VW-Affäre VW-Dieselaffäre: Ganz oben

Nun gibt es Hinweise, dass die VW-Spitze schon früh über Ermittlungen wegen überhöhter Abgaswerte informiert gewesen sei. Das wirft neue Fragen auf - auch für die heute Verantwortlichen.

Kommentar von Thomas Fromm

In der Dieselaffäre klammert sich VW nicht ganz zufällig seit Monaten an dieses Erklärungsmuster: Die Abgas-Manipulationen seien das Werk einiger weniger Männer aus dem mittleren und unteren Management gewesen. Eines verschworenen Kreises von Technikern, der die Dinge am Top-Management vorbei unter sich ausmachte.

Die Verantwortung nach unten spielen, statt sie bei den obersten Konzernverantwortlichen zu suchen - es ist eine beliebte Strategie, wenn Konzerne wegen großer Verfehlungen in der Krise stecken. Glaubwürdig ist diese Theorie fast nie. Schon gar nicht in einem Konzern, der so zentralistisch geführt wurde wie VW.

Sollte Ex-VW-Chef Martin Winterkorn schon wesentlich früher als gedacht von einem Mitarbeiter über die Manipulationen in den USA informiert worden sein, wäre dies das Ende der kommoden Theorie vom kleinen Kreis der findigen Ingenieure. Dann wäre das Thema ganz oben im Konzern angekommen.

Ganz oben aber ist die Luft dünn: Wenn Winterkorn bereits im Mai 2014 von den Problemen mit erhöhten Stickstoffwerten gewusst hatte, wer wusste dann noch alles davon? Oder: Wer hätte alles davon wissen können?

Zu den engen Vertrauten Winterkorns aus jenen Tagen gehören Ex-VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch und der damalige Porsche-Boss Matthias Müller. Der eine ist heute VW-Chefkontrolleur, der andere Winterkorns Nachfolger.