Von Guido Bohsem, Nico Fried und Stefan Braun

Scholz sagt "nie": Der Bundesarbeitsminister plant Gesetz, mit dem auch in Krisenzeiten eine stabile Altersversorgung garantiert wird.

Die Bundesregierung schließt trotz der Wirtschaftskrise Senkungen der Renten im Jahr 2010 aus. Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) sagte in Berlin: "Die Renten werden im nächsten Jahr nicht gekürzt." Der SPD-Politiker will zudem ein Gesetz verabschieden, das Kürzungen der Altersbezüge für alle Zeiten - also auch in künftigen Krisen - unmöglich macht.

Rente, AP

Arbeitsminister Olaf Scholz: "Die Renten werden im nächsten Jahr nicht gekürzt." (© Foto: AP)

Anzeige

Dem Vernehmen nach war Kanzlerin Angela Merkel (CDU) von Scholz über seinen Vorstoß informiert worden, mit dem der Minister auf Berichte reagiert, wonach die Renten 2010 wegen sinkender Durchschnittslöhne erstmals niedriger ausfallen könnten.

Nach Einschätzung der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute wäre im kommenden Jahr in Deutschland eine Rentenkürzung notwendig. Die Wissenschaftler rechnen damit, dass die durchschnittliche Bruttolohnsumme 2009 um 2,3 Prozent sinken wird.

"Tatarenmeldung"

An dieser Kennziffer orientiert sich die Entwicklung der Renten. Scholz sprach von einer "Tatarenmeldung". Nach seiner Darstellung weisen die Berechnungen der Regierung sogar auf ein leichtes Plus bei den Renten für 2010 hin. Dass er dennoch eine gesetzliche Neuregelung anstrebt, begründete Scholz mit dem Anspruch der Rentner auf Verlässlichkeit.

Die Koalitionsparteien bemühten sich am Montag ebenfalls darum, keine Zweifel an der Höhe der Renten aufkommen zu lassen. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte nach einer Präsidiumssitzung seiner Partei, die CDU wolle im Jahr 2010 keine Rentenkürzungen.

Pofalla mochte zwar nicht garantieren, dass ein Minus bei den Renten auf alle Fälle verhindert werde, er ließ aber keinen Zweifel daran, dass die CDU entschlossen sei, eine Kürzung nicht zuzulassen. In den Gremiensitzungen hatte die CDU-Spitze bis hin zu Parteichefin Merkel nach Berichten von Teilnehmern den Eindruck vermittelt, dass sie alles tun werde, um sinkende Renten zu verhindern.

Im Unionsteil der Regierung vertrat man die Überzeugung, dass das Thema im Wahlkampf nicht kontrovers diskutiert werden dürfe. Deshalb werde man sich zwischen Union und SPD in dieser Frage auf eine gemeinsame Linie verständigen, hieß es in Koalitionskreisen. Auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte, seine Partei gehe davon aus, "dass es keine Rentenkürzungen geben wird".

Unsichere Kennzahl

Der deutliche Rückgang der Durchschnittslöhne entsteht vor allem durch das von der Regierung im Kampf gegen die Wirtschaftskrise eingesetzte Kurzarbeitergeld. Nach Einschätzung der Wirtschaftsforschungsinstitute werden rund 1,3 Millionen Beschäftigte diese Regelung in Anspruch nehmen. Sie erhalten in dieser Zeit deutlich weniger Gehalt.

Dadurch sinken die durchschnittlich pro Kopf gezahlten Löhne und Gehälter. Würden die Beschäftigten entlassen, entstünde dieser Effekt nicht, weil sich die Zahl der Lohnempfänger entsprechend verringern würde. Neben der Rente hängt auch der Regelsatz für Langzeitarbeitslose von der Lohnentwicklung ab - sinken die Renten, sinken auch die Hartz-IV-Sätze.

Eine endgültige Entscheidung über die Veränderung der Renten fällt die Regierung im März des jeweiligen Jahres. Bis dahin liegen vom Statistischen Bundesamt verlässliche Zahlen über die Entwicklung der Löhne vor. In der Vergangenheit ist es wiederholt vorgekommen, dass die Lohnentwicklung auch noch Ende des Jahres falsch eingeschätzt wurde.

Leser empfehlen 

(SZ vom 28.04.2009/hgn)