Vor der letzten Verhandlungsrunde der Tarifparteien im Öffentlichen Dienst demonstriert Verdi mit zahlreichen Warnstreiks Stärke. Die Arbeitgeber schlagen zurück: Viele Kommunen hätten bald "gar keine andere Wahl, als Stellen abzubauen".

Vor Beginn der möglicherweise entscheidenden Tarifrunde im öffentlichen Dienst setzte die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag ihre Warnstreiks an zahlreichen Orten fort.

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Streik bei den Berliner Verkehrsbetrieben BVG. (© Foto: AP)

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Betroffen war vor allem der Nahverkehr in Hessen. In Frankfurt, Kassel und Offenbach fuhren keine Busse und Bahnen. Schwerpunkte lagen auch in Bayern, Baden-Württemberg und dem Saarland. Auch Kindertagesstätten, Kliniken, Verwaltungen und die Müllabfuhr wurden erneut bestreikt.

Am Mittag gehen in Potsdam die Tarifverhandlungen für die 1,3 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen in die fünfte und vorerst letzte Runde, ohne das sich eine Annäherung abzeichnete.

Auch für Freitag sind Verhandlungen geplant. Eine Einigung gilt wegen der verhärteten Fronten zwischen Arbeitgebern und Verdi sowie dem Beamtenbund als unwahrscheinlich. Verdi-Chef Frank Bsirske drohte erneut mit Streiks, sollten sich die Arbeitgeber nicht bewegen.

"Verdi-Forderung kostet 4,5 Milliarden Euro"

Die Streikbereitschaft in den Betrieben sei enorm, sagte er im Deutschlandfunk. "Die Arbeitgeber haben es in der Hand - entweder sie bewegen sich oder die Beschäftigten bewegen sich, und die dann auf der Straße."

Der Verhandlungsführer der Kommunen, Thomas Böhle, sieht allerdings kaum Handlungsspielraum für die Kommunen. "Wir rechnen im Jahr 2008 mit einem Überschuss von knapp unter vier Milliarden Euro. Die Verdi-Forderung kostet 4,5 Miliarden Euro", sagte er in der ARD. "Wenn wir das erfüllen wollten, dann müssten wir entweder neu in die Verschuldung gehen, oder viele kommunale Arbeitgeber hätten gar keine andere Wahl, als Stellen abzubauen."

Gewerkschaften verlangen acht Prozent

Die Gewerkschaften verlangen acht Prozent, mindestens aber 200 Euro pro Monat mehr. Die Arbeitgeber haben fünf Prozent mehr Lohn über zwei Jahre angeboten. Gleichzeitig soll die Wochenarbeitszeit im Westen verlängert werden.

Am Mittwoch hatte der Warnstreik mit insgesamt 100.000 Teilnehmern einen Höchststand erreicht. Vor allem der Verkehr war massiv beeinträchtig. Wegen Warnstreiks an Flughäfen fielen Hunderte Flüge aus, Zehntausende Passagieren kamen überhaupt nicht oder verspätet an ihr Ziel.

In Nordrhein-Westfalen war auch der Nahverkehr bestreikt worden. In Berlin setzten am Donnerstag die Beschäftigten des Verkehrsbetriebes BVG ihren Ausstand fort. Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen blieben in den Depots. Pendler mussten auf Autos, Fahrrad oder S-Bahn ausweichen.

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(sueddeutsche.de/Reuters/hgn/pak)