Warenhauskonzern Was der Kaufhof-Deal bedeutet

2,825 Milliarden Euro zahlt der Handelskonzern Hudson's Bay für ein Kaufhaus, dem schon oft das Aus vorhergesagt worden ist. Für Konzernmutter Metro ist das schön, aber ist das auch gut für Kaufhof?

Kommentar von Caspar Busse

Es war eine komfortable Situation für Olaf Koch, den Vorstandsvorsitzenden des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro. Gleich zwei Interessenten wollten die Warenhaustochter Kaufhof zuletzt erwerben und trieben so den Preis in die Höhe. Jetzt ging der Zuschlag an Hudson's Bay, den Einzelhandelskonzern aus Kanada. Metro bekommt 2,825 Milliarden Euro für die Traditionsfirma, deren Ursprünge bis ins Jahr 1879 zurückgehen - ein stolzer Preis, vor allem, wenn man bedenkt, dass dem Kaufhaus alter Prägung schon oft das sichere Aus vorhergesagt worden ist.

Was schön für Metro ist, muss nicht unbedingt auch gut für Kaufhof mit seinen etwa 21 000 Mitarbeitern in 135 Kaufhäusern sein. Auch wenn Metro-Chef Koch und seine Kollegen unermüdlich betonten, es gehe bei dem Verkauf nicht allein um einen guten Preis, sondern vor allem auch um ein "nachhaltiges Konzept". Die Manager von Hudson's Bay müssen erst noch beweisen, dass der Konzern wirklich der richtige Eigentümer für Kaufhof ist.

Hudson's Bay betritt einen schwierigen Markt

Die Kanadier betreiben in Nordamerika mehr als 300 Geschäfte, dazu gehört seit Kurzem auch die amerikanische Luxuskette Saks Fifth Avenue. Das Unternehmen, in Besitz eines Finanzinvestors, will nun außerhalb von Kanada und den USA expandieren, der Kauf von Kaufhof ist der erste Schritt. Das ist gleichzeitig auch das Problem: Denn die Kanadier kennen den deutschen Einzelhandel kaum. Dabei gilt dieser als einer der schwierigsten überhaupt.

Deutsche Konsumenten sind speziell, sie achten sowohl auf den Preis als auch auf Qualität, die Konkurrenz ist hart. Konzepte, die im Ausland Erfolg haben, scheitern hierzulande. So musste einst Walmart, der größte Handelskonzern der Welt, seine Expansion in Deutschland nach schweren Rückschlägen wieder abblasen, die Amerikaner zogen sich zurück. Ähnlich erging es dem Briten Andrew Jennings. Er galt jahrzehntelang als international angesehener Warenhaus-Spezialist, war unter anderem auch Chef von Saks Fifth Avenue, versuchte sich dann drei Jahren lang in Deutschland als Karstadt-Sanierer - ohne Erfolg.

Der eigentliche Schatz des Kaufhof-Deals ist ohnehin ein anderer: Knapp die Hälfte aller Kaufhof-Immobilien werden mit verkauft - und die liegen meist in bester Innenstadtlage. Auch die erwerben die Kanadier jetzt - mal sehen, was sie daraus machen.

Was sich in Zukunft ändern muss

Das Nachsehen hat nun der Österreicher Rene Benko, der Eigentümer von Karstadt hatte ebenfalls großes Interesse an Kaufhof. Die Überlegungen sind jetzt müßig, ob Benko vielleicht der bessere Erwerber gewesen wäre. Der Österreicher hätte Karstadt und Kaufhof zu einer Deutschen Warenhaus AG zusammen geschlossen. Obwohl weitgehende Standort- und Beschäftigungsgarantien gegeben wurden, wäre es möglicherweise zu Filialschließungen gekommen - auch kein gutes Szenario.

Ohnehin stellt sich die Frage, ob das Warenhaus alter Prägung mit dem Alles-unter-einem-Dach-Konzept überhaupt eine Zukunft hat. Der Internethandel wächst, die Kunden bestellen immer mehr Dinge im Netz und lassen sie sich schicken. Besuchen sie einmal ein Geschäft, dann geht es oft um das Einkaufserlebnis, um Spezialberatung, um ein besonderes Sortiment. Will das Warenhaus bestehen, muss es sich ändern - mit einer anderen Strategie und Investitionen. Das ist die Aufgabe, die Hudson's Bay jetzt bewältigen muss.