Warnstreiks der nordwestdeutschen Metaller: Rund 700 Arbeiter demonstrierten am Freitag Morgen für mehr Lohn - und kündigten weitere Proteste an.

Im Tarifkonflikt der nordwestdeutschen Stahlindustrie haben sich am Freitagmorgen rund 700 Arbeiter an einem ersten Warnstreik beteiligt. Wie die IG Metall mitteilte, legten die Beschäftigten der Salzgitter AG um 00.01 Uhr mit Ablauf der Friedenspflicht für mehrere Stunden die Arbeit nieder. Auch bei der Ilsenburger Grobblech GmbH in Sachsen-Anhalt gab es Streiks, wie ein Gewerkschaftssprecher mitteilte.

Warnstreik bei Salzgitter; dpa

Warnstreik: Rund 700 Arbeiter demonstrierten in der Nacht zum Freitag vor dem Stahlkonzern Salzgitter. (© Foto: dpa)

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Zugleich kündigte die Gewerkschaft längere Streiks für den Fall an, dass zwei weitere Verhandlungsrunden ergebnislos verlaufen. "Wir haben gesagt, nach vier Verhandlungsrunden müssen wir ein entscheidungsfähiges Ergebnis haben. Wenn es das nicht gibt, werden die Kolleginnen und Kollegen bereit sein, über eine Urabstimmung in den Streik zu gehen", erklärte Helga Schwitzer, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, im ZDF-Morgenmagazin.

Die Stahlindustrie erlebe seit Jahren einen "Boom", begründete sie die Forderungen der Gewerkschaft. In den vergangenen vier bis fünf Jahren sei der Umsatz in der Stahlindustrie um 85 Prozent gestiegen. "Mit uns geht keine Hinhaltetaktik auf. Sprudelnde Gewinne gehören auch den Beschäftigten", sagte Robert Sadowski von der IG Metall Bezirksleitung NRW.

Plus acht Prozent gefordert

Rund 500 Arbeiter der Salzgitter AG in Salzgitter und Ilsenburg versammelten sich am Stammwerk des Stahlherstellers zu einer Kundgebung vor dem Werkstor. Daran beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben noch rund 200 weitere Angestellte des Unternehmens, darunter auch 150 Auszubildende. Gegen zwei Uhr morgens löste sich die Veranstaltung auf. Einige Arbeiter wärmten sich noch mit Kaffee auf, während die Beschäftigten der Frühschicht zurück zur Arbeit gingen.

Auch in den kommenden Tagen werde es Warnstreiks geben, sagte Schwitzer: "Wir werden nächste Woche weitere Streiks haben, in Düsseldorf, in Dortmund und in Duisburg." Die IG Metall fordert für die 85.000 Beschäftigten der Stahlindustrie in Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen eine Anhebung der Einkommen um acht Prozent und der Ausbildungsvergütungen um 100 Euro. Zudem verlangt sie eine Verkürzung der Arbeitszeit für Ältere.

In zwei ergebnislosen Verhandlungsrunden hatten die Tarifparteien bisher keine Annäherung erzielt.

Ein regulärer Streiks wäre nach Angaben der Gewerkschaft der erste in Westdeutschland seit 1978/79. Damals ging es um eine Verkürzung der Arbeitszeit. Im Tarifgebiet Ostdeutschland gab es im Frühsommer 2003 einen Streik, um die Einführung der 35-Stunden-Woche durchzusetzen. Die Gewerkschaft scheiterte damit allerdings. Warnstreiks gibt es dagegen häufiger, sie gehören schon beinahe zum Ritual bei Tarifverhandlungen.

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(dpa/AP/mah/ckn)