Die Erwartungen an den Weltfinanzgipfel waren enorm. Am Ende jedoch fehlte ein klares Schuldeingeständnis - vor allem von den USA. Aber es gab eine Einigung light.
War es sinnvoll, dass 20 Regierungschefs für viel Geld um die halbe Welt flogen, nur um fünf Stunden miteinander zu reden und ein Papier mit guten Absichten zu unterzeichnen, das im Großen und Ganzen schon vorher feststand? Ja, es war sinnvoll.
Während des Weltfinanzgipfels spricht US-Präsident George W. Bush zu den Regierungschef der ebenfalls beteiligten Länder (© Foto: AFP)
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Nicht dass der Weltfinanzgipfel in Washington revolutionäre Ergebnisse erzielt hätte. Das war auch gar nicht zu erwarten. Aber das Treffen der G-20-Staaten hat einen Prozess in Gang gesetzt, an dessen Ende eine neue und auf die Realitäten des 21. Jahrhunderts abgestimmte Form der globalen Wirtschaftszusammenarbeit stehen könnte.
Gemeinsame Prinzipien
Ob am Ende dieses Prozesses tatsächlich ein Erfolg stehen wird, ist offen. Umso wichtiger ist es daher, sich vorab darüber klarzuwerden, was in Washington erreicht worden ist - und was nicht.
Was eindeutig fehlte, war zum Beispiel ein klares "Mea Culpa". Das Gipfel-Kommuniqué räumt zwar in wunderbarem Diplomaten-Englisch ein, dass "in einigen fortgeschrittenen Ländern" die Behörden auf den Aufbau von Risiken in ihren Finanzinstitutionen nicht "angemessen" reagiert hätten.
Es wäre für die Weltöffentlichkeit erfrischend gewesen, hätte man an der Stelle Ross und Reiter genannt. Zum Beispiel so: "Die Vereinigten Staaten haben die Krise ausgelöst, weil sie unfassbare Exzesse in ihrem Kreditwesen zugelassen haben.
Die anderen Industrieländer haben dazu beigetragen, weil sie gar nicht erst versuchten, die neuen Entwicklungen auf den Finanzmärkten zu verstehen und daraus Konsequenzen zu ziehen." Nach einem solchen Schuldeingeständnis hätten die Schwellenländer, die entweder gar nicht oder nur am Rande zur Krise beigetragen haben, leichter ihrer neuen Verantwortung in der Weltwirtschaft gerecht werden können.
Die Rolle dieser Schwellenländer ist die andere große Leerstelle im Schlusskommuniqué. Es war von vorneherein klar, dass es diesmal auch auf China, Brasilien, Indien und andere Staaten ankommt, die man früher einmal zur sogenannten Dritten Welt rechnete.
Genau deshalb wurde der Gipfel ja nicht auf den Club der großen Industrieländer, die G 7, beschränkt, sondern auf die größere G 20 ausgeweitet. Brasilien ist ein Land, das wirtschaftspolitisch in den vergangenen Jahren fast alles richtig gemacht hat und nun trotzdem durch die Krise destabilisiert wird. Chinas unterbewertete Währung, seine Handelsüberschüsse und Ersparnisse haben Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft geschaffen und so der Krise eine besondere globale Dimension gegeben.
Wie gut und wie schnell die globale Rezession beendet wird, hängt nun auch davon ab, ob die Volksrepublik ihre Verantwortung als Kapitalüberschussland wahrnimmt und, zum Beispiel, dem Internationalen Währungsfonds mehr Geld gibt.
Große Unterschiede
Erreicht worden ist in Washington dagegen, dass sich alle Beteiligten auf die Themen einigten, die sie bei der Neuordnung des Weltfinanzsystems in den nächsten Monaten behandeln wollen. Mehr noch: Sie verständigten sich auf gemeinsame Prinzipien, an denen sie diese Reform ausrichten wollen und darauf, dass die nationalen Bankaufsichtsbehörden in internationalen Gremien zusammenarbeiten.
Das ist nicht wenig. Noch vor einem Jahr, als Deutschland den Vorsitz in der G-7-Gruppe hatte, redeten Europäer und Amerikaner beim Thema Finanzmarktregulierung aneinander vorbei.
Es sollte aber auch keine Illusionen geben. Wenn es konkret wird, sind die transatlantischen Unterschiede riesig. Das zeigt sich allein schon darin, wie die verschiedenen Delegationen die Gipfelergebnisse ihren nationalen Öffentlichkeiten vermittelten. In Europa war meist davon die Rede, dass nun die Finanzmärkte "lückenlos überwacht" werden sollten, in Amerika sehr viel allgemeiner nur davon, dass man der Weltwirtschaft "helfen" wolle.
Die Gefahr einer Blockade ist nicht von der Hand zu weisen. Auf der einen Seite Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy mit seinen hochfliegenden Plänen für eine Weltfinanzaufsicht, auf der anderen Seite Amerikaner (und im Zweifel wohl auch Briten), die sich um die Finanzplätze New York und London sorgen und daher notwendige Regulierungen verhindern könnten.
In dem Streit liegen beide Seiten falsch. Es wäre einerseits grotesk, würde man sich nur mit ein paar Minireparaturen am Finanzsystem begnügen. Andererseits sprechen all die Versäumnisse der Bank- und Börsenaufseher im Vorlauf der Krise dagegen, jetzt in neuen Superbehörden das Heil zu suchen.
