VW macht blendende Geschäfte, doch unter Aktionären grummelt es gewaltig. Porsche übernimmt das Sagen, Piëch bleibt der starke Mann, und in der Klimadebatte ist VW auf dem Rückzug, trotz umweltfreundlichster Motoren der Welt - Thorsten Denkler berichtet live.
12:25 Uhr Ziemlich viel Zeit nimmt sich Hans-Martin Buhlmann. Er ist Vertreter der Vereinigung institutioneller Privatanleger und traditionell besonders kritisch. Locker 20 Minuten liest er dem Vorstand und dem Aufsichtsrat die Leviten. Besonders schön findet Buhlmann, dass die Liquidität des Unternehmens gestiegen sei. Das sei wohl darauf zurückzuführen, dass der Konzern jetzt nicht mehr für "brasilianische Prostituierte" aufkommen müsse - womit er auf die Affäre um den ehemaligen Personalsvorstand Peter Hartz anspielt. Mit dem gesparten Geld seien jetzt die neuen Lkw gekauft worden - womit er auf die Erhöhung des Anteils von VW am Lastwagenbauer MAN anspielt. Da lacht der Saal. Ein Grinsen kann sich auch Finanzvorstand Pötsch nicht verkneifen.
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11:55 Uhr Weniger Freude bereitet Schlichting die Forderung von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, das Volkswagengesetz abzuschaffen. "Das befremdet uns doch sehr", sagt Schlichting. Er spricht den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff direkt an, der als Aufsichtsrat des Unternehmens rechts hinter Piëch und Winterkorn sitzt. Wullff solle am Gesetz festhalten. Schlichting macht ihm noch einen Vorschag. "Wäre es nicht möglich, sich im Aufsichtsrat für Belegschaftsaktien einzusetzen? Dann könnten wir eine Sperrminorität erreichen." Seine Forderung: "Aktien in Belegschaftshand." Das böte auch Schutz vor einer eventuellen feindlichen Übernahme.
11:50 Uhr Mit dem Kurs von VW sind die aktiven und ehemaligen Volkswagen-Mitarbeiter unter den Aktionären offenbar hochzufrieden. Kein Wunder: Die Verdoppelung des Aktienwertes innerhalb eines Jahres ist ein klares Signal. Auch der Einstieg von Porsche ist durchaus in ihrem Interesse. "Kein Spekulant, kein Hedgefonds. Es ist ein deutsches Unternehmen, dem Mitarbeiterschutz wichtig ist", sagt Friedrich Schlichting, der die Mitarbeiter-Aktionäre vertritt.
11:36 Uhr "Katastrophal" sei aus der Sicht von Ulrich Hocker auch die Art, wie der ehemalige Vorstandsvorsitzende Pischetsrieder entlassen wurde. Der hatte kurz vor seiner Demission noch einen neuen Fünfjahresvertrag unterschrieben. "Warum macht man das, wenn er sowieso gehen soll?" Schwierig findet der Aktionärsvertreter auch die Positionierung von Volkswagen in der Umweltdebatte. VW habe die sparsamsten und umweltfreundlichsten Benzin- und Dieselmotoren und den geringsten Flottenverbrauch der Welt. "Sie sind aber die Getriebenen. Das kann nicht sein! Sie müssen sich an die Spitze der Diskussion stellen", fordert Hocker.
11:30 Uhr Die Aktionäre sind dran. Es beginnt Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, DSW. Er holt mächtig aus und hält dem Aufsichtsrat direkt seine "anerkannt grottenschlechte Corporate Governance" vor. Die Performance des Konzerns sei gut. Aber: "Wie gut hätte sie sich entwickelt, wenn die Corporate Governance besser wäre?"
11:23 Uhr Ahh, jetzt geht es um die Umwelt. Die CO2-Debatte. Volkswagen hat sie auch verpennt, wie alle deutschen Hersteller. Das sagt Winterkorn aber nicht. Er sagt lieber, was Volkswagen so alles macht in Sachen Biokraftstoffe und Hybridantrieb. Während andere Hersteller längst Mittelklasse-Hybride auf dem Markt haben, hält es Winterkorn schon für einen Erfolg, wenn "schon Ende nächsten Jahres" ein halbwegs bezahlbares VW-Kompaktauto mit Hybridantrieb an den Start geht. Weil das nicht wirklich für VW spricht, schiebt Winterkorn noch schnell eine andere Zahl hinterher: Im neuen Geschäftsjahr soll der operative Gewinn auf 5,1 Milliarden Euro steigen. Damit lässt sich eine Rede gut beenden, was Winterkorn wenig später auch macht.
11:08 Uhr Volkswagen geht nach Indien. Ab 2009 soll in einem indischen VW-Werk einen neuer Kleinwagen für die Inder gebaut werden, sozusagen "maßgeschneidert" für die indischen Kunden. Eine eigenständige indische Vertriebsgesellschaft wird ebenfalls aufgebaut. Mal sehen, was das indische Klima zu den vielen neuen Volkswagen sagt. Wichtiger als die Größe des Wagens übrigens dürften an dem neuen Kleinwagen wohl die Stoßdämpfer werden.
