VW-Konzern Audi will kein Fossil sein - und stellt ein Auto mit 435 PS vor

Audi-Chef Rupert Stadler

(Foto: AFP)

Nicht nur der Diesel-Skandal macht dem Autohersteller zu schaffen. Chef Rupert Stadler erklärt, wie er sich die Zukunft vorstellt: emissionfrei. Die Produktpräsentation spricht eine andere Sprache.

Von Thomas Fromm, Ingolstadt

Rupert Stadler trägt am Anfang noch eine ärmellose Steppjacke unter dem Jackett und das sieht so aus, als würde dies wieder eine dieser Veranstaltungen werden, in der sich Topmanager als leger outen wollen. Kommt nach dem Anzug-mit-Krawatte-Stadler jetzt der Outdoor-Stadler? Natürlich nicht.

Kurz bevor er auf die Bühne geht, zieht er das Jackett aus, dann die Steppjacke, Jackett wieder an - und fertig ist der "Anzug-mit-Krawatte"-Stadler. Eine Jahrespressekonferenz in Ingolstadt mit Steppweste? So weit ist es noch nicht. Ernste Momente erfordern ernsthaften Kleidungsstil, so ist das in der Wirtschaft. Und die Sache ist ernst.

Seit Mitte September 2015 hat die Konzernmutter Volkswagen eine weltweite Dieselaffäre am Hals, und auch Audi ist mit seinen Autos betroffen. Also sagt Stadler gleich am Anfang, damit das schon mal ganz klar ist: "Wir bedauern was passiert ist. Wir sorgen für volle Transparenz. Und wir bringen das in Ordnung." Bei Audi wie auch bei VW würde man übrigens nicht von "Diesel-Affäre" oder "Diesel-Skandal" oder "Betrug" sprechen. Hier heißt das seit Monaten "Diesel-Thematik".

Audi-Jahrespressekonferenzen haben seit Jahren dieselbe Kernbotschaft, bei der sich nur die Zahlen verändern: Wir sind super gut unterwegs, wir machen mehr Gewinne als im vergangenen Jahr, und deshalb sind wir die wichtigste Marke im VW-Konzern. Wir sind, liebe Leute: die Ingolstädter Gewinnschleuder im Wolfsburger Auto-Konglomerat.

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Der Diesel-Skandal hat den Konzern aufgeschreckt

Das ist Audi zwar immer noch, aber es wird schwieriger, Gewinne zu machen. 2015, das Jahr der Dieselaffäre bei der Konzernmutter Volkswagen, war zwar noch ein Jahr der steigenden Umsätze - mit 1,8 Millionen Autos setzte man über 58 Milliarden Euro um, 8,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Aber es war auch ein Jahr der sinkenden Gewinne. Um sechs Prozent ging das Ergebnis zurück, auf 4,8 Milliarden Euro. Allein die mit einer betrügerischen Software verseuchten Diesel-Fahrzeuge kosteten 228 Millionen Euro. Was soll man zu so etwas sagen? Das Jahr sei "herausfordernd" gewesen, sagt Audi-Finanzvorstand Axel Strotbek und geht ins Detail: "Die Abkühlung des chinesischen Wirtschaftsklimas, die zunehmende Wettbewerbsintensität, aber auch die Dieselthematik." In dieser Reihenfolge.

Der Ärger mit dem Diesel hat den Konzern aufgeschreckt, und dass die CO2-Emissionen nach dem Willen der EU-Kommission bis 2020 drastisch zurückgefahren werden müssen, sorgt für zusätzliche Nervosität. Der Wandel ist unvermeidbar: "Meine Damen und Herren, ein wichtiges Signal geht seit Ende 2015 von Paris aus", sagt Stadler. "Auf der Klimakonferenz ist ein neuer Weltklimavertrag gelungen. Ein Autohersteller, der jetzt noch ausschließlich auf 'fossil' setzt, droht selbst zum Fossil zu werden." Ein Fossil will niemand sein, also sagt Stadler: "Die Zukunft der Mobilität ist emissionsfrei."

Die Kunst besteht darin, die Gegenwart irgendwie in die Zukunft zu retten. Zum Beispiel mit einem vollelektrischen SUV, der ab 2018 in Brüssel in Serie gebaut werden soll. Zum Beispiel mit einer eigenen Batteriefertigung. Zum Beispiel mit eigenen Brennstoffzellenautos.

Noch aber ist die Zukunft nicht da, und deshalb spricht Stadler über die Supersportwagen der Tochter Lamborghini ("Der Stier ist kräftiger denn je") und zeigt einen Sport-SUV mit dem Namen SQ7 TDI und 435 PS. Ein Video wird eingespielt; der Super-SUV im Beschleunigungstest gegen einen Kampfjet. Der SQ7 schlägt den Alpha Jet mit 0,4 Sekunden Vorsprung und die Audi-Leute sind stolz. Heute geht so was ja noch.

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