Viele Hoffnungen ruhen nun auf dem neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Zu Recht, denn er hat sich als Wahlkämpfer beim Thema Wirtschaftskrise klug und besonnen verhalten, und er hat ein Team ausgezeichneter Wirtschaftsberater.
Trotzdem sollte man nicht zu viel erwarten, wenn der nächste Weltfinanzgipfel Ende April in London zusammentritt - gerade einmal 100 Tage nach Obamas Amtsantritt. Was das Zeitmaß für die Reformen im Finanzsystem betrifft, könnte das Vorbild eher die berühmten Konferenz von Bretton Woods vom Juli 1944 werden, an die in diesen Tagen so oft erinnert wird. Für deren Erfolg waren immerhin drei Jahre Vorarbeit notwendig.
(SZ vom 17.11.2008/hgn)
Machtkampf in der Linken
... "...Und die anderen Industrieländer haben dazu beigetragen , weil sie garnicht erst v e r s u c h t e n (!!!) , die neuen Entwicklungen auf den Finanzmärkten zu verstehen und ..." ! Man reibt sich die Augen , aber das steht da so bei Piper tatsächlich !
Tja , lauter Schuldige ! Oder sollte man sie wegen Unzurechnungsfähigkeit nicht entmündigen lassen ? Warum , so fragt man sich weiter , haben die nicht einfach mal bei den Weisen von der INSM-Loge angeklingelt ?!!
Aber der Piper hat auch jetzt noch Zweifel , dass die "Schuldigen" es endlich kapiert haben . Wenn die übers Jahr wieder alles "falsch" gemacht haben werden , finden die INSMs wieder neue (oder die alten ...) Schuldigen ...
Abgesehen davon, dass das Schlusskommunique bereits am Freitag geschrieben war, sollte man doch nicht verdrängen.
Da gibt es ein Weltcasino, in dem zocken immer noch und unvermindert Banken, Versicherungen, Hedge Fonds und große Private Equity Firmen (Heuschrecken) . Deren Chips sind: OTC (Over the counter - Finanzwetten) und CDS (Credit default swaps - Sicherungsgeschäfte) Gesamtvolumen der Chips: 738 Billionen $. (us TRILLIONS)
Dagegen steht die reale Weltwirtschaft mit einem WeltBIP (Brutto-Inlands-Produkt) von 55 Billionen $. Wenn die Casinospieler nur einen Verlust von 7,5 Prozent machen, entspricht das einem ganzen Brutto-Weltjahresprodukt.
Angesichts solcher Horrorzahlen hätten die G20 das Weltcasino schließen müssen. Statt dessen will man ins Casino ein paar Aufseher stellen, allerdings mit möglichst wenig Machtbefugnissen. Was den Menschen von den Medien konstant verschwiegen wird: Der Casinoumsatz wächst immer noch weiter.
Dann gute Nacht
Ich kann schon nichts mehr hörne von Gipfeln auf denen etwas verhandelt wurde und wird. Siehe Kommentar von Hellbellt: Verhandlungen finden vorher statt.
Aber alleine schon die Bandbreite von Sarkozy bis Bush und irgendwo dazwischen AM, ergibt einen bleibenden Stillstand. Oh, ich bin überzeugt, dass ein bisschen "Farbe" und "Fassade" beschlossen wird, aber ganz sicher nichts wirklich wesentliches, dass eine effektive Kontrolle der weltweiten Finanzströme garantiert.
In den Medien ist es schon zu spüren, die Beruhigung. Die Rezession (obwohl noch gar nicht richtig da) wurde der Bevölkerung verkauft, ohne das diesee zuviel muckte und jetzt gehts im alten Trott weiter. Shareholder value der du bist im Himmel......
Zumindest bis die Kreditblase bei den Amis in die Luft geht
Es ist schon erstaunlich, in welchem gemeinsamen Konzert die Medien versuchen, diesen Weltwirtschafts- und Finanzgipfel schönzureden.
Nun soll er ein Anfang gewesen sein??? Ein Anfang wofür? Und seit wann sind Gipfeltreffen ein Anfang? Gipfeltreffen sind der Schlußpunkt unter Verhandlungen und ausgehandelten Vorschlägen, die auf dem Gipfel dann unterschriftsbereit vorliegen. Ein Kaffeekränzchen war das. Schön, daß man mal wieder miteinander geredet hat. Wir haben eine Weltwirtschaftskrise? Wen interessiert das denn? Wir trinken Kaffee.
Ein Kommentator, der nicht sehen will, wie ergebnis- und damit zwecklos dieser "Simpel-Gipfel" war, sollte wieder beginnen, als unbezahlter Volontär zu arbeiten. Vielleicht lernt er es ja noch, die Vorgänge realistisch einzuschätzen und die Leser dann angemessen zu informieren. Statt Ihnen ein X für ein U vorzumachen. Weil es alle so machen.
heiße Luft und es läuft wahrscheinlich, wie beim Kyoto-Protokoll zur Umwelt.
Ein paar Sachen erwarte ich mir von Obama ja schon, aber bei der Regulierung der Finanzmärkte bin ich eher skeptisch.
Paging