Verdi legt nach: Nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen bei der Deutschen Post haben in der Nacht Mitarbeiter in mehreren Briefzentren die Arbeit niedergelegt. In den kommenden Tagen müssen sich Millionen Haushalte und Unternehmen auf leere Briefkästen einstellen.

Im Tarifkonflikt bei der Post haben am späten Sonntagabend die Mitarbeiter der Nachtschicht in mehreren Briefzentren mit Warnstreiks begonnen. In Duisburg ruhte von 22 Uhr die Arbeit, auch in Wiesbaden und in Hamburg kamen die Mitarbeiter vorübergehend ihren Aufgaben nicht nach, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte.

Post, Streiks, dpa

Plastikwesten stecken am späten Sonntagabend in einem Briefkasten vor dem Briefzentrum in Duisburg. (© Foto: dpa)

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Auch die Beschäftigten im Briefzentrum Stuttgart-Waiblingen seien dem Aufruf zur Arbeitsniederlegung geschlossen gefolgt, sagte Verdi-Sprecher Arnold Püschel. Davon betroffen sei die Verteilung von 300.000 bis 400.000 Briefsendungen. In Bayern wurde im Briefzentrum Freising gestreikt.

"Die Leute sind stinksauer", sagte der baden-württembergische Gewerkschaftssprecher. Das jüngste Angebot des Arbeitgebers sei angesichts glänzender Geschäfte und einer deutlich höheren Dividende für die Aktionäre als Provokation aufgenommen worden.

"Beschäftigte und Kunden können von einem kerngesunden Unternehmen erwarten, dass die Gewinnsteigerungsabsichten nicht auf ihrem Rücken ausgetragen werden", sagte der für den Norden zuständige Landesfachbereichsleiter Wolfgang Abel laut Mitteilung in Hamburg.

Post bereit zu neuem Angebot

Auch in anderen Bundesländern waren nach Angaben eines Verdi-Sprechers Warnstreiks geplant. Hintergrund sind die gescheiterten Tarifverhandlungen. "Die Verantwortung dafür, dass Zigtausende Postkunden im westlichen Ruhrgebiet und am Niederrhein am Montag keine Post erhalten werden, trägt alleine der Postvorstand", hieß es in einer Mitteilung.

Etwa 100.000 Sendungen würden im südlichen Osthessen nicht zugestellt, in Hamburg und dem südlichen Schleswig-Holstein komme zum Wochenanfang ebenfalls keine Post an. Für die nächsten Tage sind weitere Warnstreiks vorgesehen, bundesweit müssen sich Millionen Haushalte und Unternehmen auf leere Briefkästen einstellen.

Die Tarifpartner hatten sich in einem zweitägigen Verhandlungsmarathon in der Nacht zum Samstag in Düsseldorf nicht über ein Paket mit Kündigungsschutz, Arbeitszeiten und Lohn einigen können. Nach einer Urabstimmung Ende April will die Gewerkschaft vom 2. Mai an einen unbefristeten Streik starten, um die Post zu mehr Entgegenkommen zu zwingen.

Von kommendem Freitag an sollen die 130.000 Beschäftigten in einer Urabstimmung über einen Streik entscheiden. "Wir werden mit Sicherheit eine hohe Beteiligung haben", sagte Verdi-Sprecher Püschel in Stuttgart. "Die Leute sind hochmotiviert, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen."

Die Post ist offenbar bereit, ihr Angebot noch einmal zu verbessern. Die bisherige Offerte sei "nicht das letzte Wort der Post", sagte Personalvorstand Walter Scheurle der Süddeutschen Zeitung. Post-Kommunikationschef Manfred Harnischfeger sagte der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag in Bonn: "Wir haben ein attraktives Angebot vorgelegt. Dies ist ein Angebot, aber kein Diktat."

Verdi müsse sich jetzt inhaltlich dazu äußern und ein Gegenangebot machen. Beide Seiten müssten "weiter das Gespräch suchen, um wieder Bewegung in die Verhandlungen zu bringen, bevor es zu einem großen Streik kommt".

"Unbezahlte Mehrarbeit"

Die Gewerkschaft werde mit weiteren Warnstreiks ihren Forderungen Nachdruck verleihen, sagte die stellvertretende Verdi-Bundesvorsitzende und Verhandlungsführerin Andrea Kocsis am Samstag in Düsseldorf nach den Streik-Beschlüssen der Tarifkommission der Gewerkschaft.

Vor allem wehrt sich Verdi gegen eine von der Post geforderte "unbezahlte Mehrarbeit" mit einer höheren Wochenarbeitszeit sowohl für Postbeamte als auch Tarifbeschäftigte. Bisher galten 38,5 Stunden. Laut Verdi bedeuten die Post-Vorschläge unter dem Strich künftig aber etwa 41 Stunden Wochenarbeitszeit.

Das Angebot der Post sei "unter dem Strich ein Minusgeschäft für die Beschäftigten", sagte Kocsis. Die angebotenen längeren Arbeitszeiten könnten "zu einem Wegfall von 12.500 Vollzeitstellen" führen.

Post-Vorstand Scheurle sagte, diese Zahlen seien "aus der Luft gegriffen". Nach eigenen Angaben ist Verdi der Post in den Verhandlungen bereits ein gutes Stück entgegenkommen. Was der Arbeitgeber schließlich vorgelegt habe, sei "die pure Provokation", sagte Kocsis.

Die Post wies darauf hin, das sie bei ihrem Angebot mit einer Verlängerung des Kündigungsschutzes bis zum 30. Juni 2011 einer Forderung von Verdi entsprochen habe. Außerdem sollten die Löhne der Tarifbeschäftigten in den nächsten zwei Jahren um rund 5,5 Prozent steigen.

Dieses Angebot bedeute tatsächlich nur eine Anhebung um rund 2 Prozent für 26 Monate, rechnete Verdi vor. Die Gewerkschaft fordert eine lineare Anhebung des Entgelts für die 130.000 Tarifbeschäftigten von sieben Prozent für zwölf Monate.

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(AP/dpa/gal/bosw)