VW-Krise Ein Affront gegen VW

Das Auftreten von VW-Chef Müller könnte die Atmosphäre bei den Gesprächen mit den US-Behörden deutlich abkühlen.

(Foto: Krisztian Bocsi/Bloomberg)
  • An diesem Mittwoch trifft sich VW-Chef Müller mit Gina McCarthy, der Chefin der US-Umweltbehörde EPA.
  • Nur einen Abend vorher lehnten die Umweltbehörden EPA und Carb nun die Rückrufpläne der Wolfsburger ab.
  • Die Erklärung klingt bürokratisch, kann aber durchaus als Affront gegenüber VW gewertet werden.
Von Thomas Fromm, Klaus Ott und Claus Hulverscheidt

Der VW-Chef war in die USA gekommen, um die Wogen zu glätten. Am Sonntagabend stand Matthias Müller noch vor Journalisten in einer Hamburger-Bar in Detroit und entschuldigte sich für den Dieselskandal. Das tat er nicht zufällig: An diesem Mittwoch findet das für den Konzern so wichtige Treffen mit der Chefin der US-Umweltbehörde EPA, Gina McCarthy, statt, und da ist es besser, man macht einige Dinge schon vorher klar. Dann aber geriet das Drehbuch der VWler kräftig durcheinander.

Einen Tag vor dem entscheidenden Treffen lehnten die wichtigen US-Umweltbehörden Carb und Epa den ursprünglichen Rückrufplan der Wolfsburger von Ende 2015 ab. Was sich technisch und bürokratisch liest, darf man durchaus als Affront bewerten: Der Rückrufplan gehe nicht ausreichend auf die "Gesamtauswirkungen für Fahrverhalten, Emissionen und Sicherheit der Autos" ein, kritisierte die kalifornische Behörde Carb. Es gebe nicht "genug Informationen für eine technische Bewertung". Von der nationalen Behörde Epa hieß es anschließend, VW habe "keinen genehmigungsfähigen Rückrufplan" vorgelegt. Das hätten die Amerikaner dem VW-Chef am Mittwoch persönlich sagen können. Dass sie es einen Tag vorher publik machten, zeigt, wie es um die Beziehungen zwischen VW und den US-Behörden bestellt ist.

Müllers Interview: eine fatale Kommunikationspanne

Wenige Stunden bevor diese Absage Wolfsburg erreichte, machte ein Interview Müllers die Runde, das nicht zur Verbesserung der Stimmung beigetragen haben dürfte. Auf die Entschuldigungen Müllers in Detroit folgte eine fatale Kommunikationspanne des Konzernchefs: In einem Interview mit dem US-Sender NPR wird Müller zum Abgasskandal befragt. Er spricht von einem "technischen Problem", von einem "Versäumnis". Man habe die Gesetze in den USA nicht richtig ausgelegt. Wie bitte? Nur ein technisches Problem? Der Reporter hakt nach: Das Thema werde in den USA aber als "ethisches Problem" wahrgenommen. Da will Müller nicht mitgehen. "Ein ethisches Problem? Ich kann nicht verstehen, warum Sie das sagen."

In den USA kam das gar nicht gut an.

Zur Erinnerung: VW hatte jahrelang eine Software in Dieselmotoren gesteckt, die erkannte, wann Stickoxide auf dem Prüfstand - also offiziell - gemessen wurden und wann das Auto auf der Straße fuhr. Ein schwerer Fall von Manipulation also. Müller aber sagt den amerikanischen Journalisten: "Wir haben nicht gelogen."

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Die US-Behörden werfen den Wolfsburgern vor, nicht ausreichend zu kooperieren

Bei VW hatten sie die Brisanz des Interviews schnell erkannt. Nachdem das Gespräch in Auszügen bereits gesendet war, bat man um eine Wiederholung der kritischen Passagen. Juristisch womöglich der richtige Weg. Doch da war die Katastrophe da schon passiert. Volkswagen bemühte sich am Dienstag um Schadenbegrenzung: Die Interviewsituation in der Hamburger-Bar "Fishbone's" am Sonntagabend in Detroit sei laut und chaotisch gewesen. Deshalb habe man darum gebeten, einige Punkte des Gesprächs noch einmal zu konkretisieren, um Missverständnisse auszuräumen. Der Interview-Mitschnitt von NPR indes ist im Internet abrufbar. Er ist eindeutig: klare Fragen und Antworten.

Wie geht es weiter? Müller wird am Mittwoch in Washington Epa-Chefin McCarthy treffen; VW zufolge habe man in den vergangenen Wochen "konstruktive Diskussionen" mit den Behörden geführt. So viel steht fest: Die Behördenchefin aus Washington und der Manager aus Wolfsburg werden einiges zu besprechen haben. In VW-Kreisen in Deutschland löste Müller misslungenes Radiointerview am Kopfschütteln bis Entsetzen aus. Was der Konzern derzeit am wenigstens brauchen könne, sei der Eindruck, man wolle die Abgas-Affäre herunterspielen. Müllers verharmlosende Aussagen seien ein "Fehler", über den nach seiner Rückkehr geredet werden müsse.