Ruanda: Im Griff des Öko-Herrschers

Wenn man in afrikanischen Ländern über Land fährt, drängt sich ab und an der Eindruck auf, alle Plastiktüten dieser Welt würden hier gezüchtet. Wie auf einer Plantage flattern die weggeworfenen Beutel dicht an dicht an den Grashalmen. Plastiktüten gehören zum Straßenbild der meisten afrikanischen Siedlungen, ob nun als Behältnis für Einkäufe oder als leuchtende Farbtupfer auf Müllhalden.

Es mag daher verwundern, dass es ausgerechnet ein afrikanischen Land geschafft hat, die Flut an bunten Beuteln einzudämmen: Im ostafrikanischen Ruanda gilt seit 2006 ein Plastiktütenverbot. Der kleine, dicht bevölkerte Staat ist nicht der einzige mit einer solchen Regel, aber er dürfte einer der wenigen sein, wo das Verbot tatsächlich gilt.

Wer nach Ruanda einreist, muss sein Gepäck überprüfen lassen. Finden sich darin Plastikbeutel, werden diese konfisziert, dafür verteilen die Beamten braune Papiertüten. In den Supermärkten liegen dieselben braunen Beutel aus, Händlerinnen balancieren ihre Ware nicht mehr von Plastik umhüllt auf dem Kopf, sondern in einer Papiertüte. Die Hauptstadt Kigali zählt zu den saubersten des Kontinents, und auch im Hinterland fällt auf, wie plastikfrei Teeplantagen und Reisfelder sind.

Verantwortlich für das cleane Erscheinungsbild ist der Kurs der Regierung von Präsident Paul Kagame. Der einstige Rebellenchef besiegte mit seiner Armee 1994 die ruandischen Völkermörder und wurde später Staatschef. Seither boomt das kleine Land. Die Wachstumsraten sind hoch, aus Ruanda soll einmal das Singapur Afrikas werden. Die Erfolge des Landes haben viel mit der militärischen Strenge des Präsidenten zu tun. Kampf gegen Korruption, Strafzettel für Müllsünder, auch das Verbot von Plastiktüten: in diesem Staat ein Klacks. Allerdings macht das strikte Regime auch vor der Presse und der Opposition nicht halt. Das Land ohne Plastiktüten ist gleichzeitig eines, das immer mehr ins Autoritäre abgleitet. Von Isabel Pfaff

Bild: Bloomberg 23. Oktober 2015, 11:462015-10-23 11:46:00 © SZ vom 23.10.2015/vit/rus