Aus Volkswagen-Kreisen heißt es dagegen, dies sei "juristischer Unsinn". Tatsächlich verweisen Finanzkreise auf den 50,7-Prozent-Anteil an Volkswagen, den die SE hält und der an die 19 Milliarden Euro wert sei. Außerdem bekäme die SE knapp vier Milliarden Euro für ihre Anteile an der Porsche AG, also am Autogeschäft. Geld wäre demnach genug da - selbst nach einem Verkauf der Porsche AG.

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Dabei ist Plan B auch ohne die juristischen Scharmützel alles andere als ein Selbstläufer: Erst von Ende 2014 an wäre ein Kauf steuerfrei; bis dahin fallen Abgaben von mehr als einer Milliarde Euro an. In Wolfsburg arbeitet man daher an einer Alternative und sucht hinter den Kulissen nach einer Möglichkeit, das Steuerproblem zu lösen und die Transaktion noch in diesem Jahr zu stemmen. In Wolfsburg will man nicht über Zeitfenster sprechen. "Die Prüfung hält an", sagt ein VW-Sprecher nur. Ziel sei es, "die Anteile möglichst zeitnah und zu wirtschaftlich sinnvollen Bedingungen zu übernehmen". Mit anderen Worten: Je eher, desto besser. Also auch schon 2012.

Zumal es bei den juristischen Auseinandersetzungen ohnehin nur am Rande um Autos geht. Die Geschichte ist verzwickt, und sie beginnt spätestens im Herbst 2008. In der Zeit, in der sich Wiedeking und Härter daran machten, den viel größeren VW-Konzern mit Hilfe komplizierter und riskanter Finanzgeschäfte zu übernehmen. Mit irreführenden Aussagen, monieren die Investoren heute, sei der Kurs der VW-Aktie damals manipuliert wurden- zum Schaden der Anleger. Als Beleg dafür gilt eine Porsche-Pressemitteilung vom 26. Oktober 2008, in der die Zuffenhausener indirekt einen VW-Anteil von mehr als 75 Prozent in Aussicht stellten.

Schlecht für Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt hatten; der Kurs der VW-Aktie stieg so in wenigen Tagen von 200 auf 1000 Euro. Viele Anleger verloren viel Geld. Gut für Porsche: Der Sportwagenbauer machte dank der Optionsgeschäfte auf VW-Aktien mehr Gewinn, als das Unternehmen an Umsatz erzielte. Ein Kuriosum in der deutschen Industriegeschichte.

Dann kam die Finanzkrise, das Übernahmemanöver ging schief, und VW holte selbst aus, um Porsche zu schlucken. Seitdem wird gerechnet - und geklagt. Selbst Bundespräsident Christian Wulff ist ins Visier der Investoren geraten. Sie werfen Wulff - damals als niedersächsischer Ministerpräsident Mitglied des VW-Aufsichtsrats - vor, das Thema nicht ausreichend kommuniziert zu haben.

Dabei spielt es am Ende kaum noch eine Rolle, wie viel die Investoren mit ihren Milliardenklagen am Ende tatsächlich eintreiben werden - oder auch nicht. Viel wichtiger ist: Die Kläger torpedieren das Lebensziel des VW-Patriarchen Ferdinand Piëch. Der Traum einer Zusammenführung von Porsche und VW unter einem gemeinsamen Familiendach war seit langem geträumt und durchdacht. Nun droht er in den juristischen Schlachten unterzugehen.

Das dürfte noch schwerer wiegen als die Milliardendrohungen.

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  1. Angst vor Plünderung
  2. Sie lesen jetzt Plan B: kein Selbstläufer
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(SZ vom 28.01.2012/beitz)