VW-Abgasskandal Warum Volkswagen auf einen früheren FBI-Chef hofft

Ex-FBI-Chef Louis Freeh soll VW in den USA unterstützen (Archivbild)

(Foto: REUTERS)
  • Im Skandal um manipulierte Abgaswerte sucht Volkswagen nun die Unterstützung von Ex-FBI-Chef Louis Freeh.
  • Freeh soll den Draht zu den wütenden US-Behörden halten. An diesem Dienstag soll das VW-Aufsichtsratspräsidium die Personalie besprechen.
Von Thomas Fromm und Klaus Ott, Wolfsburg

Der frühere Chef der US-Bundespolizei FBI, Louis Freeh, soll Volkswagen helfen, die Abgas-Affäre glimpflich zu überstehen. Der VW-Vorstand will ihn nach Informationen von SZ, NDR und WDR mit Billigung des Aufsichtsrats als Sonderbeauftragten einsetzen. Freeh soll insbesondere seine Kontakte in den USA nutzen. Dort drohen dem deutschen Autokonzern wegen jahrelang manipulierter Abgaswerte bei fast 600 000 Diesel-Fahrzeugen Strafen und Schadensersatzzahlungen in Milliardenhöhe.

Die Berufung des 66-Jährigen soll an diesem Dienstag in einem Sonderausschuss des Aufsichtsrats besprochen werden, der sich um die Aufklärung der Affäre bemüht. Das Gremium kommt am Konzernsitz in Wolfsburg zusammen, um sich über den Stand der Ermittlungen zu informieren. Freeh war intern bereits vor Wochen als möglicher VW-Botschafter in den USA ins Spiel gebracht worden. Nach der jüngsten Interview-Panne von Matthias Müller in Detroit, wo der Volkswagen-Chef die Dieselaffäre als "technisches Problem" verharmlost hatte, drängt die Zeit.

Im Konzern wächst die Angst, dass VW seine juristischen Probleme in den USA ohne einen allseits anerkannten Vermittler nicht mehr in den Griff bekommt. Die stark belasteten Beziehungen zu den dortigen Umweltbehörden sowie zu Regierung und Parlament in Washington könnten Volkswagen sehr viel Geld kosten. Der frühere FBI-Chef Freeh hat in den vergangenen Jahren bereits bei Daimler dazu beigetragen, Konflikte in den USA zu lösen. Freeh war von Daimler 2006 als Berater angeheuert worden, um eine Schmiergeldaffäre zu bewältigen.

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Der in Stuttgart ansässige Autokonzern hatte weltweit Regierungen und Geschäftspartner bestochen und gelangte so an lukrative Aufträge. Auch die US-Justiz ermittelte. Die dortigen Behörden und Daimler einigten sich schließlich; die Strafe fiel mit 185 Millionen Dollar milde aus. Im Gegenzug stimmte Daimler 2010 zu, Freeh als Kontrolleur einzusetzen, der die Korruptionsbekämpfung überwachte. Seine Mitstreiterin bei Daimler war die frühere Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt, die als Vorstand für Integrität und Recht für saubere Geschäfte sorgte.

Anfang 2016 wechselte Hohmann-Dennhardt in gleicher Funktion zu VW. Die frühere Richterin und SPD-Politikerin soll dort nun ebenfalls für Recht und Ordnung sorgen. Hohmann-Dennhardt gilt als treibende Kraft einer Berufung von Freeh. In VW-Kreisen heißt es, der Aufsichtsrat "steuert eine Lösung an", es seien aber noch einige Sachfragen zu lösen. Klar sei aber, dass Freeh anders als bei Daimler nicht als Kontrolleur, sondern als eine Art Botschafter eingesetzt werden solle.

In dieser Rolle bekäme es Freeh auch mit Robert S. Mueller zu tun, einem seiner Nachfolger als FBI-Chef. Die US-Justiz hat Mueller als Vermittler zwischen Schadensersatzklägern und VW eingesetzt. Im VW-Aufsichtsrat soll am Dienstag auch über die missglückte USA-Reise von Konzernchef Matthias Müller geredet werden. Müller hatte sich mit der Umweltbehörde EPA nicht über die Umrüstung der Diesel-Fahrzeuge einigen können.

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