Von Ebay reich gemacht Millionär mit Gespür für die Marktlücke

Alexander Samwer hat mit seinen Brüdern die Internetunternehmen Alando und Jamba aufgebaut - jetzt finanziert er neue Ideen.

Von Nina von Hardenberg

Manche warten ihr Leben lang auf den großen Coup. Bei Alexander Samwer dauerte es genau drei Monate. Er war 28 Jahre alt, hatte sein Studium gerade abgeschlossen und träumte davon, mit seinen Brüdern ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen, als der Traum plötzlich Wirklichkeit wurde und er über Nacht zu einem reichen Mann.

An der Erfolgsgeschichte der Samwer-Brüder haben sich viele gewärmt, denen das Internet weniger Glück brachte. Auch in der jetzigen, zweiten Boomphase des Web 2.0 wird sie noch gerne erzählt: Die drei Geschwister Alexander, Oliver und Marc Samwer, damals 28, 30 und 32, gründen nach einer Amerikareise das deutsche Internetauktionshaus Alando.

Mythos als Kapital

Drei Monate später ist ihr Onlineflohmarkt eine der meistbesuchten Auktionsseiten im Internet. Und ihr amerikanisches Vorbild, die Firma Ebay, macht ihnen ein Kaufangebot. Sie schlagen zu, für 43 Millionen Dollar.

Ein Samwer weiß, wie man im Internet zum Millionär wird. Dieser Mythos eilt den Brüdern seither voraus. Alexander Samwer hat darum auf vielen Tagungen sprechen müssen, auch wenn die Rolle des Volkshelden dem bescheiden auftretenden Mann gar nicht auf den Leib geschnitten zu sein scheint.

Doch die Brüder pflegen den Mythos. Er ist vielleicht ihr größtes Kapital. Als sie ihr zweites Unternehmen, den Klingeltonanbieter Jamba, im August 2000 gründeten, war es schon schwer, Kredite zu bekommen. Den Samwer-Brüdern aber lieh man trotzdem Geld.

Zu Recht, denn die Drei waren auch mit ihrem nächsten Unternehmen sehr erfolgreich. Allerdings war dieser zweite Sieg ungleich härter erkämpft als der erste, erinnert sich Alexander Samwer bei einem Gespräch in einem Café in der Münchner Innenstadt. Der 32-Jährige trägt einen braunen Pulli mit Reißverschluss. Krawatten sind offenbar auch in der zweiten Gründerwelle des Internets nicht angesagt. Das sei nicht der einzige Vorteil der Branche, meint Samwer. Der Mann schwärmt über das Internet, das er wiederentdeckt hat, wie ein reumütiger Liebhaber über seine erste große Liebe. "Wir mussten erst unseren Glauben wiederfinden", gesteht er. Wer heute wage, sich selbständig zu machen, habe bessere Voraussetzungen denn je. Die Gründer seien erfahrener. Und die Technik biete Möglichkeiten, die sich auch ein Samwer vor sieben Jahren noch nicht vorstellen konnte. In der Krise wandten sie sich vom Internet ab. Millionengewinn hin oder her. "Wir dachten, mit dem Onlinebuchhandel Amazon und dem Auktionshaus Ebay waren die großen Ideen weg." Eine andere Branche schien ihnen erfolgversprechender: Der Handy-Markt.

Sie haben auch in dieser Sparte brilliert. Der Klingeltonanbieter Jamba, den sie - diesmal inspiriert von asiatischen Vorbildern - hochzogen, wurde 2004 von der US-Firma Verisign aufgekauft. Zu der Zeit arbeiten 360 Mitarbeiter für die Berliner Firma. Verisign zahlte etwa 273 Millionen Dollar, von denen allerdings, wie auch schon bei dem Alando-Verkauf, der Großteil nicht an die Samwer-Brüder, sondern an Beteiligungsfirmen ging.

Doch Alexander Samwer erinnert sich gut an die Durststrecken, die dem Verkauf vorausgingen: "Die ersten zwei Jahre waren sehr hart", sagt er. Ursprünglich wollten die Brüder neben den Klingeltönen auch Musikstücke zum Download anbieten. Doch hatten sie dabei auf eine schnellere technische Entwicklung gesetzt.

