Von Thomas Öchsner

Alles für die Konjunktur: Die vier Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft haben ein gemeinsames Ziel - sie wollen kleine Einkommen entlasten.

Vor dem Gespräch der Koalitionsspitze über ein neues Konjunkturpaket haben die vier Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft die Bundesregierung aufgefordert, die Sozialabgaben und Steuern drastisch zu senken. "Ein zweites Maßnahmenpaket sollte strukturelle Reformen enthalten, die sowohl kurzfristig als auch langfristig Wachstumsimpulse entfalten", heißt es in der gemeinsamen Erklärung, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Die vier Spitzenverbände sind der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Im Einzelnen schlagen sie unter anderem vor:

Spitzenverbände der Wirtschaft fordern Entlastung

Vertreter der Wirtschafts-Spitzenverbände pochen auf eine Entlastung der Bürger. (© Foto: dpa)

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Kleine und mittlere Einkommen entlasten: Die Spitzenverbände empfehlen, die Steuerzahler kurzfristig um etwa zwölf Milliarden Euro zu entlasten. Konkret geht es ihnen dabei um die sogenannte kalte Progression: In der Regel steigen die Löhne und Gehälter jährlich an, schon um einen Ausgleich für Preissteigerungen zu schaffen. Da aber der Staat die Einkommensteuersätze nicht der Inflationsrate anpasst, zahlen Bürger immer mehr Steuern. "Es ist daher dringend an der Zeit, den Bürgern das Geld dieser heimlichen Steuererhöhung zurückzugeben", heißt es in der Erklärung.

Sozialabgaben senken: Die Spitzenverbände fordern, den Beitrag für die Rentenversicherung von 19,9 auf 19,6 Prozent zu senken. Dies sei möglich, wenn die Geldreserve der Rentenversicherung, die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage, nicht weiter aufgefüllt werde. Außerdem wird in der Erklärung verlangt, den Beitrag für die Arbeitslosenversicherung auf unter 2,5 Prozent zu reduzieren.

Kurzarbeit erleichtern: Die Sozialversicherungsbeiträge, die bei Zahlung von Kurzarbeitergeld bislang allein vom Arbeitgeber zu tragen sind, müsse die Bundesregierung deutlich reduzieren. Stattdessen soll der Steuerzahler künftig den Arbeitnehmerbeitrag finanzieren.

Mehr Geld in Bildung und Infrastruktur investieren: Die Spitzenverbände empfehlen, geplante Investitionen vorzuziehen, die Mittel für Straße und Schiene nochmals deutlich zu erhöhen und den Ausbau von Kinderkrippen und Kindergärten schneller voranzutreiben.

Unternehmensbesteuerung nachbessern: Regelungen, mit der die Substanz der Unternehmen besteuert wird, seien zu entschärfen. Konkret werden in der Erklärung unter anderem die Beschränkungen in der Verlustverrechnung genannt.

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(SZ vom 02.01.2009/mel)