Von Detlef Esslinger

Im öffentlichen Dienst kommt es zu Warnstreiks: Arbeitgeber und Gewerkschaften machten sich dafür gegenseitig verantwortlich.

"Die Arbeitgeber stehen auf der Bremse", sagte der Verhandlungsführer des Beamtenbunds, Frank Stöhr, nach der dritten Verhandlungsrunde am Dienstag in Potsdam, "Bewegung ist offenbar nicht gewollt."

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Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) wiederum warf den Gewerkschaften eine kompromisslose Haltung vor. Mit dem Angebot "von insgesamt fünf Prozent mehr Einkommen" seien die Arbeitgeber den Gewerkschaften einen großen Schritt entgegengekommen, sagte Schäuble.

Bei den Verhandlungen treten die DGB-Gewerkschaften Verdi, GEW und GdP sowie der Beamtenbund erstmals gemeinsam auf. Die Gewerkschaft Verdi will vom 14. bis zu 22. Februar zu massiven Warnstreiks im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen aufrufen

Warnstreiks aufeinander abgestimmt

Sie haben ihre Warnstreiks aufeinander abgestimmt: Für Donnerstag wollen die DGB-Gewerkschaften zu Warnstreiks aufrufen, am Freitag ist der Beamtenbund an der Reihe.

Wie die GEW mitteilte, wollen an Schulen der Bundeswehr und der Kommunen angestellte Lehrer die Arbeit niederlegen, und an Kindertagesstätten die Erzieher. Gestreikt werden soll nach Angaben eines GEW-Sprechers "stunden-, eventuell auch tageweise".

Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, kündigte Streiks beim Bundeskriminalamt, der Bundespolizei und einigen Ortspolizeibehörden an. "Dort sitzen Beschäftigte der Polizei, denen das Streikrecht zur Verfügung steht, an den Schaltstellen der Infrastruktur", sagte er.

Beamtenbund plant Warnstreik

Dazu gehören die Mitarbeiter der Sekretariate, der IT und der Telefonzentralen. Auch Streiks bei der Passagierkontrolle an Flughäfen wurden von der GdP nicht ausgeschlossen. Der Beamtenbund plant für Freitag einen Warnstreik im Bezirksklinikum Haar bei München, und für Dienstag kommender Woche bei der Stadtverwaltung Freiburg im Breisgau.

Die Arbeitgeber warfen den Gewerkschaften vor, an Verhandlungen derzeit nicht interessiert zu sein. "Den Gewerkschaften geht es eher darum, öffentlich ihre Streitmacht zu inszenieren, als mit uns zu schnellen Ergebnissen zu kommen", sagte der Verhandlungsführer der Kommunen, Thomas Böhle.

Verdi und der Beamtenbund hätten schon vor Beginn der Gespräche am Montagnachmittag ihr Drehbuch festgelegt. Die Tarifverhandlungen werden am 25. Februar fortgesetzt. Innenminister Schäuble sagte, er hoffe, dass die Gewerkschaften bis dahin "ihre kompromisslose Haltung überdenken und bereit sind, in ergebnisorientierte Verhandlungen einzutreten".

Vier Prozent mehr Lohn angeboten

Bund und Kommunen bieten ihren 1,9 Millionen Beschäftigten derzeit vier Prozent mehr Lohn, allerdings verteilt auf zwei Jahre - im Gegenzug für eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden.

Zugleich wollen sie den Etat für Leistungsprämien um ein Prozent erhöhen. Die Gewerkschaften fordern acht Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro. In der Verhandlungsrunde gab es auf beiden Seiten keinerlei Bewegung. Gesprochen wurde dem Vernehmen nach nur über Nebenthemen wie die Übernahme von Azubis.

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(SZ vom 13.02.2008/pak)