Die geteilte Republik: Eine Studie kartiert erstmals regionale Unterschiede bei der Altersvorsorge. Vor allem Ostdeutschland ist im roten Bereich.
Sind 1038 Euro monatlich genug? So hoch liegt im Raum Stuttgart die durchschnittliche gesetzliche Rentenzahlung für die ausscheidenden Erwerbstätigen. In Chemnitz liegt der Betrag rund 200 Euro niedriger.
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So viel bekommen die Rentner in Deutschland: Durchschnittlicher Anspruch aus der gesetzlichen Rentenversicherung in Euro nach Regionen. (© Foto: AP, Grafik: SZ)
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Reichskanzler Otto von Bismarck war es, der 1889 das Prinzip der Lebensstandardsicherung in das deutsche Rentengesetz schrieb - doch schon lange weiß man, dass es der Staat nicht mehr richten kann.
"Die gesetzliche Rentenversicherung alleine reicht für den Großteil der Bundesbürger nicht aus, um den Lebensstandard im Alter zu halten", sagt Bernd Raffelhüschen, Professor am Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg.
120 Karten für 47 Regionen
Im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment hat der Experte mit seinem Team einen detaillierten Vorsorgeatlas für Deutschland berechnet. Auf knapp 120 Karten wird die Vorsorgesituation der Deutschen über alle Versorgungswege hinweg in 47 Regionen Deutschlands unterteilt und nach Geschlecht, Einkommen und Alter umfassend dargestellt (www.altersvorsorge.de).
Der Wissenschaftler definiert eine ausreichende Rente mit 60 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Dieser Wert lässt sich meist nur durch die Kombination aus gesetzlicher Rente und privater Vorsorge wie dem Riester-Sparen erzielen. "Aktuell können 56 Prozent der erwerbstätigen Deutschen mit einer zusätzlichen privaten Vorsorge mindestens 60 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens ersetzen", sagt Raffelhüschen.
Überraschend wirkt, dass die Riester-Rente in den alten Bundesländern deutlich seltener abgeschlossen wird als im Osten. Raffelhüschen erklärt dies mit der starken betrieblichen Altersvorsorge, vor allem in den industriell starken Südländern.
Hohe Geldvermögen im Süden
In Baden-Württemberg etwa ergibt sich durchschnittlich eine monatliche Betriebsrentenzahlung von über 921 Euro je Erwerbstätigem, während die Summe im Osten Deutschlands unter 678 Euro liegt.
Dazu kommt, dass Einwohner in Baden-Württemberg und Bayern über hohe Geldvermögen und Immobilienbesitz verfügen, der eine zusätzliche Riester-Rente überflüssig macht.
Die Ersatzquoten der gesetzlichen Rentenversicherung liegen in den südlichen Regionen deutlich niedriger als im Osten. Eine Ersatzquote von 30 Prozent bedeutet, dass die gesetzliche Rente 30 Prozent des letzten Bruttoeinkommens abdeckt, das neben dem Arbeitseinkommen auch Grundbesitz, Fonds und Geldvermögen umfasst.
Die niedrigen Ersatzquoten sind somit Ausdruck des Wohlstands im Süden Deutschlands, wo viele Einkommen weit über der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung liegen.
In die gesetzliche Rentenversicherung bezahlen rund 37,5 Millionen Bürger regelmäßig Beiträge ein, in der privaten Zusatzversorgung mit Riester-Rente, betrieblicher Altersversorgung und Zusatzversorgung öffentlicher Dienst sind rund 27,4 Millionen Erwerbstätige investiert.
"Junge Beitragszahler können in der gesetzlichen Rentenversicherung keine Rendite mehr erwarten", sagt Raffelhüschen und empfiehlt daher eine private Zusatzrente.
Vielen Frauen droht Altersarmut
Als ausreichend versorgt beschreibt der Freiburger Rentenexperte die deutschen Beamten, die im Schnitt über 60 Prozent des letzten Bruttoeinkommens als Pension erhielten. Das Durchschnittsrentenniveau für Geringverdiener mit einem Einkommen von unter 900 Euro netto liege hingegen nur bei 506 Euro.
Vielen Frauen drohe die Altersarmut, weil ihre monatlichen Rentenansprüche mit 731 Euro nur knapp über dem Grundsicherungsniveau liegen, so die Studie. Die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen in Deutschland haben Ansprüche von unter 683 Euro pro Monat, wobei aber die mittelbaren Ansprüche, etwa wenn der Ehegatte stirbt, dabei nicht berücksichtigt wurden.