10:59 Uhr Winterkorn gibt einen Ausblick auf das kommende Geschäftsjahr. Große Überraschung: Er will den Konzern "in eine höhere Umlaufbahn" katapultieren, und einen "strikten Fokus auf den Kunden legen". Das gefällt den Aktionären. Volkswagen sei einer der größten und erfolgreichsten Automobilhersteller der Welt mit einem "einzigartigen Trumpf: Mobilität in jeder Größenklasse, vom Kleinwagen bis zum schweren Lastwagen." Aber: Volkswagen soll mehr Glanz und mehr Profil bekommen.
10:41 Uhr Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch jongliert mit den Konzernzahlen. Dabei ist ein Detail besonders interessant: Das operative Ergebnis ist - von Sondereinflüssen befreit - von 2,5 auf zwei Milliarden Euro gesunken. Kenner wissen: Das ist ein Problem. Denn Sonderertäge sind eben nicht immer möglich.
10:28 Uhr Deutschland ist VW-Land: Jeder fünfte Neuwagen in Deutschland ist ein Auto aus dem Volkswagen-Konzern, sagt Winterkorn. Das entspricht in Deutschland einem Marktanteil von 19,9 Prozent. Überhaupt, die Wachstumsraten. Alle Marken, von VW über Skoda, Bentley, Audi und Seat - alle sind sie im vergangenen Jahr um zehn Prozent gewachsen. Lamborghini, der Luxussportwagen aus Italien, verzeichnete sogar ein Plus von 33 Prozent auf 2100 Fahrzeuge.
10:17 Uhr Winterkorn beginnt seine erste Rede vor der Hauptversammlung. Er redet von der Restrukturierung im vergangenen Jahr, vom Feuerwerk neuer Modelle, von Erfolgen. Mit 5,4 Millionen weltweit ausgelieferten Autos seien mehr Fahrzeuge verkauft worden, als jemals zuvor in der Geschichte von Volkswagen. Das operative Ergebnis sei auf 4,4 Milliarden Euro gestiegen. Volkswagen hält 9,7 Prozent des Weltmarktanteils. Winterkorn geht auch kurz auf die neue Aktionärsstruktur ein. Vor allem auf den neuen 30,93-Prozent-Anteil von Porsche. Winterkorn freut es. Kein Wunder. Er ist Piëchs Mann. Und Piëch ist ein Porsche-Mann.
10:00 Uhr Ferdinand Piëch eröffnet die Hauptversammlung im großen Saal des CCH, klärt technische Details und ein paar kleinere Personalveränderungen im Vorstand: "Am 17. November 2006 ernannten wir Martin Winterkorn zum Vorsitzenden des Vorstandes der Vokswagen AG." Dafür gibt es einen kurzen aber warmen Applaus für Winterkorn. Noch größer ist allerdings der Applaus, als der Aufsichtsratschef Winterkorns Vorgänger Bernd Pischetsrieder für dessen Arbeit dankt.
09:45 Uhr Willkommen zum Live-Ticker von der Hauptversammlung 2007 der Volkswagen AG. Wir befinden und im Congress Center Hamburg. Noch sind wir im Pressezentrum, aber gleich geht es hinauf in den Großen Saal. Heute ist der große Tag von Ferdinand Piëch. Er wird heute erneut zum Chef des Aufsichtsrates gewählt werden. Die Aktienmehrheit ist ihm sicher. Mit seiner Verwandtschaft zu den Porsches hat er nicht nur eine Hand auf dem Sportwagenhersteller. Über dessen Beteiligung an VW kommt bei Volkswagen an Piëch keiner mehr vorbei. Vor der Wahl aber dürfte er sich einige kritische Fragen von Aktionären gefallen lassen müssen. Der Aktienkurs des Unternehmens hat sich in den vergangnen zwölf Monaten zwar praktisch verdoppelt. Aber die Skandale um Peter Hartz, die schlechte Performance in Sachen Umwelttechnik und der Übernahmestreit um die LKW-Sparten Scania und MAN sind noch nicht vergessen.
das Thema Mobbing wurde nur am Rande erwähnt. Goggle macht da schon mehr Reklame.
Die Suchbegriffe "Volkswagen Personalabteilung" oder "Strafanzeige gegen Ferdinand" werden wohl noch lange gesicht werden!
http://blog.mobbing-gegner.de/index.php?/archives/232-Happy-Birthday-Ferdi!-Strafanzeige-gegen-Pich.html
Pötsch ist kein Schreibfehler, sondern eine andere Person :)
Es sollte für ein ernstzunehmendes Online-Organ möglich sein, den Nachnamen des VW-AR-Vorsitzenden richtig zu schreiben: Piëch.