Was kommt Künstliche Intelligenz

Christine Lagarde.

(Foto: AFP)

Im Interview erklärt Chris Boos, warum künstliche Intelligenz Journalismus nicht ersetzen wird. In Washington stellt Christine Lagarde den Weltwirtschaftsbericht vor.

Von Ulrich Schäfer

Als Journalist trifft man immer wieder auf Menschen, die glauben, dass man künftig keine Journalisten mehr brauche. Schlaue Maschinen würden das Schreiben übernehmen, künstliche Intelligenz den Reporter ersetzen. Wenn man dann entschieden widerspricht und diesen Technik-Gläubigen, pars pro toto, entgegenhält: "Die Seite Drei der Süddeutschen Zeitung wird niemals von einem Roboter geschrieben", dann blickt man in ungläubige Gesichter, in denen die Frage geschrieben steht: Redet sich da der Vertreter einer bedrohten Branche die Zukunft schön?

Nein, meint Chris Boos, der mehr versteht von künstlicher Intelligenz (KI) als die meisten anderen Menschen und jeden Tag die SZ liest. Der Chef der Frankfurter Software-Firma Arago, die mit KI ihr Geld verdient, ist bestens vernetzt mit den führenden KI-Forschern im Silicon Valley und expandiert, finanziert durch einen zweistelligen Millionenbetrag seines Investors KKR, gerade in den USA.

Boos war zu Beginn der Osterwoche in der SZ-Wirtschaftsredaktion zu Gast, um über die Zukunft seines Fachs zu reden. Er glaubt nicht an den Roboter-Journalismus, sondern an echten Journalismus mit Herz und Verstand. Eine Maschine werde künftig vielleicht innerhalb enger, strenger Vorgaben gewisse Texte schreiben. Aber sie werde niemals Reporter ersetzen können, die rausgehen und recherchieren. Und überhaupt: In Zeiten des "information overload" seien Journalisten, die aus der Masse der Nachrichten für ihre Leser die wichtigsten auswählen, sortieren und einordnen, bedeutsamer denn je. Sagt ein Mann, der in künstliche Intelligenz investiert, aber auch Teilhaber (vulgo: Verleger) bei einem Magazin ist (welches, das will er nicht verraten). Angesichts der vielen Zeit, die Journalisten ihren Lesern ersparten, wenn sie für diese die Nachrichtenflut ordnen, "sind Zeitungen viel zu billig", meinte Boos. Für die SZ wäre er bereit, 250 Euro im Monat zu zahlen. Das Interview mit Boos lesen Sie in den nächsten Tagen im SZ-Wirtschaftsteil.

Die Woche nach Ostern ist in der Wirtschaft üblicherweise eine ruhige Woche. Diesmal ist das allerdings anders: Denn in Washington findet die alljährliche Frühjahrstagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds statt. Und die könnte, da erstmals die Trump-Regierung dabei ist, so spannend wie seit Jahren nicht mehr werden. Am Dienstag stellt der IWF unter Führung von Christine Lagarde den Weltwirtschaftsausblick vor. Am Mittwoch folgt dann der Bericht zur Finanzstabilität: Wirken die neuen Regeln, die nach dem Crash 2008 erlassen wurden (und die der neue US-Präsident kippen will)? Von Donnerstag an wird dann debattiert: erst im Kreis der G-20-Finanzminister, später dann in großer Runde. Die entscheidende Frage: Gilt die "America first"-Doktrin nicht mehr? Zieht also Donald Trump nicht bloß in den Krieg, sondern geht er auch auf Distanz zum Protektionismus? Unsere Reporter werden berichten.

Was noch? An diesem Samstag jährt sich zum 37. Mal der Todestag des französischen Philosophen und Publizisten Jean-Paul Sartre. Er hat mal einen Satz formuliert, der angesichts von Populismus, Terror und Kriegssorgen aktueller denn je ist: "Vielleicht gibt es schönere Zeiten; aber diese ist die unsere."