Von Von Meite Thiede

Der weltumspannende Betriebsrat des Konzerns hat dem Management immer wieder große Zugeständnisse abgerungen

Im Mai 1999 besiegelten 27 führende Betriebsratsmitglieder des Volkswagen-Konzerns in Barcelona voller Hoffnung ein Bündnis: Sie gründeten den ersten Welt-Konzernbetriebsrat eines Automobilbauers und rangen dem Vorstand eine Art Bestandsgarantie für die deutschen Fabriken ab.

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Die Konzernleitung unterwarf sich in einer Vereinbarung dem Grundsatz, dass Massenentlassungen bei VW als "nicht hinnehmbar" zu gelten hätten.

Für die Belegschaft war dieser Vertrag ein Hauptgewinn: Schließlich war es absehbar gewesen, dass die westdeutschen Werke mit ihren hohen Lohnkosten im Zuge der Globalisierung über kurz oder lang den Kürzeren gezogen hätten. Der Konzern besaß inzwischen Werke, deren Arbeitskosten nur ein Zehntel dessen ausmachten, was in Wolfsburg oder Braunschweig anfiel.

Verlierer eines internen Wettbewerbs der Werke wären ohne Zweifel die westdeutschen Standorte gewesen. Die Erhebung des Mitarbeiter-Gremiums auf die internationale Ebene sollte also der Garant dafür sein, "dass Vorstand und Management die Arbeitnehmer nicht gegeneinander ausspielen können".

Die mächtigen Betriebsräte in Wolfsburg haben es schon immer verstanden, dem Vorstand Bestandsgarantien abzuluchsen. Als bei VW 1993 jeder dritte der rund 100 000 westdeutschen Arbeitsplätze zur Disposition stand, wurde ein "Beschäftigungssicherungsvertrag" geschlossen, dessen Kern die Vier-Tage-Woche war. Nur: Heute sind noch immer 100 000 Menschen an Bord, und wieder ist die Lage so schlecht, dass ein Drittel überflüssig ist.

VW beschäftigt 327.000 Menschen in 20 Ländern. In Wolfsburg mit rund 30 000 Beschäftigten gibt es 67 gewählte Betriebsräte, die wiederum Referenten beschäftigen, quasi Angestellte des Betriebsrats also. Jedes Werk ist so organisiert.

Der Gesamtbetriebsrat von VW für die deutschen Standorte hat 27 Mitglieder, der Konzernbetriebsrat mit den übrigen deutschen Gesellschaften, so zum Beispiel Audi, hat 23 Mitglieder, das europäische Gremium 25 Mitglieder.

Allerdings handelt es sich dabei zum Teil auch immer wieder um dieselben Personen. Der vergangene Woche zurückgetretene Klaus Volkert war in Personalunion Vorsitzender des deutschen sowie des Weltbetriebsrats; der Weltbetriebsrat traf sich allerdings nur einmal pro Jahr. Diese Funktion wäre also auf den ersten Blick kein Grund für aufwändige Auslandsreisen gewesen.

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(SZ vom 6.7.2005)