Weitergabe von Reiseprofilen Bahn will mit Daten ihrer Kunden Geld verdienen

Mit den Daten ihrer Kunden will die Bahn künftig Geld verdienen.

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Datenschützer sind empört: Vielfahrer bei der Deutschen Bahn sollen einem Medienbericht zufolge künftig passgenaue Werbung erhalten. Dazu plane der Konzern, detaillierte Reisedaten seiner Kunden an Kooperationspartner wie Banken, Versicherungen oder Fastfood-Ketten zu verkaufen. Doch die Bahn dementiert den Bericht.

Seitenlange Geschäftsbedingungsänderungsanfragen klicken die meisten User im Netz lieber weg. In juristischer Sprache abgefasste Vertragsklauseln durchzuarbeiten, das stört beim Einkaufen im Internet nur. Auch Bahn-Kunden, die eine Fahrkarte online bestellen, sind da höchstwahrscheinlich keine Ausnahme. Doch womöglich würde es sich in diesem Fall lohnen, etwas genauer hinzusehen.

Wie der Spiegel am Sonntag vorab berichtet, möchte der Staatskonzern künftig mit den Reisedaten seiner Kunden Geld verdienen. Dazu lässt sich die Bahn seit einigen Wochen von ihren Bahn-Card-Inhabern, die auch Bahn-Bonus-Kunden sind und am Prämiensammelprogramm teilnehmen, neue Vertragsbedinungen bestätigen.

Die Änderung zielt darauf ab, die Daten ihrer Vielfahrer zu vermarkten. Sie sollen auf ihre "individuellen Bedürfnisse" zugeschnittene Werbeangebote erhalten - von Kooperationspartnern wie Banken, Versicherungen oder Fastfood-Ketten.

Die Daten, die die Bahn für ihre passgenaue Werbung erhebt, sind demnach recht detailliert: Der Preis der Fahrkarte werde ebenso gespeichert wie der Abfahrts- und Zielbahnhof, die Wagenklasse und die Verkaufsstelle. Die Bahn betreibe "keinen Datenhandel", sagt zwar die Bahn-Datenschutzchefin Chris Newiger. Doch für seine Kooperationspartner will der Staatskonzern seinen Kundenpool dem Bericht zufolge so gezielt analysieren, dass die Partnerfirmen ihre Angebote perfekt auf die Nutzer abstimmen können.

Datenschützer äußerten sich skeptisch über die Pläne: "Hier scheint die Bahn ihre Interessen über die schutzwürdigen Interessen ihrer Kunden zu stellen", sagte der auch für die Bahn zuständige Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix dem Magazin. Er prüft derzeit den Vorgang. Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert sagte, die Bahn werde sich mit dem Projekt "eine blutige Nase holen".

Inzwischen hat die Bahn auf den Bericht reagiert - und entsprechende Pläne dementiert. "Die DB gibt bislang keinerlei Kundendaten zu Marketingzwecken an Dritte weiter und plant dies auch künftig nicht", heißt es in einer Pressemitteilung, die das Unternehmen am Sonntag herausgab. Das Kundenbindungsprogramm Bahn Bonus entspriche in jeglicher Hinsicht dem Bundesdatenschutzgesetz.

Ein neuer Vertragsabschluss sei allein deshalb nötig geworden, weil die Bahn das Bonus-Programm vom Bahn-Card-Programm getrennt habe. Kunden müssten jetzt also zwei Verträge abschließen und in die neuen Bahn-Bonus-Bedingungen gesondert einwilligen. Diese beinhalteten auch die Nutzung der Kundendaten zu Marketing- und Werbezwecken.

Kundendaten würden jedoch weder an Kooperationspartner noch an Dritte weitergegeben oder verkauft. Selbstverständlich könne der Kunde auch weiterhin der Zusendung von Werbung widersprechen, ohne dass er das Recht verliere, am Bonus-Programm teilzunehmen.