Abgas-Skandal Volkswagens USA-Chef wusste schon 2014 von Abgas-Problemen

Michael Horn, President and CEO of Volkswagen Group of America, speaks during the 2016 Volkswagen Passat reveal in the Brooklyn borough of New York Michael Horn, President and CEO of Volkswagen Group of America, speaks during the 2016 Volkswagen Passat reveal in the Brooklyn borough of New York September 21, 2015. Volkswagen U.S. head on Monday said he was confident the German automaker would restore customer confidence after it 'totally screwed up' by rigging emissions tests of diesel-powered vehicles in the United States. Michael Horn vowed to make amends at a lavish event in New York to promote the 2016 Passat where the carmaker doled out German beer, pretzels and 'cheddary ale fondue' to dealers and the media, before a performance of rockstar Lenny Kravitz. REUTERS/Darren Ornitz

(Foto: REUTERS)
  • Der Chef der Volkswagen-Tochter in den USA muss am Donnerstag vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses in Washington zum Abgas-Skandal aussagen.
  • Vorab gibt er zu, schon 2014 von gewissen Problemen im Zusammenhang mit der Einhaltung von US-Abgaswerten für Diesel-Fahrzeuge gewusst zu haben.
Von Claus Hulverscheidt, New York

Der US-Chef von VW tritt die Flucht nach vorne an

Wann wusste die VW-Führung von den Manipulationen der Diesel-Abgaswerte, die derzeit den größten Auto-Hersteller der Welt ins Wanken bringen? Die Antwort auf diese Frage liegt nach wie vor im Dunkeln, viele noch amtierende, ehemalige oder gerade ausgeschiedene Top-Manager des Konzerns haben bereits zu Protokoll gegeben, dass sie nicht einmal ahnten, was da vor sich geht. Sie seien, so hieß es, von der Affäre völlig überrollt worden.

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Tatsächlich? An diesem Donnerstag muss Michael Horn, der Chef der Volkswagen Group of America, als erster VW-Spitzenmann vor einem Parlamentsausschuss aussagen. Es handelt sich um den Unterausschuss Beaufsichtigung und Ermittlungen des Ausschusses für Energie und Handel des US-Repräsentantenhauses. So unwichtig das klingt, so heftig werden die Abgeordneten den als Zeugen geladenen Deutschen in die Zange nehmen - und weil Horn um den inquisitorischen Eifer amerikanischer Politiker weiß, hat er sich offensichtlich dazu entschlossen, die Flucht nach vorn anzutreten.

"Womöglich Probleme mit der Einhaltung der US-Grenzwerte für Diesel-Abgase"

In einer schriftlichen Aussage, die er gewissermaßen als Einstimmung auf die Anhörung schon einmal nach Washington verschickt hat, räumt der 51-Jährige ein, dass er bereits im Frühjahr 2014, wenige Monate nach seinem Amtsantritt, darüber informiert wurde, dass das Unternehmen womöglich Probleme mit der Einhaltung der US-Grenzwerte für Diesel-Abgase hat. Man habe ihm aber auch gesagt, dass die Techniker des Konzerns gemeinsam mit der Umweltbehörde EPA an einer Lösung des Problems arbeiteten. "Später im Jahr 2014 wurde ich dann unterrichtet, dass die Technikteams einen konkreten Plan hatten, mit dem sie Abhilfe schaffen wollten", heißt es in Horns Erklärung, die der Ausschuss auf seiner Website veröffentlichte.

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Damit jedoch endete der geschichtliche Abriss, bereits im nächsten Satz springt Horn zum 3. September dieses Jahres, jenem Tag, an dem Volkswagen-Vertreter bei einem Treffen mit der EPA und deren kalifornischem Pendant CARB einräumten, dass das Unternehmen die Abgaswerte seines Vier-Zylinder-Dieselmotors mit Hilfe einer Software manipuliert habe. Was er, Horn, und seine Chefs in Wolfsburg selbst zwischen den Spätsommern 2014 und 2015 unternahmen, um das Problem anzugehen, oder ob sie es dabei beließen, sich "informieren" und "unterrichten" zu lassen, geht aus dem Schreiben nicht hervor.

Horn bittet um Entschuldigung

Dafür tut Horn noch einmal verbal Buße: Die Vorgänge, so schreibt er, seien "tief verstörend", er selbst habe sich "nicht vorstellen können, dass so etwas bei der Volkswagen Gruppe möglich" sei. "Wir haben das Vertrauen unserer Kunden, Händler und Angestellten, wie auch das der Öffentlichkeit und der Behörden zerstört", so der Manager zerknirscht. "Im Namen unseres Unternehmens und meiner Kollegen in Deutschland bitte ich Sie aufrichtig um Entschuldigung."

Die Abgeordneten werden die Bitte zweifellos mit Genugtuung und Respekt zur Kenntnis nehmen. Einem scharfen Verhör wird der "Zeuge Nummer eins" dennoch nicht entgehen.