VW und Telekom Korruptions-Anklage wegen Fußball-Sponsoring

Die Staatsanwaltschaft hat nach SZ-Informationen Anklage wegen Korruption bei einem Geschäft zwischen VW und der Deutschen Telekom erhoben. Bei dem Deal hätten demnach mehrere Millionen für den Volkswagen-Werksklub VfL Wolfsburg abfallen sollen.

Von Klaus Ott

MünchenFür den VfL Wolfsburg verläuft die Saison ziemlich schlecht. In der Fußball-Bundesliga steht der VW-Werksklub, der mit dem Geld des Volkswagen-Konzerns vorne mitspielen will, nur auf Platz 13. Im Pokal sind die "Wölfe", wie sie genannt werden, in der ersten Runde gegen einen Viertligisten ausgeschieden. Und international ist der Fast-Absteiger der vergangenen Saison sowieso nicht dabei. Wenigstens stimmt die Kasse noch. Vor allem dank der Millionen von Volkswagen, aber auch dank der vielen Sponsoren. Etliche von ihnen hat der Auto-Konzern selbst vermittelt.

Der große Zulauf der Sponsoren bei den Wölfen könnte für deren Mutterkonzern VW noch zum Problem werden. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat jetzt Anklage wegen eines Deals zwischen VW und der Deutschen Telekom erhoben, bei dem auch einige Millionen für den VfL Wolfsburg abfallen sollten. Das soll, so der Vorwurf, Korruption gewesen sein. In der 69-seitigen Anklageschrift wird das angeblich kriminelle Geschäft in allen Details geschildert. Volkswagen habe einen hoch dotierten Vertrag mit der Telekom-Tochter T-Systems erst dann fortgeführt, als die Telekom-Firma ihrerseits angekündigt hatte, einen Sponsorvertrag mit dem VfL Wolfsburg über vier Millionen Euro pro Saison zu verlängern. Der Deal mit T-Systems über die Pflege der Computersysteme bei Volkswagen hätte aber nicht an die Unterstützung für den VfL gekoppelt werden dürfen, glaubt die Staatsanwaltschaft.

Zwei Führungskräfte aus der Abteilung von VW-Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz sind nun wegen Bestechlichkeit angeklagt, zwei frühere Manager und ein Ex-Berater von T-Systems wegen Bestechung. Sie sollen sich vor der Wirtschaftsstrafkammer des Stuttgarters Landgerichts verantworten. Die Staatsanwaltschaft betrachtet Paragraph 299 Strafgesetzbuch als erfüllt. Wer für sich oder einen "Dritten" Vorteile fordert oder verspricht, die mit dem eigentlichen Geschäft nichts zu tun haben, und sich so Vorteile verschafft, handelt kriminell. Der "Dritte" wäre hier der VfL Wolfsburg. Dass T-Systems ihr Sponsoring beim VW-Werksklub später trotzdem einstellte, ändert aus Sicht der Ermittler nichts am Gesetzesverstoß. In Stuttgart ist der Fall anhängig, weil dort einer der Beschuldigten wohnt.

Der Fall ist in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert, Wirtschaftsjuristen sprechen von einem "Pilotverfahren". Erstmals wird juristisch geklärt, ob Deals in Industrie und Wirtschaft mit einem Sport-Sponsoring verknüpft werden dürfen. In der Fußballbranche und darüber hinaus wird das Verfahren aufmerksam und teils mit Sorge verfolgt. Bei einigen von den vielen Firmen, die Lieferanten oder anderweitig Geschäftspartner von Volkswagen sind und zugleich den VfL fördern, haben die Ermittlungen bereits beträchtliche Unruhe ausgelöst. Nach Erkenntnissen der Stuttgarter Kriminalpolizei hat VW nicht nur T-Systems dazu gedrängt, sich beim VfL zu engagieren. Manche VW-Lieferanten hätten "nicht ganz freiwillig" einem Sponsoring bei den Wölfen eingewilligt, notierte die Kripo. Nun steht das System VW auf dem Prüfstand, auch wenn Einkaufsvorstand Garcia Sanz außen vor ist. Gegen ihn wird nicht ermittelt.

Laut Anklageschrift gibt es zwar Hinweise auf Treffen bei VW mit Garcia Sanz, bei denen die Verknüpfung des T-Systems-Vertrags mit dem VfL-Sponsoring besprochen worden sein soll. Der Inhalt dieser Treffen habe sich aber nicht mehr ermitteln lassen. In anderen Fällen, das belegen die Ermittlungsakten, war Garcia Sanz über die Koppelung von VW-Geschäften mit einer VfL-Unterstützung sehr wohl im Bilde. VW sagt dazu, der Konzern habe niemanden zu einem Sponsoring bei den Wölfen gedrängt. "Wir gehen fair mit unseren Geschäftspartnern um." Und man habe "kein Problem damit, dass Lieferanten von Volkswagen auch Sponsoringverträge mit dem VfL Wolfsburg abschließen".

Probleme haben dafür nun die fünf Angeklagten, die alle Vorwürfe zurückweisen. Das sei eine "straflose Klimapflege" gewesen, sagt der Kölner Anwalt Björn Gehrke, der einen der Beschuldigten vertritt. Alle fünf hätten offensichtlich in dem "guten Glauben gehandelt", die Interessen ihrer Unternehmen bestmöglich zu vertreten. Außerdem seien sowohl bei VW als auch bei der Telekom "maßgebliche Entscheidungsträger" in diese Geschäfte eingebunden oder zumindest ausreichend darüber informiert gewesen. "Mit der Einbindung dieser Entscheidungsträger war das alles in diesem Zusammenhang nicht strafbar."

Gehrke fügt hinzu, es könne keine Rede davon sein, dass der Wettbewerb im Wirtschaftsleben auf unlautere Art und Weise beeinflusst worden sei. Auch der Frankfurter Anwalt Eckart Hild, der einen der Ex-Manager von T-Systems verteidigt, widerspricht den Anschuldigungen. "Mein Mandant hat keinerlei Handlungen unternommen, die den Tatbestand der Bestechung erfüllen." Dass nun Anklage erhoben wird, ist für Hild deshalb "bezüglich meines Mandanten nicht nachvollziehbar".

Die Staatsanwaltschaft hat viele Zeugen benannt, meist Manager von VW, VfL Wolfsburg und Telekom. Allerdings keine Vorstandsmitglieder aus den beiden Konzernen. Mancher Vorstand von VW und Telekom wird wohl, auf Antrag der Verteidiger, trotzdem vor Gericht aussagen müssen. Darunter bestimmt auch VW-Einkaufschef Garcia Sanz.