Der Vorsorgeatlas gilt als bislang einzigartig. Zahlreiche Datenquellen wie der Mikrozensus oder Stichproben der deutschen Rentenversicherung mussten harmoniert und zusammengefügt werden. Für die Fondsindustrie ist der Atlas eine gute Arbeitsgrundlage für künftige Vertriebsaktivitäten.
(SZ vom 06.08.2009/pak)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
Vielleicht sollte man sich im Gegenzug auch mal das hier durchlesen... Vor allem die Einbeziehung der Union Investment zeigt doch mal wieder: Traue keiner Statistik/Studie die du nich selbst gefälscht oder in Auftrag gegeben hast:
http://www.deutsche-rentenversicherung-bund.de/nn_20278/DRVB/de/Inhalt/Presse/Pressemitteilung/2009__8__6__studie__raffelh__altersarmut.html
ist nicht die Ost-West-Verteilung (es hätte mich verwundert und erschreckt wenn es anders gewesen wäre), sondern die tatsächliche Höhe der Renten. Ich finde ca. 1000 nicht wahnsinnig viel Geld, aber bei uns wird ja immer von den reichen Rentner gesprochen. Wenn ich in München mit 1000 auskommen muss, wird das nicht gerade leicht. Von den 1000 Mücken muß ja auch noch die Krankenversicherung bezahlt werden, wenn dann mal eine Sonderausgabe fällig wird, dann wirds schon ziemlich knapp mit der Kohle. Man vergisst dabei häufig, dass diese Generation meist ihr leben lang in die RV einbezahlt hat.
Wie hier bereits angemerkt wurde, ist die Kaufkraft von 800 Euro im Osten der Republik (außerhalb der Metropolen Leipzig, Dresden, Berlin) erheblich höher als die Kaufkraft von 1000 Euro in BaWü oder NRW. Die Frauenerwerbsquote im Osten lag zudem in der Vergangenheit deutlich höher lag, weshalb andere Studien zeigen, dass die Renten im Osten der Republik bisher im Durchschnitt entsprechend höher ausfallen. Soviel zur Gerechtigkeit.
Außerdem muss man fragen dürfen, wofür die Transfers (insb. Rente) in den Osten gezahlt werden. Die neue Bevölkerung hatte nicht ihr ganzes Erwerbsleben in die Rentenkasse eingezahlt und große Substanz (kaputte Infrastruktur, veraltete Industrieanlagen) wurde ebenfalls nicht eingebracht.
Wenn man das Analyseinstrumentarium richtig nutzte (B. Raffelhüschen arbeitet für die Versicherungswirtschaft, deshalb stand das hier präsentierte Ergebnis bereits vorher fest), ließen sich bestimmt ein paar wirklich interessante Aussagen ableiten.
Wann wird die Steuer eigentlich nach Kaufkraft einer Lohn oder Rentenzahlung berechnet? Zum Beispiel ist ein Oberstudienrat in den Randgebieten Niedersachsen und Schleswig-Holsteins bestens versorgt, in München kann ein Oberstudienrat allein (trotz leichten Unterschieden in der Besoldung) keine Familie durchbringen.
Doch solch komplexe Themen packen die Parteien lieber nicht an.
"Und wie man sieht, ist private Vorsorge keine wirkliche Alternative: Im Falle von Fehlspekulation oder längerer Arbeitslosigkeit sind Ersparnisse und oft auch das Häuschen futsch. "
Das ist zumindest in Bezug auf Hartz IV falsch. Es gibt einen Freibetrag von über 18000 , der nur für Altersvorsorge vorgesehen ist. Diesen kann man mit Riesterrenten, LVs mit Vermögensausschluss, usw. nutzen. Macht aber niemand, weil alle Angst davor haben, vor 65 nicht mehr an Ihr Erspartes zu gelangen.
Mit 18.000 Freibetrag + 150 pro Lebensjahr ausschließlich Auto, selbstbewohnte Wohnung, usw. kann ausreichend Altersvorsorge aufbewahrt werden. Kritisch wird es bei Arbeitslosigkeit, die sagen wir, länger als 5-10 Jahre dauert. Aber mit solchen Verlusten in der gesetzlichen RV ist dann Grundsicherung angesagt, die dann dazu zwingt, jegliches Vermögen über 2000 aufzubrauchen. Wofür? Für die Alterssicherung. Es dient dann eben genau dem Zweck, zu dem es gedacht war und spart dem Staat Geld.
Das schreiben andere. Dann ist es ja gut, dass diese Zeitung vor 2 Tagen kommentierte, die Rentner werden ordentlich Steuern zahlen müssen und das ist auch gut so. War nicht vonmir, sondern von ihrer Süddeutschen.
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