Was kommt SZ-Finanztag

Ende in Sicht: Claus-Dietrich Lahrs, langjähriger Chef von Hugo Boss, räumt in der kommenden Woche seinen Posten.

(Foto: Thomas Niedermüller/dpa)

Am Dienstag und Mittwoch treffen sich Akteure der Finanzindustrie in Frankfurt, um den Zustand der Finanzwirtschaft zu vermessen.

Von Marc Beise

Reden wir über Chefs. Für einen angestellten Manager ist die Zeit an der Spitze eines Unternehmens immer endlich. Egal wie (selbst-)herrlich er womöglich regiert hat, früher oder später kommt der Abgang - fragt sich nur: wie? Auf einen sonnenbeschienenen Ausstand darf sich der Holländer Marijn Dekkers, 58, freuen: Dem nach Plan ausscheidenden Vorstandsvorsitzenden des deutschen Traditionskonzerns Bayer, der gerade eine goldene Jahresbilanz vorgelegt hat mit lauter Kurven, die nach oben zeigen, wird allgemein ein hervorragendes Zeugnis ausgestellt. Da kann der Job in den kommenden, letzten Wochen bis Ende April so richtig Spaß machen.

Ganz anders läuft es beim langjährigen Chef des börsennotierten Groß-Herrenausstatters Hugo Boss. Claus-Dietrich Lahrs, erst 52 Jahre alt, amtiert formal auch noch in der kommenden Woche, ist aber praktisch bereits raus: Das plötzliche Ende einer rasanten Managerkarriere steht natürlich, auch wenn niemand offiziell darüber redet, im Zusammenhang mit neuerdings deutlich schlechter laufenden Geschäften bei Hugo Boss. Das hatte sich der erfolgsverwöhnte Lahrs klar anders vorgestellt.

Mit Krisen hat wiederum Scott Hardy Erfahrung. Hardy ist seit 2004 bei Polaroid, dem traditionsreichen amerikanischen Konzern, dessen Sofortbilder mal ein großer Hit waren, die aber mit der Digitalisierung ratzfatz aus der Mode gekommen sind. Hardy hat eine von zwei Insolvenzen selbst miterlebt. Bevor er ins Führungsamt kam, hatte das Unternehmen in fünf Jahren sechs Chefs. Hardy hält sich seit 2009 an der Spitze. Wie, das erzählt er im kommenden Montagsinterview.

Eine Woche später, das sei schon verraten, kommt dort Fritz Joussen zu Wort, der Chef des Tourismuskonzerns Tui. Der wird im Gespräch gerne auch mal persönlich. "Life is not a rehearsal", das Leben ist keine Generalprobe, sagt er und meint: Weil man eben nur diesen einen Versuch habe, müsse man das Leben auskosten, so gut es irgendwie geht. Für ihn selbst habe das zum Beispiel bedeutet, die Idee einer Karriere als Finanzinvestor wieder zu verwerfen. Er wolle lieber mit Menschen arbeiten, sagt Joussen. "Ich bin gern mit Menschen zusammen, das ist auch meine Art, den Job zu machen. Ich funktioniere über die Menschen in meinem Umfeld." An Kontakt zu seinen Mitarbeitern mangelt es ihm nicht, Joussen reist das ganze Jahr über - passt zum Chef eines Reisekonzerns.

Was noch? Der SZ-Finanztag natürlich! Am Dienstag und Mittwoch der kommenden Woche treffen sich wichtige Akteure der Finanzindustrie auf Einladung der Süddeutschen Zeitung in Frankfurt am Main, um den Zustand der deutschen und europäischen Finanzwirtschaft zu vermessen. Mit dabei die Chefs der großen Finanzhäuser: beispielsweise John Cryan von der Deutschen Bank mit einem seiner ersten großen Auftritte, und Sergio Ermotti von der Schweizer UBS, der beim "Neuerfinden" schneller vorangekommen ist andere. Die Tagung wird eröffnet vom österreichischen Finanzminister Hans Jörg Schelling. Von ihm, so sind die Zeiten, erhofft man sich auch auf einer Finanztagung Aufklärung über die Flüchtlingskrise.