden weitergeben können oder wie oft die Frachtfluggesellschaften in den nächsten Monaten noch die Kerosin-Zuschläge erhöhen. Es sind ein paar Cent pro Sandale. Die Fahrt um die halbe Welt bleibt bis auf weiteres einer der kleinsten Posten in der Kalkulation. Selbst der Weitertransport von Hamburg nach München ist teurer, und der fiele auch an, wenn die Ware aus Mecklenburg-Vorpommern käme.
Beispiel Joghurt: Seit Jahren gilt der "Almighurt" im Hamburger Supermarkt als Symbol für die sinnlose Verstopfung von Autobahnen. Hohe Treibstoffpreise könnten den Wahnsinn stoppen, so die Hoffnung. Offenbar empfinden aber genügend Norddeutsche süddeutschen Joghurt als Bereicherung. Genau wie Bayern Mozzarella kaufen und Schwaben Spreewaldgurken essen wollen.
Lesen Sie weiter, warum immer mehr Güter durch die Welt geschickt werden.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Wie viel ist uns die Umwelt wirklich wert? Eine Suche nach dem Preis der Natur. Jetzt lesen ...
- Thema
- Wirtschaftspolitik RSS
- Gastronomie und Rauchverbot Das Märchen von der Pleitewelle 28.04.2010
- Griechenland "Das kann ein Fass ohne Boden werden" 21.04.2010
- Griechenland: Rettungsfonds Finanzfeuerwehr für Europa 16.04.2010
- Europa unterstützt Griechenland Viel Furor, viel Unwissen 15.04.2010
- Irland: Sparmaßnahmen Raus aus dem Schweinestall 13.04.2010
- Ungleichgewichte im Welthandel USA auf Kuschelkurs mit China 05.04.2010
- Fachkräftemangel in Ostdeutschland Liebesgrüße aus Schwerin 01.04.2010
Nachruf