Medien räumen Berichten über zweifelhafte Verbindungen großen Raum ein und begreifen das Problem meist als ein Problem der anderen. "Vergnügen empfindet man nur an fremden Fehlern", hat der Korruptionsforscher Paul Noack vor vielen Jahren schon erkannt.
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Zwar sind Verallgemeinerungen - wie auch in anderen Berufen - fehl am Platz, aber der Fall Peking liefert auch einen Blick auf die vielen Symbiosen zwischen Konzernen und Berichterstattern und lässt ahnen, dass auch im Journalismus geschnorrt, eingesackt und zugegriffen wird. Ein Blick ins Internet genügt. Wer pressekonditionen.de oder journalismus.com aufruft, erfährt, dass Journalisten auf bis zu 1450 Presserabatte zurückgreifen können. "Ich kenne investigative Journalisten, die um zwei, drei Prozent mehr Rabatt kämpfen", sagt ein PR-Mann bei VW.
"Kein Schamgefühl"
Ende November vorigen Jahres hat das TV-Medienmagazin Zapp (NDR) über "die große Gier vieler Journalisten" berichtet, und der frühere VW-Kommunikationsvorstand Klaus Kocks machte in dem Beitrag "italienische Verhältnisse" im deutschen Journalismus aus. Es sei "eine Unart der Unternehmen auf der einen Seite und eine Unart der Journalisten auf der anderen Seite. Es gibt kein Schamgefühl". Am Tag nach dem Zapp-Beitrag verzeichneten die Anbieter von Journalistenrabatten einen Rekordansturm.
Dabei ist in der Theorie alles gut geregelt. Nach Richtlinie 15.1 des Deutschen Presserats besteht die "Gefahr einer Beeinträchtigung der Entscheidungsfreiheit von Verlagen und Redaktionen (...), wenn Redakteure und redaktionelle Mitarbeiter Einladungen oder Geschenke annehmen, deren Wert das im gesellschaftlichen Verkehr übliche und im Rahmen der beruflichen Tätigkeit notwendige Maß übersteigt". Das unabhängige Urteil könne dann durch solche Zuwendungen beeinträchtigt werden.
In der Praxis ist vieles anders, als es das Selbstkontrollorgan der deutschen Verleger und Journalisten in seinem Kodex vorschreibt. Ein Sprecher eines weiteren in Deutschland ansässigen Autokonzerns, der bezeichnenderweise ebenso wie die Journalisten um Anonymität bittet, spricht sogar von "Heuchelei: Da werden von Verlagen Ethikregeln aufgestellt und wir erleben, dass Journalisten, die solche Kodizes predigen, uns auf Messen wegen Anzeigen anhauen".
"Wir bezahlen unsere Reisen selbst"
Die ökonomische Not der Verlage hat die Situation nicht verbessert. Immer häufiger werden journalistische Arbeit und Werbung miteinander vermengt. Der Kampf um Anzeigenkunden, um neue Erlöse, verringert den Abstand zwischen Text und Inseraten.
Bei der Diskussion über neue Regeln verlangte im Vorjahr der Geschäftsführer eines bekannten Regionalverlages, dass sich die Reisejournalisten nicht mehr von Veranstaltern zu teuren Trips einladen lassen: "Wir bezahlen unsere Reisen selbst."
Als ihm später die Redaktion die dann anfallenden Kosten mitteilte, erklärte er, Reiseberichte über Norderney und Spiekeroog würden die Kunden interessieren: "Das können sich unsere Leser und wir leisten. Indien ist zu teuer."
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(SZ vom 15.01.2009/tob)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Warum sollen Journalisten eigentlich Rabatte bekommen, die bspw. ein Bäcker nicht bekommt? Wenn eine Firma nur Pressevertretern Ermäßigungen gewährt, dann dürfte eigentlich klar sein, dass sie sich davon zumindest Wohlwollen für die Berichterstattung erhofft. Oder bin ich naiv?
