Waffenmesse Deutschland bewaffnet sich bis an die Zähne

Ein Besucher testet ein Zielfernrohr auf der Jagd- und Sportwaffenmesse IWA OutdoorClassics in Nürnberg.

(Foto: imago/isslerimages)
  • Die Waffenmesse IWA hatte noch nie so viele Aussteller und Besucher wie in diesem Jahr.
  • Die Zahl der Waffenbesitzer steigt rasant. "Freie Waffen für freie Bürger", heißt es von der Lobby.
Von Uwe Ritzer, Nürnberg

Das hektisch blinkende, knallrote Ding sieht aus wie ein harmloser Schlüsselanhänger. Mit dem Unterschied, dass Schlüsselanhänger normalerweise nicht auf Knopfdruck ohrenbetäubend losjaulen wie amerikanische Polizeisirenen. Es gibt auch eine gasgetriebene Variante. Die ist noch lauter. Oder den Lippenstift, der beim Auseinanderziehen markerschütternd schrillt. "Mit solchen Geräten können Sie einen Angreifer verschrecken und Aufmerksamkeit auf sich ziehen", sagt Beate Hoffmann. Ihre Firma KH Security mit Sitz in einem Dorf im Taunus handelt auch mit Teleskop-Schlagstöcken, Elektroschockern oder CS-Gas. "Vor allem die Hersteller von Pfeffersprays und Alarmgeräten kommen nicht mehr nach", sagt Hoffmann. "Wenn genug geliefert würde, könnten wir das Zehn- bis Fünfzehnfache verkaufen."

Dabei schaffen es die 15 Mitarbeiter von KH Security schon jetzt nicht mehr, alle Bestellungen schnell abzuarbeiten. Nach den Kölner Vorkommnissen der Silvesternacht sei die Nachfrage förmlich explodiert, erzählt Hoffmann. Und nichts deutet darauf hin, dass sich daran so schnell etwas ändert. Die Deutschen rüsten auf. Auch mental und verbal.

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Die Waffenbranche fühlt sich so unverzichtbar wie lange nicht mehr

"Freie Waffen für freie Bürger", fordert der Herausgeber des Branchenmagazins Waffenmarkt-Intern im Editorial der März-Ausgabe. Schließlich sei die "Zivilgesellschaft im Wandel", und es kämen viele Menschen aus Kulturkreisen, "in denen individuelle Gewaltausübung einen anderen Stellenwert hat als in Mitteleuropa." Ein anderes Waffenmagazin befand gerade ernsthaft, da der Staat die innere Sicherheit nicht mehr garantieren könne, dürften die Bürger "den Schutz ihres Lebens nicht allein dem Staat überlassen".

Mit Großzügigkeit in Sachen Waffen lässt sich in solch aufgeregten Zeiten auch Politik machen. "Keine Verschärfung des Waffenrechts für Jäger und Sportschützen", plakatierten die Freien Wähler großflächig neben das Konterfei ihres Bundes- und bayerischen Landesvorsitzenden Hubert Aiwanger. "Das hätten sie sich vor zwei, drei Jahren nicht getraut", kommentierte ein CSU-Politiker. Die Plakate hingen in den vergangenen Tagen unübersehbar an der Ausfahrt des Nürnberger Messegeländes, wo die IWA über die Bühne ging, nach der "Shot Show" in Las Vegas die zweitgrößte Waffen-Fachmesse weltweit.

Die IWA gibt es seit 43 Jahren, aber noch nie hatte sie mehr Aussteller und mehr Besucher als in diesem Jahr. Über die schieren Zahlen hinaus wirkt jedoch das Selbstbewusstsein, das die Waffenbranche in Nürnberg ausstrahlte. Sie fühlt sich so unverzichtbar wie schon lange nicht mehr.