Vorwürfe von Ex-Mitarbeitern Deutsche Bank soll Milliardenrisiken verschleiert haben

Die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Milliardenrisiken verschleiert?

(Foto: dpa)

Hat die Deutsche Bank während der Finanzkrise ihre Bilanz schöngerechnet? Und sich damit die Peinlichkeit erspart, vom Staat gerettet zu werden? Ex-Angestellte erheben in der "Financial Times" schwere Vorwürfe. Die Bank sagt, die Kritiker wüssten gar nicht, wovon sie reden.

Drei Ex-Banker erheben schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bank. Sie soll während der Finanzkrise zwischen 2007 und 2009 in ihren Bilanzen getrickst und ihre Situation schöngerechnet haben. Mehr als zwölf Milliarden Euro an Buchverlusten soll das Geldhaus nicht korrekt ausgewiesen und damit verhindert haben, dass der Staat sie retten musste.

Wie die Financial Times berichtet, haben die drei ehemaligen Angestellten das größte deutsche Geldhaus bei der US-Börsenaufsicht SEC angezeigt. Diese ermittle schon seit 2010. Es geht dem Bericht zufolge um "gigantische Positionen" bei Derivatgeschäften, die mit Wissen hochrangiger Manager falsch bewertet worden seien. Hätte die Bank die insgesamt 130 Milliarden Dollar schweren Positionen korrekt abgerechnet, hätte ihre Kapitalreserve gefährlich zusammenschrumpfen können, berichtet die FT.

Sollten die Vorwürfe wahr sein, könnten sie die Show des damaligen Bankchefs Josef Ackermann als bloße Kraftmeierei entlarven, mit der er 2009 das Vertrauen von Investoren in sein Institut erhielt.

Damals, mitten in den Erschütterungen der Finanzkrise, hatte die Deutsche Bank erstaunlich gute Ergebnisse verbucht. Ackermann hatte wegen der guten Zahlen öffentlichkeitswirksam Staatshilfen zurückweisen können, die außer der Deutschen Bank fast jede internationale Bank in Anspruch nahm. Anleger dankten es ihm: Der Verweis auf die finanzielle Unabhängigkeit vom Staat trotz Krise war ein Grund, dass der Aktienkurs der Deutschen Bank sich Anfang 2009 so schnell wieder vom Kriseneinbruch erholte.

Die Deutsche Bank wies die Vorwürfe umgehend zurück. Die Anschuldigungen seien mehr als zweieinhalb Jahre alt und "völlig unbegründet", erklärte eine Bank-Sprecherin. Die Angelegenheit sei im Juni 2011 öffentlich berichtet und umfassend untersucht worden. Alle Bewertungen und Finanzberichte seien korrekt gewesen. Die ehemaligen Mitarbeiter seien mit den betroffenen Transaktionen gar nicht vertraut. Mit der Börsenaufsicht werde die Bank auch weiterhin zusammenarbeiten.

Entscheidung "an der Spitze der Pyramide"

Es geht, wie so oft bei der Aufarbeitung der Finanzkrise, um komplexe Finanzderivate. In diesem Fall um ein 130-Milliarden-Dollar-Portfolio an verbrieften Schulden namens "leveraged super senior". Der Ausdruck "super senior" soll im Händlersprech eigentlich für besonders sichere Tranchen von Derivaten stehen. Eigentlich. Aber als diese Papiere an Wert verloren, soll die Bank sie nicht "marktnah" berechnet haben. Sie sollen angeblich in der Bilanz zu hoch ausgewiesen worden sein. Damit soll die Bank verschleiert haben, wie sie wirklich in diesem Moment dastand.

Einer der Risikomanager soll immer wieder intern nachgefragt haben, wie denn dieses Portfolio abgesichert sei - ohne Antwort zu bekommen. Laut FT sei ihm von seinen Vorgesetzten in London gesagt worden, die Entscheidung sei "an der Spitze der Pyramide" gefallen. Wenige Tage nachdem er 2011 die Börsenaufsicht über die Risiken informiert hatte, wurde er gefeuert. Er sagt: Das sei die Rache der Deutschen Bank. Auch ein zweiter Whistleblower soll seinen Job der FT zufolge verloren haben.

Bisher weitgehend unbekannt war außerdem, dass die Holding Berkshire Hathaway des US-Milliardärs Warren Buffett in der Finanzkrise nicht nur den schwächelnden Instituten Goldman Sachs und Bank of America mit Finanzspritzen zu Hilfe kam, sondern auch - auf etwas andere Weise - der Deutschen Bank behilflich gewesen sein soll. Buffetts Versicherung deckte mögliche Verluste von Ackermanns Bank dem Bericht zufolge bis zu einer Summe von drei Milliarden Dollar ab. Die Deutsche Bank gab dennoch an, für Zehntausende Milliarden versichert zu sein. Auf diese Weise soll sie ihre Situation wiederum als stabiler dargestellt haben als sie tatsächlich war.