Viele hochfliegende Hoffnungen an den Weltfinanzgipfel an diesem Wochenende hängen mit einem Begriff zusammen: Bretton Woods.
In diesem Ort im Norden des US-Bundesstaats New Hampshire tagte vom 1. bis zum 22. August 1944 der erste aller Weltfinanzgipfel. Amerikaner und Briten hatte diese "Währungs- und Finanzkonferenz der Vereinten Nationen" einberufen, weil sie die Lehren aus der Weltwirtschaftskrise ziehen wollten: Nie wieder sollten Welthandel und Kapitalverkehr zusammenbrechen wie in den dreißiger Jahren.
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System fester Wechselkurse
Die 44 Teilnehmerstaaten vereinbarten in Bretton Woods ein System fester Wechselkurse: Alle Währungen sollten in einem festen Verhältnis zum Dollar stehen, der tatsächliche Kurs durfte in einem engen Band um diesen Wert schwanken. Washington verpflichtete sich, Dollar jederzeit in Gold umzutauschen, zum Preis von 35 Dollar für die Feinunze. Auf- und Abwertungen waren möglich, aber nur im Konsens.
Zur Überwachung des Systems wurde der Internationale Währungsfonds (IWF) eingerichtet. Dessen wichtigste Aufgabe war es, Ländern zu helfen, deren Zahlungsbilanz in Nöten waren. Das betreffende Land bekam dann einen IWF-Kredit, musste dafür aber Bedingungen erfüllen. Für den Wiederaufbau des kriegszerstörten Europa wurde die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, die Weltbank, eingerichtet.
Das System hatte Erfolg. Es sicherte die beispiellose Prosperität der Nachkriegsjahre, obwohl vieles ganz anders lief, als die Erfinder, der britische Ökonom John Maynard Keynes und der amerikanische Staatssekretär Harry White, sich das vorgestellt hatten. So machten die Europäer, anders als vorgesehen, ihre Währungen erst 1959 konvertibel. Bereits 1971 flog das System fester Wechselkurse auseinander, weil die Amerikaner den Vietnam-Krieg auf Pump finanzierten und der Dollar immer schwächer wurde. Seit 1973 sind die Wechselkurse der meisten Währungen großen Währungen frei. Die Europäer führten 1999 eine Gemeinschaftswährung ein, etwas, was sich in Bretton Woods niemand hätte vorstellen können. Entscheidend war, dass mit dem IWF eine Institution gefunden wurde, die die Nationen zur Zusammenarbeit in Krisenzeiten zwang - bis heute.
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(SZ vom 14.11.2008/mel)
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Lieber Herr Piper,
da haben Sie aber stark vereinfacht und obendrein noch einen Fehler eingebaut. Sicher kann man in einem so kurzen Artikel nicht alle Details unterbringen, aber sollte eben auch nichts falsches schreiben.
Das Bretton-Woods-System, also der goldhinterlegte US-Dollar als Leitwährung, wurde tatsächlich vom US-Amerikaner Harry Dexter White vorgeschlagen und letztendlich auch umgesetzt. Der britische Ökonom John Maynard Keynes, den Sie mal eben schnell zum Mit-Erfinder dieses Systems gemacht haben, hatte jedoch einen anderen, eigene Entwurf vorgebracht: Die weltweite reine Buchwährung "Bancor" und ein - in Ansätzen beispielsweise bei Wikipedia nachzulesen (http://de.wikipedia.org/wiki/Bretton-Woods-System#Die_Alternative_von_Keynes).
Was das ganze so interessant macht ist, dass dieser Alternativvorschlag selbst für seine Zeit revolutionär gewesen ist und das Finanzsystem und den Welthandel völlig verändert hätte. Strafzinsen für zu hohe Außenhandelsüberschüsse, als auch Außenhandelsdefizite. Man denke dies mal weiter und überträge es auf den gesamten Kapitalmarkt: An zu hohe Schulden sowie an zu große Vermögen wären nicht mehr zu denken gewesen. Damit wäre gleichzeitig etwas gegen den Zinseszins-Effekt und die damit zwangsläufig verbundene Umverteilung von Arm zu Reich gebannt.
Sicher ist dieser Gedanke nicht zu Ende gedacht, jedoch wurde sich ja auch nie die Mühe gemacht diesen Entwurf weiterzuentwickeln. Es wird nur weiter in die eine eingeschlagene Richtung gerannt, Angefangen bei der Einführung des Bretton-Woods-Systems. Als die USA dieses Abkommen einseitig aufkündigten, gab es keinen Ersatz mehr... doch, es wurden die G6, G7, G8 gegründet, die nun jedes Jahr Kurz- und Mittelfristige Entscheidungen fällen, von denen die meisten nichtmal umgesetzt werden. Exemplarisch ist auch, dass es an deutschen Hochschulen nur einen VWLer gibt, der auch ausführlicher den Keynesianismus lehrt. Die anderen tun so, als ob sich die Neoklassik (von Kritikern auch Neoliberalismus genannt) aus vernünftigen Gründen durchgesetzt hat.