Bedenken der EZB? Interessieren nicht! Die EU-Kommission nimmt Estland als neues Mitglied der Währungsunion auf. Viele andere Kandidaten müssen draußen bleiben.
Griechenland taumelt, Portugal krankt, Spanien schwächelt - die Währungsunion hat viele Probleme. Jetzt bekommt sie ein weiteres Mitglied - eines, das bisher vieles richtig gemacht hat: Estland.
"Estland hat einen hohen Grad an dauerhafter wirtschaftlicher Konvergenz erreicht" - sagt EU-Kommissar Rehn. (© Foto: dpa/Blick über die Altstadt der estnischen Hauptstadt Tallinn, dem früheren Reval.)
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Trotz Bedenken der EZB billigt darum die EU-Kommission den Beitritt Estlands im kommenden Jahr. "Estland hat einen hohen Grad an dauerhafter wirtschaftlicher Konvergenz erreicht und ist für die Einführung des Euro am 1. Januar 2011 bereit", erklärte EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn.
In dem Bericht, in dem die EU-Kommission Beitrittsanwärter auf ihre Euro-Tauglichkeit beurteilt, bescheinigt die Brüsseler Behörde dem nördlichsten Land des Baltikums, alle Kriterien erfüllt zu haben. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat hingegen Vorbehalte gegen einen Beitritt. "Insgesamt gibt es Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit, mit der Estland das Konvergenzkriterium Inflation erfüllen kann", teilte die Notenbank in Frankfurt in ihrem Report mit.
Viele Kandidaten fallen durch
Die EZB und die EU-Kommission erstellen alle zwei Jahre unabhängig voneinander einen Bericht, in dem sie die Euro-Beitrittsanwärter beurteilen. Im Gegensatz zur EU-Kommission gibt die EZB aber keine konkrete Empfehlung ab. Die Brüsseler Behörde winkte Estlands Gesuch nun durch.
Allerdings forderte Rehn das Land auf, seinen umsichtigen finanzpolitischen Kurs beizubehalten: "Auch muss es seine praktischen Vorbereitungen beschleunigen, damit die Umstellung reibungslos vonstattengehen kann."
Die übrigen acht geprüften Länder fielen in dem EU-Bericht durch. Bulgarien, Tschechien, Lettland, Litauen, Ungarn, Polen, Rumänien und Schweden erfüllten nicht alle Konvergenzkriterien, teilte die Kommission mit. Die endgültige Entscheidung über die Einführung des Euro in Estland trifft der Rat der EU-Finanzminister im Juli.
Zuvor muss das Europäische Parlament Stellung nehmen und die EU-Staats- und Regierungschefs werden das Thema auf ihrem Gipfeltreffen im Juni erörtern. Die EZB hat jedoch Bedenken gegen einen Beitritt: In ihrer Beurteilung des Landes kommen die Währungshüter zu dem Schluss, dass Estland seine aktuell sehr niedrige Inflationsrate nicht wird halten können, wenn nach der Krise der wirtschaftliche Aufholprozess wieder einsetzt.
"Wenn die Phase der Anpassung vorüber ist, dürfte es angesichts des geringen Spielraums der Geldpolitik schwierig werden, die Teuerungsrate niedrig zu halten. Der Aufholprozess dürfte die Inflation in den kommenden Jahren antreiben, vor allem wenn man berücksichtigt, dass die Wirtschaftsleistung pro Kopf und das Preisniveau in Estland nach wie vor niedriger sind als in der Eurozone."
Estlands Notenbank kann nur wenig tun, um einen Anstieg der Inflation zu verhindern. Das Land trat Mitte 2004 dem sogenannten Wechselkursmechanismus II bei, dem ersten Schritt, um frühestens zwei Jahre später den Euro einzuführen. Estland, Litauen und Slowenien legten damals die Leitkurse ihrer Währungen zum Euro fest und verpflichteten sich, die Schwankungen nach oben und unten unter 15 Prozent zu halten.