Übrigens hat ein Journalist im Berliner zitty-Blog vor Monaten schon mal durchaus witzig "gebeichtet", welche Vorteile er aus seinem Presseausweis gezogen hat, siehe hier: http://blog.zitty.de/?p=108
wenn man auf eine Sauerei hinweist.
Im öffentlichen Dienst ist völlig zu Recht jegliche Annahme von Geschenken, insbesondere Bargeld untersagt. Und zumindest im mittleren, sowie gehobenen Dienst läuft Anfang jeden Jahres ein passender Hinweis gegen Unterschrift herum, mit dem man auch darauf hingewiesen wird, dass Geldbeträge ausschließlich in Kassenräumen durch das eingeteilte Personal angenommen und verbucht werden dürfen. Nur so kann's laufen. Und schließlich werden wir dafür bezahlt, unabhängig von Geschlecht, Religion, Hautfarbe usw. eine Dienstleistung für alle im selben Maß und hoffentlich guter Qualität zu erbringen. Dabei ist sicherlich für den Bürger die Qualität nicht immer nachvollziehbar, weil man sich eben an die Vorschriften halten muss, ob diese nachvollziehbar sind, oder nicht. Würden Vergünstigungen angenommen, kämen zu Recht schnell Zweifel auf, ob hier jeder gleich behandelt wird. Es ist schon schwer genug, einen "Nasenfaktor" und persönliche Probleme aus dem Parteikontakt herauszuhalten. Dürften wir noch Vergünstigungen annehmen, wäre sicherlich schnell auch das restliche Vertrauen, soweit überhaupt vorhanden, verwirkt.
Und ebenso ist es doch in anderen Dienstleistungsbereichen, bei denen es auf Urteil und Entscheidung von Leuten ankommt. Jeder wird für seine Leistung bezahlt, - da braucht es in aller Regel keine zusätzliche Subvention. Wenn doch, dann soll man es nachweisen und bekommt vom Staat (hoffentlich) Unterstützung. Nur den Hals nicht vollzukriegen und sich auf Kosten anderer, im beschriebenen Fall der Autokäufer, zu bereichern, genügt diesem Anspruch nicht.
Und wären die Medien hier konsequent und einig, dann gäbe es auch keine Fragen, ob die Werbeaufträge ausbleiben. Leider gibt es hier offenbar keine funktionierende Selbstbeschränkung.
Wirkmechanismus im Kapitalismus?
Kunde käuft (wieder) oder nicht.
Übrigens ist Geschäft != Kapitalismus. GGf. muß eben das System verändert werden. Wohin die mangelnde Moral führt, sehen wir an der Finanzkrise, Gehaltsschere und Produktqualität in letzter Zeit. Und es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Produktqualität und dem Journalismus, der Produkte bewertet.
...müssten genannt werden: Die Namen aller Journalisten, die sich von VW einladen ließen, mitsamt den Namen der Medien, für die sie tätig sind. Dann könnten die Mediennutzer entscheiden, ob sie sich von käuflichen Journalisten "informieren" lassen wollen.
Für mich steht jedenfalls eines fest: Nachdem VW nun erklärt hat, dass die Firma den gekauften Journalisten finanziell unter die Arme greifen will, werde ich mir nie einen VW kaufen.
Zitat Gardovan: "... es wird so dargestellt als ob die Moral der Feind des Geldverdienens wäre, nein ist sie nicht, ich finde sie ist der Qualitätsstandard an dem sich gute Geschäfte messen lassen müssen."
Ulkige Verdrehungen. Wie heißt denn der Bilanz-Punkt unter dem die Moral aufgelistet ist? Und wie genau funktioniert denn der moralische Wirkmechanismus im Kapitalismus? Gibt's bei der Deutschen Bank irgendwo Zinsen auf Moral?
"Moral ist das was fehlt." Der einzig sinnvolle Satz in ihrem Kommentar.
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