Der zweite Zeuge an diesem Dienstag wirkt äußerst kontrolliert und sehr konzentriert. Ganze zwölf Minuten lang dauert der Auftritt des Audi-Chefs Rupert Stadler, der mit Münchner Rechtsbeistand und einem beachtlichen Tross kurz vor 13 Uhr in den Gerichtssaal einzieht.

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Der erst 44-jährige Diplom-Betriebswirt, der eigens von der Automobilmesse in Detroit angereist ist, war von 1997 bis 2002 als Leiter des Generalsekretariats von Piëch eine Schlüsselfigur im VW-Machtapparat. Er soll Auskunft geben, ob ihm Piëch in diesem Zeitraum den Auftrag erteilt hat, die Vorgänge auf der Kostenstelle "1860" näher zu untersuchen. Wenn Piëch Kenntnis über den Selbstbedienungsladen in seinem Haus gehabt hätte, wäre er ein großes Stück mitverantwortlich gewesen für das wilde Treiben bei VW.

Die Spur zu Piëch hatte ein Außenstehender gelegt. Ein NDR-Journalist, der bei den Braunschweiger Staatsanwälten als zuverlässig gilt, hatte in zwei Gesprächen mit dem Pressestaatsanwalt Klaus Ziehe vor zwei Monaten von einem Mister X berichtet, der von drei Zeugen wisse, die angeblich Piëch belasten könnten. Der Informant wolle anonym bleiben, sei aber angeblich sachkundig. "Kümmere mich mal drum", habe Piëch angeblich seinem Bürochef Stadler mit Blick auf das Konto "1860" gesagt.

Spekulationen und Vermutungen

Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft hatte am 23. November 2007 die Vernehmung von Stadler sowie zwei weiterer Zeugen beantragt. Der Beweisantrag hatte in den Medien Spekulationen ausgelöst, Piëch stehe unter Druck, werde stark belastet und es gab Vermutungen, die Staatsanwälte hätten Dokumente oder Aktennotizen in der Hinterhand. Doch sie haben nicht mehr als die Aussage eines Journalisten, dessen Namen nicht genannt wird. Das ist sehr dünn.

Stadler sagt wie aufgezogen: "Ich persönlich habe keinen solchen Auftrag bekommen." Auch sei ihm nicht bekannt, dass Dritte eine solche Order erhalten hätten. "Es lag nicht in meinem Verantwortungsbereich." Auf die Frage des Verteidigers Wolfgang Kubicki, was denn ein Markenvorstand bei Audi "in etwa" verdiene, befindet der Zeuge: "Das gehört nicht hierher. Das würde ich auch der Presse nicht sagen."

Spekulationen und Vermutungen

Nun ist es in deutschen Gerichtssälen unüblich, dass Zeugen ungerügt über die Sinnhaftigkeit von Fragen befinden, aber es gibt in diesem Verfahren viele Merkwürdigkeiten. Nach Stadlers Abgang ist klar, dass der Beweisantrag der Staatsanwaltschaft wie ein Soufflé zusammengefallen ist. Die Strafverfolger ziehen den Antrag zurück, den in Österreich lebenden dritten Zeugen, den sie benannt haben, noch nach Braunschweig zu bitten. "Das soll alles gewesen sein?", fragt Volkerts Anwalt Johann Schwenn etwas fassungslos.

Am Nachmittag ziehen sich die Prozessbeteiligten ohne die Angeklagten zu einer Beratung über den Stand des Verfahrens zurück. Einige der wesentlichen Vorwürfe der Anklage haben sich längst wie Zucker im Wasserglas aufgelöst.

Das Gericht wird am Mittwoch die Öffentlichkeit über das Ergebnis der Beratung informieren.

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(sueddeutsche.de/mah)