Geplanter Währungs-Beitritt Lettland unterzeichnet Euro-Antrag

Der Euro ist in der Krise, trotzdem wollen die Balten dabei sein: Die lettische Regierung hat offiziell Antrag auf Mitgliedschaft in der Währungsunion gestellt. Von 2014 an will das Land mit Euros zahlen. Forderungen, erst einmal die Letten selbst zu fragen, ignoriert Ministerpräsident Dombrovskis.

Lettland will den Euro - und das möglichst schon von 2014 an. Die lettische Regierung hat offiziell den Beitritt zur Euro-Zone beantragt: Ministerpräsident Valdis Dombrovskis, Finanzminister Andris Vilks und Zentralbankchef Ilmars Rinkevics unterzeichneten den Antrag während einer Zeremonie in Riga.

Das Land will am 1. Januar 2014 seinen Lats durch den Euro ablösen und erfüllt nach eigenen Angaben seit September 2012 sämtliche Maastricht-Kriterien.

Finanzminister Vilks bezeichnete den Antrag als historisch: "Schnelleres Wirtschaftswachstum ist möglich, wenn Lettland Teil der Euro-Zone wird." Am Dienstag wird er den Plänen zufolge EU-Währungskommissar Olli Rehn bitten, die Lage in Lettland hinsichtlich eines Euro-Beitritts zu prüfen. In den kommenden Wochen sollten Experten dazu einen Bericht verfassen und "im Frühjahr" den europäischen Finanzministern vorlegen, sagte Rehns Sprecher.

Beitrittsverhandlungen trotz möglicher Krise

Wenn die EU-Finanzminister zustimmen, wird der lettische Antrag den Staats- und Regierungschefs der EU vorgelegt. Als letztes muss dann die Europäische Zentralbank ihr Einverständnis geben. Der Prozess soll nach den Vorstellungen der lettischen Regierung im Sommer abgeschlossen sein. Lettland wäre das achtzehnte Euromitglied. Zuletzt war 2011 der Nachbar Estland der Währungsgemeinschaft beigetreten. Das dritte baltische EU-Land, Litauen, will von 2015 an den Euro einführen.

Lettlands Regierungschef Dombrovskis hat sich auch von einer möglichen neuen Krise im Währungsraum durch das politische Patt in Italien nicht schrecken lassen: "Von Zeit zu Zeit gibt es Probleme in Euro-Mitgliedsstaaten, aber das gehört zum demokratischen Prozess dazu." Sein Land lasse sich dadurch nicht vom Ziel des Beitritts abbringen.

Forderungen der linksgerichteten Opposition nach einem Referendum über die Euro-Einführung hatte Ministerpräsident Dombrovskis zuvor abgelehnt. Die Euro-Befürworter in der lettischen Regierung sind der Ansicht, die Bevölkerung habe schon 2003 mit dem Referendum über den ein Jahr später erfolgten EU-Beitritt über die Einführung der Gemeinschaftswährung abgestimmt.

Ein Argument für einen baldigen Beitritt Lettlands liefern auch die Experten der Ratingagentur Fitch: Sie berichten laut der russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti, dass sich Lettland, Litauen und Estland überraschend schnell von den Folgen der Krise 2008/2009 erholen. In den vergangenen beiden Jahren hätten die baltischen Republiken das schnellste Wachstum innerhalb der EU verzeichnet.