Vorwürfe gegen Geflügelfirma Wiesenhof Qualen auf dem Hühnerhof

Der größte deutsche Geflügelkonzern Wiesenhof steht wegen extremer Tierquälerei in der Kritik. Die TV-Schockbilder sollten dafür Beweis genug sein, doch die Chefs vom Hühnerhof sehen sich nicht in der Verantwortung - von den Zuständen bei den Zulieferern habe man nichts gewusst. Die Tierrechtsorganisation Peta ist empört.

Von Jennifer Lange

Die Bilder vom Hühnerhof waren ein Schock. Zur besten Sendezeit, 21.45 Uhr, lief am Mittwoch in der ARD eine Reportage über Deutschlands größten Geflügelproduzenten "Wiesenhof", über seine Methoden, das Grauen in den Schlachtfabriken und den Unternehmer Paul-Heinz Wesjohann. Es war ein Film zum Abschalten. Gezeigt wurde die systematische, ja brutale Tötung Hunderter Tiere. Hühner liegen da leblos auf dem Boden, andere werden von Mitarbeitern getreten und in Kisten geschleudert.

Vergeblich hatte der "Wiesenhof"-Mutterkonzern, die PHW-Gruppe aus Visbeck in Niedersachsen, versucht, den Beitrag zu verhindern. Ausgewogenheit, Wahrheit, Sachlichkeit und gewissenhafte Recherche sah der Hähnchen-Konzern verletzt und regte zwecks Untersagung eine außerordentliche Sitzung des Rundfunkrats des Senders SWR an, der "das System Wiesenhof" zeigte. Ein Sprecher des SWR wies die Vorwürfe zurück.

Nun, nach der Ausstrahlung, kämpft die schon oft kritisierte Geflügelfirma erneut um den Ruf. Hunderttausende Verbraucher, die den Film sahen, sorgen sich um ihren Geflügelkonsum. Seit der Ausstrahlung gingen über tausend Mails bei "Wiesenhof" ein. Es gibt Klage und Gegenklage rund um die Tierrechtsorganisation Peta sowie neue Korrekturen im eigenen Liefersystem des PHW-Konzerns.

Noch in der Nacht auf Donnerstag fiel die erste Entscheidung. In der Firmenzentrale in Visbeck hatten sich Geschäftsleitung, Justiziar, Tierärzte und Marketingabteilung vor dem Fernseher versammelt. "Die Bilder, die wir gesehen haben, sind absolut inakzeptabel und verstoßen gegen das Tierschutzgesetz", erklärt ein "Wiesenhof"-Sprecher.

Er betont, die Bilder kommen aus den Ställen einer externen Firma im Raum Cloppenburg. Die Verantwortlichen dort sollten sofort entlassen werden. Im Film wurden sie beim Verladen von schlachtreifen Puten in Transportkästen ("Ausstallung") gezeigt. Das war das Neue an der Sache, viele Bilder stammten aus dem Jahr 2009.

Der Tierschutzorganisation Peta reichen die Aktionen aus Visbeck nicht. Sie hat am Mittwoch bei der Generalstaatsanwaltschaft Oldenburg Strafanzeige gegen mehrere Verantwortliche von "Wiesenhof" gestellt. Es gebe Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. "Wir befürchten, dass wieder nichts passiert. Alle wissen von den Praktiken dieser Fleisch-Mafia, aber keiner tut etwas", sagt Peta-Aktivist Edmund Haferbeck: "Was hier geschieht, ist völlig normal in der Geflügelproduktion. Die Veterinärämter sind wertlos. Sie können neben der schlimmsten Tierquälerei stehen und stellen dennoch ihren Persilschein aus."

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