VW-Porsche-Affäre Staatsanwaltschaft ermittelt offenbar gegen Porsche-Aufsichtsräte

Nachspiel der Übernahmeschlacht zwischen Porsche und Volkswagen: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart nimmt den Aufsichtsrat der Porsche SE Holding ins Visier - wegen möglicher Marktmanipulation, also der Täuschung von Anlegern. Die neuen Ermittlungen setzen ein, kurz bevor mögliche Gesetzesverstöße verjährt wären.

Von Max Hägler

Jetzt erreicht dieser legendäre Kampf also die oberste Ebene, die Eigentümer von VW und Porsche. Am Montagabend sickerte durch, dass die Staatsanwaltschaft Stuttgart tatsächlich gegen den Aufsichtsrat der Porsche SE Holding ermittelt - wegen möglicher Marktmanipulation, also der Täuschung von Anlegern. "Wir haben Kenntnis, dass die Ermittlungen auf den Aufsichtsrat ausgeweitet wurden", bestätigte Unternehmenssprecher Albrecht Bamler der Süddeutschen Zeitung.

Im Dezember hatten die Staatsanwälte bereits deswegen Anklage gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking erhoben. Wer genau jetzt noch im Visier der Strafverfolger steht, ist nicht bekannt. Im Aufsichtsrat der Porsche SE sitzen nicht nur die beiden Betriebsratschefs von Porsche und VW, Uwe Hück und Bernd Osterloh. Sondern vor allem die prominente Repräsentanten der Eigentümerfamilien der beiden Autofirmen: Wolfgang Porsche und Ferdinand Piëch.

Die beiden Automanager haben eine gemeinsame Familienhistorie - und rangen vor fünf Jahren einen bemerkenswerten Kampf: Porsche wollte über seine Mutter, das Konstrukt Porsche SE Holding, den viel größeren VW-Konzern übernehmen, in dem Piëch dominiert. Der Aktienkurs von VW fuhr daraufhin Achterbahn in der heißen Phase: Innerhalb weniger Tage stieg er von 200 auf 1000 Euro und fiel dann wieder.

Kurz vor der Machtübernahme im Jahr 2009 ging Porsche jedosch das Geld aus und das Husarenstück scheiterte. Mit mehr als zehn Milliarden Euro war Porsche verschuldet und musste am Ende von VW gerettet werden. Wobei trotz allem verwandtschaftlichen Wettstreit eben der eigentlich angegriffene Piëch als Porsche-SE-Aufsichtsrat informiert gewesen sein könnte und Wolfgang Porsche auch, das ist die Botschaft der Staatsanwälte. Relevant ist das vor allem, weil angesichts der Achterbahnfahrt des VW-Aktienkurses viele Anleger Geld verloren, vor Gericht wird derzeit um Milliarden gestritten.

Ausgang der Ermittlungen noch völlig ungewiss

Die Ermittlungen kommen nicht unerwartet. Kurz nach der Anklageerhebung gegen Wiedeking hatte die Staatsanwaltschaft erklärt, sie untersuche, ob der Aufsichtsrat seine Aufsichtspflicht verletzt habe oder sich der Beihilfe schuldig gemacht habe. Bei strategischen Entscheidungen in einem Unternehmen ist der Aufsichtsrat trotz der weitgehenden Befugnisse eines Vorstandsvorsitzenden oft eingebunden.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ist zudem bekannt dafür, äußerst akkurat vorzugehen und im Zweifel nicht zurückzuziehen. Im Fall der Ermittlungen gegen den Aufsichtsrat wollten die Beamten womöglich auch auf Nummer sicher gehen: Am 10. März könnte eine Verjährungsfrist auslaufen. Denn an diesem Tag vor fünf Jahren beginnt in den Augen der Staatsanwaltschaft im Fall Wiedeking der relevante Zeitraum möglicher Manipulations-Straftaten.

Was letztlich herauskommt - bei Wiedeking und den Aufsichtsräten - ist völlig ungewiss. Ermittlungen sind noch keine Anklage. Und eine Anklageerhebung wie im Fall Wiedeking noch kein Urteilsspruch. Klar ist allerdings: Die staatsanwaltschaftlichen Erkenntnisse könnten zumindest dazu beitragen, dieses spannende Stück Familiengeschichte aufzuhellen, das in Teilen immer noch nicht aufgeklärt ist. Und bei dem nicht immer deutlich ist, wer welche Interessen hatte.

Mittlerweile ist der Autobauer Porsche Teil des VW-Konzerns. Die Macht über das Reich teilen sich vor allem die Porsches und die Piechs.