Der Strafprozess zum VW-Skandal endet kläglich: Nur der frühere Betriebsratschef des Volkswagenkonzerns wird haftbar gemacht.
Den Letzten beißen die Hunde: So heißt ein Film mit Clint Eastwood. Nun trägt auch der VW-Prozess diesen Titel.
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Der Letzte ist hier der frühere Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert, der - als einzige Figur der gesamten VW-Affäre - ins Gefängnis soll.
Ist also wirklich er derjenige, der diesen Skandal zusammengerührt hat? Soll er, wirklich nur er, derjenige sein, der für die unappetitliche Mischung von Unternehmenspolitik und Sex hauptverantwortlich ist? Es ist lächerlich, ihn nun allein, pars pro toto für das System VW, haftbar zu machen.
Man muss kein übertriebenes Mitleid haben: Seine Strafe ginge dann in Ordnung, wenn nicht die vielen anderen Beteiligten so milde oder gar nicht bestraft worden wären. Sein Kompagnon, der Ex-VW-Personalmanager Gebauer, kam mit einem Jahr auf Bewährung davon.
Piëch - der Teflon-Spezialist
Peter Hartz, der ehemalige VW-Arbeitsdirektor, hat sich, glänzend beraten, aus dem ihm drohenden Gefängnis gedealt mit einem umfassenden Geständnis und mit den Materialien, die er der Staatsanwaltschaft überlassen hat. Er darf sich jetzt als Unternehmensberater "bewähren".
Klaus Volkert aber, sein Gehilfe bei der Untreue, muss nun schwerer büßen als der Herr der Tat. Und Ferdinand Piëch, der große Chef? Er wusste dem Gericht sein Gedächtnis und sich selbst ohne Anhaftungen zu präsentieren und ist nicht einmal beschuldigt; er ist eben nicht nur genialer Autobauer, sondern auch Teflon-Spezialist.
Und so hat sich die Justiz an Klaus Volkert festgebissen: Einer für alle. Das Gericht hat das korrupte System VW gar nicht mehr betrachtet, es hat daraus eine Einzeltat gemacht. Das ist ein eher klägliches Ende.
Der VW-Prozess hatte mit großen Erwartungen begonnen. Man erhoffte sich davon aufklärende und reinigende Kraft. Aber nun bleibt als Ergebnis wieder das, was man von anderen angeblichen Großverfahren kennt: Sie blähen sich, wie das der bremische Strafrechtler Felix Herzog sagt, "zunächst moralisch auf und zerplatzen dann wie Seifenblasen".
Es ist nicht das erste dieser Art. Der Prozess im Fall Mannesmann schloss damit, dass die sechs Angeklagten insgesamt 5,8 Millionen Euro zahlten. Früher nannte man das Lösegeld. Oder, aus dem Bereich der Politik: Der Prozess um schwarze Kassen der hessischen CDU mündete nach langem Würgen in einer milden Geldstrafe gegen den Ex-Bundesinnenminister Kanther. All diese Verfahren enden mit Deals, mit Absprachen zwischen Anklage und Verteidigung.
Man erinnert sich bei dieser Gelegenheit auch, weit zurückliegend, an die Partei-Spendenskandale der siebziger Jahre: Die begannen mit Fanfarenstößen der Staatsanwaltschaft; irgendwann wurden dann die Verfahren in die Verjährung getrieben.
Dies sind gefährliche Entwicklungen: Ausgerechnet die Strafprozesse, die zum Beweis der Tatsache betrieben wurden, dass man die Großen nicht laufen lässt, treten am Schluss den Gegenbeweis an. So entsteht Justizverdrossenheit.
(SZ vom 23.02.2008/hgn)
Demonstrationen in Hamburg
Ich bin mir nicht sicher, ob Volkert wirklivh "der Letzte" ist den die Hunde beißen. Dieser Mann war Gesamtbetriebsratsvorsitzender von VW International und hätte stehen müssen als Vertrauensmann für die gesamte VW-Belegschaft. Er hat schamlos riesige Geldsummen des Konzerns für seine sexuellen Abenteuer verschleudert und mit seinem Tun ein riesiges Imageproblem des Auotokonzerns gefördert, statt die Interessen der Belegschaft kraft Amtes mit höchstem Einsatz zu vertreten.
Was andere, über ihm stehende VW-Bosse verbrochen haben, steht auf einem anderen Blatt. Wenn sie nicht angemessen gerichtet werden, ist das noch lange kein Grund, Volkert zu schonen.
Ich muss Herrn Prantl unumwunden recht geben. Sie auch hierzu meinen Kommentar von heute an anderer Stelle zum gleichen Thema. Das Rechtsgefühl des Bürgers wird durch zweifelhafte Deals der Gerichte - denn dies ist ja kein Einzelfall - regelrecht beleidigt.
Mannomann, sie haben vielleicht Ahnung. Beleidigen hier zigtausende ehrenamtlicher, hervoragend arbeitender Betriebsräte und Vertrauensleute. Ich rufe ihnen zu, frei nach Dieter Nuhr: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Schnauze halten."
Und ihre Schlussbemerkung: "Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel." hilft da auch nicht mehr weiter.
Nach unten frech treten und nach oben buckeln - Korruption im ganzen Land
Dieses (noch nicht rechtskräftige) Urteil fügt sich nahtlos in das Sittengemälde, das die Eliten dieses Landes zeichnen.
Nicht die Höhe des Urteils überrascht, sondern das Mißverhältnis zu den Urteilen der Mitangeklagten.
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