Monatelang hat Verdi Mitarbeiter der Discountkette befragt und Fakten gesammelt. Jetzt stellt die Dienstleistungsgewerkschaft ihr "Lidl-Schwarzbuch" vor: Die Anschuldigungen sind erschreckend.
Verdi hat der Discount-Kette Lidl "Verstöße gegen die Menschenwürde" vorgeworfen.
Was steckt hinter den schweren Vorwürfen der Gewerkschaft gegenüber Lidl? (© Foto: AP)
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Die Liste der Vorwürfe im "Schwarzbuch" der Dienstleistungsgesellschaft ist erschreckend: Anhand von Befragungen bei Lidl-Mitarbeitern wirft Verdi dem Einzelhandelskonzern unter anderem die Verletzung von Arbeitnehmerrechten, Video-Überwachung der Mitarbeiter und die Ableistung unbezahlter Überstunden vor.
Schon ein Gang zur Toilette sei für viele Kassiererinnen Luxus.
"Lidl ist billig auf Kosten der Beschäftigten", kritisierte der stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft ver.di in Baden-Württemberg, Werner Wild. Es herrsche ein System der Angst.
"Der wirtschaftliche Erfolg geht einher mit miesen Arbeitsbedingungen", sagte Franziska Wiethold vom Verdi-Bundesvorstand der Financial Times Deutschland. Missliebigen Mitarbeitern würden mit Testkäufen Fallen gestellt, um sie loszuwerden.
Falls sie nicht hineintappten, werde den Mitarbeitern auch Diebstahl unterstellt. Die Geschäftsleitung der Schwarz-Gruppe sprach gegenüber der Zeitung von einer Diffamierungskampagne.
Der Lidl-Konzern mit Sitz im schwäbischen Neckarsulm sieht in dem "Schwarzbuch" eine Diffamierungskampagne von Verdi. Seit Monaten rufe die Gewerkschaft im Internet zu einer "anonymen Denunzierung" auf, hieß es in einer Erklärung.
Lidl habe in den letzten drei Jahren 45.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen - davon allein 20.000 in Deutschland - "so viel wie kein anderes Unternehmen". Verstöße seien "immer Einzelfälle und die Folge des schnellen Wachstums" und würden sofort nach Bekanntwerden abgestellt.
Die Beschäftigten würden bespitzelt und kontrolliert, sie müssten vor Ladenöffnung und nach Ladenschluss unbezahlte Mehrarbeit leisten und seien einem gnadenlosen Druck ausgesetzt, heißt es laut einem Bericht der Financial Times Deutschland im "Schwarzbuch Lidl" der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.
(sueddeutsche.de/dpa)
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