Von Paul Trummer

Gefährdete Arbeitsplätze sind das Hauptargument der Automobilindustrie im Kampf gegen strengere CO2-Richtlinien. Doch ein Argument wiegt noch schwerer: Die Wünsche des Kunden.

Bei den deutschen Automobilherstellern stößt der Vorstoß zur verpflichtenden Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes naturgemäß auf wenig Gegenliebe. Sie erachten die Senkung der Grenzen innerhalb des von EU-Kommissar Dimas vorgesehenen Zeitrahmens für nicht realisierbar.

Die Automobilindustrie wehrt sich gegen Pläne zur Senkung der Schadstoffgrenzen und verweist auf gefährdete Arbeitsplätze und Kundenwünsche. (© Foto: Porsche)

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Bei BMW betrachtet man die Vorschläge als "massive industriepolitische Intervention zu Lasten der gesamten europäischen, aber im Besonderen der deutschen Automobilindustrie." Ein Sprecher der BMW-Group meinte auf Anfrage von sueddeutsche.de: "Der Vorschlag würde die Wettbewerbsfähigkeit zahlreicher Standorte in Europa massiv schwächen."

Eine Abwanderung zahlreicher Arbeitsplätze bei den deutschen Automobilherstellern und Zulieferern wäre demnach die Folge. Wieviele Arbeitsplätze bei BMW konkret gefährdet wären, wollte man allerdings nicht kommentieren.

Integrierter Ansatz statt Vorschreibungen

Statt der Einführung verpflichtender Grenzwerte setzt man sich bei BMW für den sogenannten "integrierten" Ansatz ein: Dieser bezieht neben der Motorenoptimierung Maßnahmen wie das Angebot von Biokraftstoffen, Verkehrsmanagement und Eco-Driving-Aktivitäten mit ein, die in Summe einen geringeren Schadstoffausstoß ergeben sollen.

Auch bei Mercedes-Benz verwehrt man sich dagegen, dass die gesamte Last der Schadstoffreduktion auf die Automobilindustrie abgewälzt wird. Denn die Umsetzung der Vorschriften wäre in einem für die Autoindustrie sehr kurzen Zeitrahmen von fünf Jahren technisch nicht realisierbar, so die Schwaben.

Nur mehr Fünf-Liter-Autos?

Diese Kriterien könnten nur Kleinwagen erfüllen, meint eine Konzern-Sprecherin zu sueddeutsche.de: "Umgerechnet würde diese Forderung bedeuten, nur mehr kleine Fahrzeuge herzustellen, die rund fünf Liter Benzin oder 4,5 Liter Diesel verbrauchen dürften. Alle größeren Fahrzeuge ab der Mittelklasse könnten diese Auflage auf dem heutigen Stand der Technik nicht erfüllen."

Auch sie verweist auf die Verwerfungen in der europäischen Automobilindustrie: "Japanische Hersteller, die traditionell stark im Kleinwagen-Sektor vertreten sind, könnten diese Auflagen eher erfüllen, müssten sich aber bei einem Verkauf in der EU auch an diese Regeln halten. Die meisten europäischen Autohersteller könnten dann jedoch nicht mehr in der EU verkaufen und müssten ihre Fahrzeuge in anderen Märkten absetzen, beispielsweise in den USA oder China."

Andere Länder - andere Vorschriften

Denn in den Ländern, die das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert haben, wären die Richtlinien nicht derart streng wie in der EU: So regeln Vorschriften in den USA beispielsweise nur den durchschnittlichen Flottenverbrauch: Dabei werden alle angebotenen Fahrzeuge eines Herstellers in Klassen geordnet und der durchschnittliche CO2-Ausstoß erhoben.

Eine Regelung, mit der man bei Mercedes "vergleichsweise gut leben kann". Auf dem selben System baut übrigens auch die freiwillige Selbstverpflichtung der deutschen Automobilindustrie auf: Diese sieht einen durchschnittlichen Flottenausstoß von 140 Gramm CO2 pro Kilometer vor.

Doch letzten Endes läge ein großer Teil der Verantwortung auch bei den Konsumenten, meint die Mercedes-Sprecherin abschließend: "Die Kundenanforderungen gehen in eine ganz andere Richtung. Die kleinen und sparsamen Modelle wie unser A140 erweisen sich wirtschaftlich oftmals als Ladenhüter."

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(sueddeutsche.de)