Dass das Geschäft mit den Melodien trotzdem so florierte, war teuer erkauft. Jamba schaltete zeitweilig täglich über drei Stunden Werbung auf Musikkanälen. Die quietschenden Küken im Fernsehen nervten nicht nur manchen Musikliebhaber, sie brachten auch Eltern und Verbraucherschützer gegen die Berliner Firma auf. Den Kindern sei oft nicht klar, dass Jamba ihnen nicht einen einzelnen Klingelton, sondern ein Klingelton-Abo verkaufte, so die Kritik.

Dass er sich nicht mehr mit handysüchtigen Kindern auseinandersetzen muss, scheint Alexander Samwer zu erleichtern. Nach dem Jamba-Verkauf ging der jüngste der Brüder erst mal nach Harvard und machte einen MBA. Lange hat er es ohne seine Brüder aber nicht ausgehalten. Als sich eine Erholung des Internets abzeichnete, kam er zurück, um mit den Geschwistern eine neue Geschäftsidee zu entwickeln.

Die Bruderliebe dürfte Teil des Erfolgsgeheimnisses der Samwers sein. Alexander spricht über Marc und Oliver wie andere über ihre Freundin: "Das ist ein Dauermodell", sagt er. "Es basiert auf Spaß und totalem Vertrauen."

Die Samwers sind keine Visionäre. Sie haben den zweiten Boom des Internets nicht vorausgesehen. Wohl aber verstanden sie es, den Aufschwung für sich zu nutzen. Die Brüder gründeten eine Beteiligungsgesellschaft, den European Founders Fund (EFF), mit dem sie Gründer in der Frühphase mit Kapital und Beratung unterstützen (Kasten unten).

Ihr Ruf dürfte Deutschlands bekanntesten Jungunternehmern auch dabei wieder geholfen haben. Denn der Einstieg der Brüder ist für die Unternehmen eine wichtige Werbung, wie etwa für den Onlinespiele-Anbieter Bigpoint. "Die Beteiligung der Samwer-Brüder an Bigpoint hat sich sehr positiv ausgewirkt", erzählt etwa Stefan Lemper von dem Investor Aurelia, der bereits vor EFF bei Bigpoint eingestiegen war.

Die Brüder hätten ein gutes Gespür für Marktlücken, und sie seien gut vernetzt. Zwischen 100 000 und drei Millionen Euro investieren die Samwers. Dabei handele es sich um ihr eigenes Kapital, sagt Samwer. Aus Branchenkreisen verlautet dagegen, dass auch Privatinvestoren den Brüdern im vergangenen Jahr Geld zur Verfügung stellen wollten dass es dann aber zu Schwierigkeiten bei der Vertragsgestaltung kam.

Realistische Gründer

Bei der Auswahl der Unternehmen versuchen die Brüder, unbürokratisch zu sein. "Wenn uns die Gründer und ihr Produkt überzeugen, halten wir keine langen Aufsichtsratssitzungen", sagt er. Und sie gefallen ihm, die neuen Gründer. Sie sind realistischer als die Unternehmer des ersten Internetbooms. Viele von ihnen waren bereits als Praktikanten oder Gründer in der ersten Welle dabei und kennen die Branche von Anfang an, mit ihren Höhen und Tiefen.

Doch es gibt auch die Küken, die Uniabgänger. Erfolgshungrig und risikobereit sind die und erinnern Alexander Samwer an sich selbst. Fast scheint er ein bisschen neidisch auf die Jüngeren, die das Web 2.0 prägen werden. Er ist erst 32 Jahre, doch in dieser Branche ist Alexander Samwer ein Veteran.

Er ist die Legende, die sich die Jungen erzählen, während sie in ihren zugigen Berliner Altbauwohnungen auf den großen Coup warten. Ob es ihn nicht doch juckt, noch ein Mal ein Gründer zu sein? "Im Moment ist meine Aufgabe für mich sehr reizvoll", sagt er und lächelt.