Waffenhandel Sig Sauer lieferte offenbar Tausende Pistolen illegal in den Irak

Eine Sig-Sauer-Pistole in einem US-Geschäft: neuer Verdacht gegen deutschen Waffenhersteller

(Foto: dpa)

Diesen Deal hatten deutsche Behörden nicht genehmigt. Trotzdem exportierte Sig Sauer offenbar 5000 Pistolen in das Bürgerkriegsland Irak.

Von Volkmar Kabisch, Georg Mascolo, Frederik Obermaier und Bastian Obermayer
  • 5000 Pistolen von Sig Sauer sind im Bürgerkriegsland Irak gelandet - offenbar hat der Waffenhersteller sie illegal dorthin exportiert.
  • Einige der Waffen sollen später in den Händen der kurdischen Rebellenorganisation PKK gelandet sein.

Tausende Waffen ins Bürgerkriegsland

Die Firma Sig Sauer hat deutsche Waffen offenbar illegal in das Bürgerkriegsland Irak exportiert. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung, NDR und WDR lieferte das Unternehmen 5000 Pistolen in das Bürgerkriegsland ohne die nötige Genehmigung bei den deutschen Ausfuhrbehörden einzuholen. Einige der Waffen sollen später in den Händen der PKK wieder aufgetaucht sein.

Firmeninterne Unterlagen: Sig Sauer wusste vom wahren Bestimmungsort

Internen Firmendokumenten zufolge hatte das schleswig-holsteinische Unternehmen die Waffen zunächst an die amerikanische Schwesterfirma geschickt, die sie an eine Beschaffungsorganisation der US-Armee verkaufte. Aus Amerika wurden die Pistolen 2005 dann nach Bagdad gebracht. Sig Sauer Deutschland wusste laut firmeninternen Unterlagen von dem wahren Bestimmungsort der Waffen. Dennoch verschwieg die Firma dies offenbar gegenüber den deutschen Behörden. Dabei hätte das Unternehmen zu dieser Zeit durchaus eine Ausfuhrgenehmigung bekommen können. Schließlich hatte die Bundesregierung anderen Firmen in dieser Zeit die Lieferung von Rüstungsgütern in den Irak erlaubt.

Konzern bereits seit langem im Fokus

Sig Sauer steht bereits seit mehreren Monaten im Verdacht, im großen Stil Waffen illegal exportiert zu haben. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt wegen verdächtiger Lieferungen nach Kasachstan und Kolumbien. der Firmensitz sowie die Privathäuser der Unternehmenseigner wurden durchsucht, sämtliche Ausfuhren des ältesten deutschen Waffenherstellers wurden vorübergehend gestoppt.

Kolumbien ist nur die Spitze des Eisbergs

Der Waffenhersteller Sig Sauer soll in den letzten Jahren unrechtmäßig Waffen in Krisenländer, unter anderem nach Kolumbien, exportiert haben. Das haben Recherchen der SZ ergeben. Als diese veröffentlicht wurde, kam es zu Hausdurchsuchungen - und es gibt Hinweise, dass das Vorgehen noch weitere Kreise zog als gedacht. mehr ... Videoanalyse

Deals liefen über die US-Schwesterfirma

Sowohl bei den Lieferungen nach Kolumbien und Kasachstan als auch im Fall Irak nutzte Sig Sauer mutmaßlich die amerikanische Schwesterfirma, um deutsche Exportregeln zu unterlaufen. Bei der Irak-Lieferung handelt es sich um eine der bisher größten Menge an Waffen, die auf diesem Weg verkauft wurden - der Auftrag belief sich auf 1,76 Millionen Dollar. Amerikanische Regierungsstellen wussten offenbar, dass die Lieferung in den Irak deutsche Gesetze verstößt - stoppten sie aber dennoch nicht.

Ermittlungen wegen mutmaßlicher Korruption

Ausweislich einer von Wikileaks veröffentlichten Depesche des amerikanischen Außenministeriums gelangten einige der Pistolen anschließend in die Hände der PKK. Die kurdische Rebellengruppe wird sowohl von den USA als auch der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuft. Weder Sig Sauer USA noch Sig Sauer Deutschland äußerten sich auch Anfrage zu den Vorwürfen.

Konzern steht auch wirtschaftlich unter Druck

Beide Unternehmen stecken derzeit in der Krise. Die Aufträge sind nach Angaben von Mitarbeitern rückläufig. In Eckernförde wurde bereits Kurzarbeit eingeführt. Gegen Sig Sauer USA laufen zudem nach Informationen von SZ, NDR und WDR in Indien und den Vereinigten Staaten Ermittlungen wegen mutmaßlicher Korruption. Die Waffenfirma soll in Indien Bestechungsgeld bezahlt haben, um den Zuschlag für an lukrative Regierungsaufträge zu bekommen.