Möglicher Nachfolger für John Cryan So wird Axel Weber Chef der Deutschen Bank

Der ehemalige Bundesbank-Präsident Axel Weber.

(Foto: Bloomberg)

Die Berliner Politik hat den Ökonomen schon einmal überredet, ein Amt von nationaler Bedeutung zu übernehmen - Weber übernahm als Bundesbank-Chef. Dieses Mal müsste sie aber viel diskreter vorgehen.

Analyse von Ulrich Schäfer

Jörg Kukies, ehemals Juso-Chef in Rheinland-Pfalz, beginnt am Ostersonntag als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, und gleich zu Beginn gäbe es die Möglichkeit, sich um eine hochpolitische Personalie zu kümmern, mit der die Politik eigentlich nichts zu tun hat. Denn gesucht wird: ein Chef für die Deutsche Bank, ein Nachfolger für John Cryan, den glücklosen Briten.

Der Neue wäre idealerweise ein Deutscher, mit Drähten in die Politik, mit einem Gefühl dafür, dass die Deutsche Bank auch ein nationales Symbol ist, sagen Insider aus der Bank. Als jedoch am Dienstag bekannt wurde, dass Aufsichtsratschef Paul Achleitner einen neuen Chef sucht, wurden als mögliche Kandidaten erst mal ein Brite (Richard Gnodde), ein Amerikaner (Bill Winters) und ein Franzose (Jean Pierre Mustier) genannt. Unabhängig voneinander empfahlen daraufhin die FAZ und die SZ in Leitartikeln einen anderen Kandidaten: den ehemaligen Bundesbank-Chef Axel Weber . Das erregte in der Bankenszene Aufsehen, zugleich hörte man immer wieder: Warum soll Weber sich das antun und seinen Job als Verwaltungsratschef der Schweizer Bank UBS aufgeben?

Denn Weber verdiente in der Schweiz zuletzt etwa fünf Millionen Euro pro Jahr, während die Deutsche Bank ihrem Chef im vorigen Jahr 3,4 Millionen Euro zahlte. Man könnte zudem verstehen, wenn Weber sich mit 61 Jahren nicht noch solch einen Höllenjob antun will. Andererseits ist die Frage, was aus der wichtigsten Bank der Republik wird, hochpolitisch. Ein Frankfurter Banker, der Weber seit Jahren gut kennt, meint: "Wenn überhaupt, dann könnte vielleicht die Politik ihn dazu bewegen, diese Aufgabe anzunehmen."

Heikle Aufgabe für die Regierung

Und da kommt Kukies ins Spiel: Der bisherige Deutschland-Chef von Goldman Sachs übernimmt als Staatssekretär unter Finanzminister Olaf Scholz auch die Aufsicht über die Banken. Einer von Kukies' Vorgängern, Jörg Asmussen, der heute für die Investmentbank Lazard arbeitet, könnte ihm berichten, wie man Weber für eine nationale Aufgabe gewinnt: Als die Bundesregierung 2004 einen neuen Chef für die Bundesbank suchte, weil Ernst Welteke hingeworfen hatte, empfahl Asmussen, damals noch Büroleiter von Finanzminister Hans Eichel (SPD), den bis dahin weithin unbekannten Bonner Ökonomen Weber. Asmussen hatte einst bei Weber studiert, und der Professor wurde schließlich berufen.

Jetzt ist es ungleich heikler, sollte die Regierung erneut um Weber werben. Denn das dürfte nie bekannt werden - weil es diesmal um eine private Bank geht, und da hat Aufsichtsratschef Achleitner die Hoheit. Dieser soll, meldete am Freitag der Spiegel, nun einen Schweizer favorisieren: Jürg Zeltner, der bis Ende 2017 die Vermögensverwaltung der UBS leitete, dann aber nicht als neuer Bankchef zum Zuge kam und ausschied. Experten sagen, Zeltner bringe alles mit für den Job bei der Deutschen Bank. Achleitner aber schweigt, was manchen Großaktionären nicht gefällt. "Warum ist von Achleitner nichts zu hören?", sagte ein Investor der Nachrichtenagentur Reuters.

Sollte Zeltner es nicht werden, hätten Kukies und Weber durchaus eine Gesprächsgrundlage. Auch Weber stammt aus Rheinland-Pfalz, und sein Vater engagierte sich als Bürgermeister und Landrat in derselben Partei wie Kukies: der SPD.

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