Weltbild-Verlag in der Krise "Jede Filiale muss sich rechnen"

Demo für ihre Arbeitsplätze: Weltbild-Mitarbeiter vor dem Augsburger Dom.

Der kirchliche Weltbild-Verlag steckt tief in der Krise - und hat jetzt einen Sanierer engagiert. Es geht um 6800 Jobs und die Frage: Wie viel sind der reichen Kirche diese Arbeitsplätze wert?

Von Matthias Drobinski, München, und Stefan Mayr, Augsburg

Die Hoffnung lässt uns nicht zuschanden gehen, sagt der Apostel Paulus. Die Hoffnung: Darum geht es auch beim Weltbild-Verlag. Manager und Bischöfe planen gerade, den Verlag mit einem harten Sanierungsprogramm und schmerzhaften Einschnitten zu retten. Sie wollen die Existenz des größten Unternehmens sichern, das in Deutschland im Kirchenbesitz ist, mit 6800 Beschäftigten und 1,6 Milliarden Euro Jahresumsatz.

Es geht dabei um so viel Geld, dass man damit gleich mehrere Limburger Bischofsresidenzen bauen könnte. Es geht um Jobs. Aber es geht auch wieder mal um die Frage: Was macht die katholische Kirche mit ihrem Geld, ihrem Besitz?

In diesem September, unmittelbar vor der Herbstversammlung der Bischöfe in Fulda, sieht es so aus, als könnte das Drama zur Tragödie werden. Es stehen sich gegenüber: zwölf Bistümer, die Militärseelsorge und der Verband der Diözesen Deutschlands - 14 kirchliche Gesellschafter, uneins, was sie mit ihrem Besitz anfangen sollen.

Das Erzbistum Köln will mit Weltbild nichts mehr zu tun haben, weil dort auch Erotik und Esoterik verkauft wird. Das Erzbistum München-Freising sieht dagegen in einem Verlag mit christlichem Profil eine große Chance für die Kirche. Auf der anderen Seite stehen ein gutes Dutzend Banken, die diesen Zustand leid sind. Dazwischen die Verlagsgruppe, die zum Sanierungsfall geworden ist. Wir wollen wissen, was ihr wollt, sagen die Bankenvertreter. Sonst gibt es kein Geld mehr.

Wackeliges Sanierungskonzept

Es ist also eine Rettung in letzter Sekunde, als der Münchner Generalvikar Peter Beer am 24. September in die Sonne von Fulda blinzelt und erklärt, man bemühe sich "um eine Lösung für den Fortbestand des Unternehmens". Über Details schwieg und schweigt Beer. Wie man überhaupt auf viele wortkarge Menschen trifft, wenn man herausfinden will, was seitdem geschehen ist, und was es bedeutet, dass Weltbild nun einen Sanierer hat, der Josef Schultheis heißt und in dessen Unternehmensprofil steht: "Wir sind keine Schönheitschirurgen, sondern Notärzte."

Die Zeit, in der 14 Gesellschafter einander blockierten, ist jedenfalls vorbei: Es hat einen radikalen Kapitalschnitt gegeben. Die 27 deutschen Bistümer können sich nun neu an Weltbild beteiligen; hier gibt es offenbar Zusagen von insgesamt 65 bis 70 Millionen Euro; der größte Anteil soll aus München kommen. Genug Geld immerhin, um die Banken von den ernsten Absichten der beteiligten Bistümer zu überzeugen und die Kredite vorerst abzusichern. Genug, um einem Sanierer samt Sanierungskonzept eine Chance zu geben.

Doch die Basis, auf dem dies geschehen soll, ist wackelig. Wer außer den Münchnern und der Militärseelsorge noch Gesellschafter werden wird, ist unsicher. Die Rede ist von zwei weiteren Bistümern, die interessiert sind. Die anderen wollen offenbar nicht mehr. Dazu gehört auch das Bistum Augsburg, in dem die Weltbild-Zentrale mit mehr als 2000 Mitarbeitern sitzt.