Das estnische Parlament hat erst im April die vollständige Unabhängigkeit der Zentralbank in ein Gesetz gegossen. Dies war eine der Bedingungen für einen Betritt zur Eurozone. Länder, die die Gemeinschaftswährung einführen wollen, müssen mehrere Kriterien erfüllen.
Hervorragende Werte
Erstens darf die Inflationsrate maximal 1,5 Prozent über derjenigen der drei preisstabilsten Mitgliedsländer liegen, zweitens darf das Haushaltsdefizit nicht höher sein als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts und drittens darf die Verschuldung der öffentlichen Hand nicht größer sein als 60 Prozent des BIP. Derzeit erfüllen die meisten der Euro-Länder diese Kriterien nicht.
Estland hingegen erreicht überall hervorragende Werte. Die EZB räumt dies in ihrem Bericht auch ein, verweist zugleich aber auf Schwierigkeiten bei der Messung der Nachhaltigkeit der erreichten Konvergenz des Landes mit der Währungsunion.
Als Maß dafür wird üblicherweise das Niveau der langfristigen Zinssätze in einer Volkswirtschaft genommen. Aber: "Das estnische Finanzsystem ist gekennzeichnet von der Abwesenheit eines gut entwickelten Marktes für langlaufende in estnischen Kronen ausgegebene Schuldpapiere."
Wirtschaft und Staat nutzen bereits in vielerlei Hinsicht den Euro, was eine Beurteilung zusätzlich erschwert. Notwendig sei in jedem Fall, dass die Regierung des Landes Anstrengungen unternimmt, die Teuerung in den kommenden Jahren in Zaum zu halten, empfehlen die Experten der EZB.
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(sueddeutsche.de/Reuters/hgn/mel)
Zum Tod von Whitney Houston
Hervorragende Werte !!! Sehr erfreulich, hier wäre endlich ein Anwärter, der die Rolle der BRD als EU-Zahlmeister übernehmen könnte.
Estland hat bisher kaum Schulden, d.h. um die 20 Millionen Euro, und kann also auch keinen florierenden Handel mit Staatsanleihen treiben.
Interessant, dass die EZB darin ein Problem sieht.
Obwohl Estland die Krone selbstverständlich nicht zu 100% deckt und Russland schon mal angetestet hat, wie leicht sie zu sprengen ist, halte ich es nicht gerade für klug, sich vertraglich dazu zu verpflichten, die Währung von überschuldeten Ländern zu stützen, wenn man selbst keine Schulden hat.
Dass Estland, wenn es dem Euro beitritt, so wie es bisher steht weniger Reserven vorhalten muss, motiviert einige Politiker hier, welche gerne an dieses Geld (ca. 1,5 Milliarden Euro) kämen.
Aber Kronenreserven blieben bei fehlender Staatsverschuldung mit einiger Sicherheit im eigenen Land, selbst wenn die Währung gesprengt würde, Euroreserven hingegen blieben es mit einiger Sicherheit nicht.
Wirklich schlimm wären vertragliche Verpflichtungen zur Schuldenaufnahme. Ich rate dbzgl. dazu an das Kleingedruckte genau zu studieren.
Vermisste im Artikel auch die Information zu Schweden, ein Blick zu Wikipedia ergibt:
Laut dem Beitrittsvertrag von Schweden zur EU muss das Land den Euro einführen und hat demnach keine Wahlmöglichkeit. Schweden verhindert derzeit die Einführung des Euro, (...) indem das Land die Kriterien zum Einführen des Euros (absichtlich) nicht erfüllt.
Und zwar im Vorfeld werden die Reviere abgesteckt!
So läuft das!
...gestern fuhr ich durch München zu einem Einkaufsbummel. Eine estländische Blondine fuhr mit ihrem Luxusauto (estländisches Kennzeichen viel sofort auf) durch München. Neugirieg geworden, hängte ich mich an ihr Fahrzeug.
Ratet mal, wo sie abstieg? Im Hotel Bayerischer Hof. Dort traf sie sich mit Vertretern der Politik, Wirtschaft und Bankenwelt.
Interessant!
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